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Zuletzt aktualisiert: 10.02.2012 um 05:56 UhrKommentare

Und täglich grüßt das Feinstaub-Gewissen

Seit Jahresbeginn harrt Christian Wabl jeden Morgen in Eiseskälte vor der Grazer Burg, um die Politiker an ihre Verantwortung beim Feinstaub zu erinnern. Inzwischen hat er Mitkämpfer.

Der Kaffee und der Ärger über die Politik wärmen von innen. Jeden Tag steht Christian Wabl (links) mit anderen Grazern eine Stunde vor der Burg

Foto © EDER Der Kaffee und der Ärger über die Politik wärmen von innen. Jeden Tag steht Christian Wabl (links) mit anderen Grazern eine Stunde vor der Burg

Der Ärger im Bauch wärmt von innen. Ärger und dampfender Kaffee aus der Thermosflasche. Christian Wabls Blick folgt den Männern und Frauen, die kurzbeinig an ihm vorüberziehen, die Mantelkrägen hochgeschlagen, den Wolken ihres Atems folgend. "Als ich angefangen habe, da war's noch deutlich wärmer, erinnere ich mich", sagt Wabl und vergräbt sein Kinn in seinem hellgrauen Schal.

Es ist Donnerstag kurz vor acht Uhr früh und die Thermometer zeigen minus zehn Grad Celsius. Unter dem Eingangsportal der Grazer Burg stehen acht Leute im Halbrund um eine Sitzbank und treten von einem Bein auf das andere. Hergeführt hat sie eine stille Wut. "Weil die Politiker ihre Verantwortung beim Feinstaub nicht wahrnehmen", sagt Wabl.

Vor fünf Jahren hatte der Grazer versucht, die Republik gerichtlich für die Luftmisere haftbar zu machen. Jetzt hat sich Wabl etwas Neues ausgedacht. Seit Jahresbeginn sitzt er jeden Tag zwischen halb acht und halb neun Uhr früh auf der Parkbank neben dem Haupteingang zur Grazer Burg. Eine Stunde lang, ob Kälte oder nicht. "Mit meiner Präsenz will ich den Landeshauptmann und die anderen Politiker erinnern, dass sie für die Luftsituation verantwortlich sind und etwas tun müssen." Inzwischen haben sich mehrere Gleichgesinnte angeschlossen.

Hartnäckigkeit

Es ist kurz nach acht Uhr. Landesamtsdirektor Helmut Hirt biegt eiligen Schrittes von der Straße in den Torbogen der Burg ein. Haube, Schal, Aktentasche. Im Vorbeigehen nickt er Wabl zu, ehe er durch einen Seiteneingang huscht. Man kennt sich inzwischen. "Wir sind nicht aufdringlich", sagt Wabl, "nur hartnäckig. Die wissen, warum wir hier sind." Der Landeshauptmann selbst sei einmal verwundert stehen geblieben und habe nachgefragt. "Er hat gesagt, dass er darüber nachdenken wird", erzählt Wabl mit einem dünnen Lächeln.

Zwanzig Minuten nach acht. Die Kälte nagt an den Gesichtern. Jetzt treffen die Regierungsmitglieder zur wöchentlichen Sitzung ein. Auf dem Beifahrersitz eines BMW rollt Finanzlandesrätin Bettina Vollath vorbei, wenige Minuten darauf hält der dunkle Wagen des Landeshauptmanns. Ein knappes "Morgen!", schon ist Franz Voves in den Gängen der Burg verschwunden. Es folgt der Mercedes von Bildungslandesrätin Elisabeth Grossmann. Die Auspuffrohre dampfen mit den Atemstößen der Aktivisten um die Wette. Als Letzter hält der Dienstwagen von Hermann Schützenhöfer. Mit Handy am Ohr und Dokumenten unter dem Arm eilt der Landeshauptmann-Vize an der Gruppe vorbei.

Halb neun, die Stunde ist vorüber. Man verabschiedet sich. "Bis morgen!" Ob das Ausharren etwas gebracht hat? "Das frage ich mich jeden Tag", seufzt Wabl. "Aber wir bleiben hartnäckig." So wie der Feinstaub über Graz.

GÜNTER PILCH

Feinstaubalarm an jedem zweiten Tag

Zum 23. Mal seit Jahresbeginn haben gestern die Tagesmittelwerte beim Feinstaub in Graz den erlaubten Grenzwert durchbrochen. Damit gab es im Schnitt bislang an mehr als jedem zweiten Tag Feinstaubalarm. Das, obwohl der milde Jänner einiges abgefangen hat. Im Vorjahr gab es zum selben Zeitpunkt bereits 29 Überschreitungstage. Gestern verzeichnete die Steiermark den höchst belasteten Tag seit Jahresbeginn. In den südlichen Landesteilen lagen die Feinstaubwerte mehr als doppelt so hoch wie erlaubt, Überschreitungen gab es auch im Mur-, Mürz- und Ennstal.

Das große Frieren geht vorerst weiter

All jene, die die eisigen Temperaturen bereits satthaben, müssen sich weiter gedulden. In den nächsten Tagen ist keine substanzielle Erwärmung in Sicht. "Über das Wochenende hinaus wird es kalt bleiben", sagt Christian Pehsl von der Zentralanstalt für Meteorologie. In den Niederungen wird es tagsüber kaum wärmer als minus fünf Grad. Auch auf den Bergen kühlt es wieder ab. Auf 2000 Meter Höhe sinken die Temperaturen auf minus 15 bis minus 19 Grad. Zu Wochenbeginn erwarten die Meteorologen zwar leichte Besserung. Die Werte bleiben aber unter null Grad.

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