Krebs nicht erkannt: Patient starb nach Studie
Wolfgang K. starb nach einer Medikamentenstudie an Krebs. Die Symptome für seine Erkrankung hatten die Ärzte falsch gedeutet. Es soll sogar der Verdacht auf fahrlässige Tötung bestehen.

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Zwei Ärzte der medizinischen Universität Graz sind mit schweren Vorwürfen konfrontiert: Ihr Patient Wolfgang K. sei während einer Medikamentenstudie nicht ausreichend untersucht worden. Deshalb habe sich unbemerkt eine Dickdarmkrebserkrankung ausbreiten können, die zum Tod führte.
Das medizinische Privatgutachten der Kläger für den Zivilprozess soll von der Richterin an die Staatsanwaltschaft übermittelt worden sein. Angeblich bestehe ein Verdacht auf "fahrlässige Tötung". Hansjörg Bacher von der Staatsanwaltschaft Graz bestätigt den Vorgang und erklärt: "Wir werden erst einen Gutachter zurate ziehen und prüfen, ob der Verdacht überhaupt begründet ist." Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
Allgemeinzustand gut?
2008 wurde bei Wolfgang K. zufällig eine Hepatitiserkrankung festgestellt (siehe privates Klags-Gutachten links). "Mein Mann wollte dann unbedingt in die Medikamentenstudie für ein neues Präparat, weil man ihm gesagt hat, dass er so bessere Chancen habe," erklärt die Witwe Christine K. heute.
Die Studie, mit der die Medikamentenwirkung erforscht werden soll, begann am 27.10.2008. Schnell stellten sich Nebenwirkungen ein. "Mein Mann klagte außerdem immer wieder über sehr starke Magenschmerzen und heftiges Sodbrennen." Angeblich bewerteten die Studienärzte den Allgemeinzustand jedoch immer wieder als "gut".
Sogar als Wolfgang K. einen Darmverschluss hatte. "Mein Mann hat zu Hause Kot erbrochen. Da soll der Allgemeinzustand 'gut' sein? Wenige Tage darauf erfuhr er in einem anderen Spital, dass er an Krebs sterben wird. Wie kann es passieren, dass ausgerechnet unter Aufsicht von Magen- und Leberspezialisten ein Darmkrebs wachsen kann, bis er tödlich ist?"
"Maskierter" Krebs
Spricht man mit Fachärzten, zeigt sich ein schwieriges Diagnostik-Bild: Die Nebenwirkungen der Medikamententherapie hätten die Krebssymptome "maskiert". Das heißt, sie seien extrem ähnlich gewesen. Deshalb wäre die Krebserkrankung so schwer zu erkennen gewesen. MedUni-Rektor Josef Smolle: "Wir müssen zwei Dinge getrennt voneinander betrachten: Die Vorwürfe beziehen sich ja nicht auf die Studie an sich, sondern auf die Zweiterkrankung mit einem zutiefst bedauerlichen Ausgang." Smolle wollte deshalb keine konkreten Angaben zu den Untersuchungen in diesem Fall machen. "Die Gerichte und die Gutachter sind am Zug. Wir werden alle Unterlagen zur Verfügung stellen."
Vertrauen in Ärzte verloren
Jene Allgemeinmedizinerin, an die Wolfgang K. sich wandte, soll die Studienärzte angeblich auf auffällige Symptome hingewiesen haben. Sie sagt: "Ich bin konsterniert, warum an der MedUni nicht früher gehandelt wurde. Ich mache mir auch Vorwürfe, dass ich nicht stärker und früher darauf gedrängt habe, dass sich Wolfgang K. woanders untersuchen lässt."
Trotz ihrer Bedenken hätten die Studienärzte aber darauf hingewiesen, dass ausschließlich die MedUni den Patienten betreut.
Die Krebserkrankung sei dann jedoch nicht von den Studienärzten, sondern von anderen Medizinern festgestellt worden, zu denen sie Wolfgang K. überwies.
Wolfgang K. hat übrigens noch vor seinem Tod die auf medizinische Fälle spezialisierte Rechtsanwältin Karin Prutsch beauftragt, Klage gegen den Studien-Versicherer einzureichen.
"Wissen Sie", sagt Christine K. heute, "mein Mann hat zu Beginn den leitenden Studienarzt gefragt, ob er eine Darmspiegelung machen soll, weil seine Mutter an einem Kolonkarzinom gestorben ist. Die Antwort war: ,So gut wie in dieser Studie werden Sie in Ihrem ganzen Leben nirgendwo untersucht.'" Sie empfindet nach wie vor "Wut, die hochkommt". Tochter Ruth hat "irgendwie resigniert": "Ich bin nicht mehr wütend. Ich habe nur das Vertrauen in diese Ärzte verloren."
















