Cirque du Soleil kommt nach Graz
Ab Mittwoch macht der weltberühmte Cirque du Soleil in Graz Station. "Saltimbanco" ist eine Reise in die groteske Welt der Großstadt. Das Leben ist Schweben, die Leichtigkeit des Seins atemberaubend schön.

Foto © Cirque du Soleil
Begonnen hat alles in Baie-Saint Paul, einer Kleinstadt in der kanadischen Provinz Quebec. Hier erkannte der Straßenkünstler Guy Laliberté 1984 das Potenzial von 19 Gleichgesinnten und gründete anlässlich der 450-Jahr-Feier der Entdeckung Kanadas seinen eigenen Zirkus.
28 Jahre später zählt die Artistenkompanie 1200 Künstler aus 50 verschiedenen Ländern und ist als Cirque du Soleil, zu deutsch "Sonnenzirkus", in aller Welt bejubelt und gerühmt. Knapp 100 Millionen Zuschauer durften die bisherigen 22 Shows der Kompanie bereits erleben. Insgesamt sind 5000 Mitarbeiter dafür verantwortlich, dass der frankokanadische Zirkus nicht nur im Hotel Bellagio in Las Vegas, sondern in allen fünf Kontinenten erfolgreich über die Bühne geht. So auch in Graz, wo der Zirkus ab Dienstag mit seiner Arena-Produktion "Saltimbanco" gastieren wird.
Diese Show, die seit 20 Jahren Jung und Alt ins Zirkuszelt lockt, verzichtet gänzlich auf Sägespäne-Atmosphäre und setzt statt dessen auf ein durchgestyltes Gesamtkunstwerk. Rund 50 Akrobaten, Tänzer und Sänger nehmen in "Saltimbanco" - auf deutsch "Sprung auf die Bank", auf französisch bedeutet "saltimbanque" schlicht Straßenkünstler - das Publikum mit auf eine Reise in die skurrile, aber farbenfrohe Welt der Großstadt. Eine Welt aus Bewegung, Tanz und Licht. Aber auch eine Welt, in der Individualismus und Andersartigkeit kaum Platz haben.
Ausgangspunkt des 1992 in Montréal uraufgeführten Stücks, war schon damals die zunehmende Gewalt in Millionenstädten und das erschwerte Zusammenleben der Kulturen. Artistische Höchstleistung soll also zugleich groteske Gesellschaftskritik sein. In Schwärmen treffen mehrfarbig maskierte Fabelwesen, die in "Saltimbanco" die konforme Masse bilden, auf eigenständige Figuren, wie den machtgierigen Baron, den Witzbold Eddie oder den verschlafene Träumer. Während die Figuren der Kavaliere ihnen den Weg durch die Häuserschluchten weisen, sorgt die Sängerin "La Belle" inmitten der rockigen Klänge von sieben Musikern für den letzten Funken Hoffnung. Gemeinsam oder allein schwingen die Typen auf russischen Schaukeln, klettern auf chinesische Stangen oder wirbeln an Bungee-Seilen in luftigen Höhen.
Die Idee zu "Saltimbanco" stammt unter anderem von Franco Dragone. Der italienisch-stämmige Intendant, der auch bei anderen Shows des "Cirque du Soleil" wie "Mystère" (1993) federführend war, vermischt die Buntheit kultureller Traditionen mit artistischer Ausdruckskraft. Hinter den zwei Stunden Illusion, die dem Zuseher geboten wird, steckt freilich enormer Aufwand. 180 Tonnen wiegt die gesamte Ausstattung, mehr als 2500 Kostümteile fahren in 50 Containern von Stadt zu Stadt. Unter anderem ist dabei die zirkuseigene Waschmaschine ein ständiger Begleiter. "Saltimbanco" entführt gekonnt in eine zauberhafte Stadt, die den Sprung über die Hausmauern gesellschaftlicher Konventionen wagt. Auch noch nach 28 Jahren im Showgeschäft.
















