Intensivkünstler mit Witz
Constantin Lusers Werke spielen viele Stückerln. Einblicke geben Präsentationen des erfolgreichen Grazers in Salzburg, Wolfsburg und in seiner Heimatstadt.

Foto © APAFrische Luft: Künstler Constantin Luser (35)
Mit seinen feinen chemischen Trompeten vulgo "Molekularorgel" für die TU Graz hat Constantin Luser ebenso Aufsehen erregt wie mit dem monumentalen "Vibrosaurus" aus Horn- und Posaunenrohren. Nach Ausstellungen in London, Wien oder Berlin sind Präsentationen des gebürtigen Grazers derzeit in Salzburg, Wolfsburg und in seiner Heimatstadt zu sehen. "Und als Nächstes mache ich in Wien ein Schuhgeschäft für Sommerschuhe aus Kairo auf", sagt Luser augenzwinkernd. "Als zweites Standbein neben der Kunst."
Bodenhaftung
Ein zweites Standbein braucht Luser eigentlich nicht. Nicht mehr. Spätestens seit dem "BC 21 Boston Consulting & Belvedere Contemporary Art Award" für den "Vibrosaurus" im Jahr 2007, der mit 20.000 Euro dotiert war, weist das Karrierebarometer steil nach oben. Dass der 35-Jährige in den letzten Jahren dennoch nie die Bodenhaftung verloren hat, ist sympathisch. Luser spielt sich nicht als Winner auf.
Der Künstler konzentriert sich lieber auf die Linie. Seine Linie. Sie ist die Basis seiner Kunst. In filigranen Zeichnungen verbindet er Worte und Symbole, Gedanken, Gesichter und Geräusche zu geografischen Gebilden. Mit dem Fineliner schafft der Künstler, der an der FH Joanneum in Graz Industrial Design studiert und danach die Akademie der Bildenden Künste in Wien besucht hat, Mikro- und Makroansichten unserer Welt.
Ein Beispiel ist derzeit im Salzburger Künstlerhaus zu sehen, wo Luser die Ringgalerie mit komplexen grafischen Netzwerken überzogen hat. Weiteres schönes Anschauungsmaterial hängt momentan in der Raiffeisen-Galerie am Grazer Tummelplatz: farbintensive Liniengeflechte mit intensiven autobiografischen und kollektiven Geschichten auf großformatigen Aluplatten. Über Nacht, so munkelt man, werden diese Bilder zur Sicherheit im Großtresor verwahrt. Lusers "Conversationscollagen" im Format 40 mal 40 Zentimeter gibt es in der Bank hingegen schon um 2800 Euro.
Neue Liebe
Eine immer wichtiger werdende Rolle in Lusers Kunst spielt die Musik. Nach Blasinstrumenten bei "Vibrosaurus" & Co. hat es dem Künstler nun das Ziehen angetan. In Wolfsburg hat er kürzlich seine "Bandoneon Intensivstation" eröffnet und eine Weltmaschine angeworfen, die einem altem Kulturgut wieder Leben einhaucht. Intelligent. Intensiv. Ein Schuhgeschäft hat in dieser Welt irgendwie nicht Platz.
Features
Zur Person
Constantin Luser, geboren 1976 in Graz. Lebt in Wien und Graz.
Ab 1995 FH Joanneum (Industrial Design), ab 1999 Akademie der bildenden Künste in Wien.
2007: BC 21 Art Award.
Ausstellungen: Minoriten Graz, Kunsthalle Wien, Essl-Museum, Augarten Contemporary u. a.

















