"CMRK": Von Brückenschlägen und von Barrieren
"CMRK": Camera Austria, Medienturm,

Foto © ROTOR
CMYK ist die Abkürzung für Cyan, Magenta, Yellow und den Schwarzanteil Key und betitelt ein gängiges Farbmodell. "CMRK" steht für Camera Austria, Medienturm,
Medienturm
Bernhard Fruehwirth (43) heißt jetzt Bernhard Frue. Im Rahmen seines Projekts "Phesbuk" hat der in Wien lebende Steirer kurzerhand seinen Namen geändert. Im Zentrum stehen oder besser kleben Fotos von Gesichtern, die der Künstler mit dem Kugelschreiber aus Zeitungen und Magazinen herausgearbeitet, ja herausgestochen hat. Das Ergebnis ist ein archaisches Panoptikum aus rund 3000 prominenten, weniger prominenten und unbekannten Menschen.
Die "ausgezeichneten" Gesichter, wie der Otto-Mauer-Preisträger von 2006 sagt, versammelt Frue in einem Künstlerbuch. In der aktuellen Ausstellung wird das Projekt installativ präsentiert: gezeichnet, vergrößert, projiziert, animiert. Das Künstlerbuch selbst erscheint in einer limitierten Edition und ist über den Kunstverein Medienturm erhältlich (Preis: 240 Euro).
"Phesbuk", nicht zu verwechseln mit Mark Zuckerbergs weltbekannter Online-Geldmaschine, dreht sich um Selbstdarstellung, Reflexion und Codierung, um Medien und den Fetisch Gesicht. Frue verarbeitet diese Themen in Videoarbeiten, Gemälden und Grafiken teils unkonventionell und ästhetisch, teils aggressiv und ziellos.
Gefällt uns, überzeugt uns aber nicht zur Gänze.
Kunstverein
Judith Hopf (42) nimmt gerne auseinander. Vor allem gesellschaftliche Prozesse und Widersprüche haben es der deutschen Künstlerin und Professorin an der Städelschule angetan. Im Kurzfilm "Some End of Things: The Conception of Youth" versucht sich ein junger Mann in einem Ei-Kostüm durch eine modernistische Tür zu quetschen. Ein schönes Bild gegen die Vereinheitlichung unserer Zeit. Die erste Ausstellung unter dem interimistischen Kunstverein-Leiter Daniel Pies hält aber noch mehr parat: eine "Erschöpfte Vase, vom Erzählen", ein "Dem Kirschbaum ähnelnder Essigbaumast", eine Glastür, die keine Tür ist. Kunst sollte auch unterhaltsam sein, sagt die Künstlerin im Interview (siehe rechts). Bei Hopf ist das keine hohle Phrase.
Camera Austria
Die größte Pfingstkirche in Lagos umfasst fünfmal mehr Gläubige als das weltgrößte Fußballstadion. Kinos in Rio de Jañeiro konvertieren zu Kirchen, öffentliche Plätze in Mumbai werden zur Bühne für religiöse Spektakel: Das Ausstellungsprojekt "The Urban Cultures of Global Prayers" beschäftigt sich mit neuen Glaubensgesellschaften in unterschiedlichsten lokalen Kontexten und zeigt Beispiele der "Erlösung und Befreiung in der Stadt". Organisiert von der Berliner Initiative "metroZones", schließt Camera Austria damit an das Projekt "Communitas" zu Fragen von Gemeinschaft und aktuellen Identitätspolitiken an. Eine inhaltlich hochspannende und zeitintensive Schau, die sich eine lebendigere Präsentation verdient hätte.
rotor
"Seid realistisch, fordert das Unmögliche!" heißt es im
"Wo da ist, muss auch dort sein", ist sich hingegen Markus Wilfling sicher. Der Steirer zeigt ein bosnisches und ein österreichisches Wohnzimmer als Spiegelbild mit kleinen Unterschieden. ILA hat zwei neue "Earth Plugs" gebaut, die er am Grazer Schloßberg und im Zuge der Gegenausstellung im April in Sarajevo einsetzen wird. Von Richard Kriesche ist die "google_sculpture: arnold schwarzenegger" zu sehen. Das Objekt stellt die Anzahl der Interneteinträge der Begriffe "Gemeinderat Graz" und "Arnold Schwarzenegger" in Beziehung: 154.000 – 19.900.000.
Ebenfalls nicht unwitzig ist der "Oriental Dream", in dem Damir Niki und Michael Blum einem roten Fez nachjagen. Erstaunlich, wie die gesamte Ausstellung, auch Jusuf Hadifejzovi: Sein "Depot Graz" kennt keine Grenzen.
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Zum Thema
Judith Hopf: "Kunst sollte auch unterhaltsam sein"
In Ihrem Kurzfilm "Some End of Things" im Grazer Kunstverein versucht ein Ei, ein Gebäude zu betreten. Doch das Ei ist zu groß, die Tür zu klein und ein Kompromiss ist nicht in Sicht. Fast wie im richtigen Leben, oder? JUDITH HOPF: Ja. Es geht um unsere normierte Welt. Und um die Anpassungsleistung, die man den jungen Leuten abverlangt im Kreativbusiness. Ich möchte, dass man Kunst nicht immer als funktionalistisch begreift, nicht immer mit der Marktlogik verbindet. Auf der anderen Seite sollte Kunst schon auch unterhaltsam sein. Ich versuche da, nicht so elitär zu denken.
Die Beziehung zwischen Kunst und Kreativwirtschaft ist nicht gerade eine Liebesbeziehung. HOPF: Was schade ist. Ich würde mir eine positivere Aufmerksamkeit aller wünschen. In der Musik einigt man sich zumindest auf ein Thema, nämlich Musik zu machen. Und spielt nicht ständig gegeneinander.
Sie sind Professorin an der Städelschule in Frankfurt. Das Unterrichten macht Spaß? HOPF: Natürlich! Frankfurt ist eine sehr offene Akademie, die Studenten und Künstler kommen aus der ganzen Welt. Dieser Austausch ist toll.
In der Steiermark wird derzeit im Kulturbereich wieder die Sparschraube angezogen. Wie ist die finanzielle Situation in Ihrer Wahlheimat Berlin? HOPF: Unser Bürgermeister Klaus Wowereit ist gleichzeitig Kulturminister. Warum das so ist, hat keiner verstanden. Er will jedenfalls noch eine Kunsthalle, und noch eine, die dann seine Kinder sind. Und so haben wir sehr viele Institutionen, die alle kein Geld haben.
INTERVIEW: ANDREAS PRÜCKLER
















