So teuer ist das Zentrum in Graz
Das Aus für das Café Macher am Grazer Jakominiplatz wirft brisante Fragen auf: Wie hoch sind die Mieten für Geschäftsflächen im Grazer Zentrum? Und wer kann sich diese noch leisten?

Foto © Jürgen FuchsRund um die Herrengasse, die angesagteste Grazer Einkaufsmeile, sind stolze Mietpreise fällig. Doch auch internationale Ketten bezahlen diese nicht mehr locker aus der Portokasse
Am Ende lag es am schnöden Mammon: "Miete und Umsatz haben nicht zusammengepasst", meinte Heinz Krenn angesichts der Sperrstunde für sein Café Macher auf dem Grazer Jakominiplatz. Der "Hausherr" entgegnete umgehend, dass die Miete angemessen, womöglich aber das Konzept falsch gewesen sei (wir berichteten).
In jedem Fall wird seither darüber debattiert, wie viel man eigentlich für Geschäftsflächen in der Grazer Innenstadt hinblättern muss. Und wer dazu überhaupt noch bereit ist.
Josef-Karl Podlesnik muss es wissen: Seit Jahren legt er mit seiner Immobilienfirma "jkp" Kunden die Rutsche für einen Auftritt in der Murmetropole - egal ob H&M, Zara oder jüngst dem Einrichtungsspezialisten Interio. "In Toplagen rund um den Hauptplatz sind Mieten bis zu 100 Euro pro Quadratmeter möglich", verrät er. "In Richtung Jakominiplatz nimmt die Miete dann schrittweise auf rund 60 Euro ab."
Wer kann sich diese Mieten leisten? Bloß internationale Ketten? "Es sieht danach aus", gesteht Erwin Sacher, Präsident der Plattform "Wirtschaftsnetzwerk Graz". Doch selbst hier steige der Druck: "Niemand eröffnet mehr aus Prestigegründen eine Filiale in der Herrengasse, diese Zeiten sind vorbei. Auch bei den großen Ketten muss sich jede einzelne Filiale längst selbst tragen."
Dem Grazer Einzelhandel selbst gehe es "nicht schlecht". Damit es besser geht, hat Sacher vor allem eine Forderung: "Sperrt Verkehrsreferentin Rücker die Autos aus, brauchen wir eine Alternative" (siehe links oben).
Wirtschaftsstadträtin Sonja Grabner (VP) indes versprüht Optimismus: Ja, gesteht sie, Graz weist bei Geschäften eine hohe Fluktuation auf. "Zugleich werden jährlich mehr als 1000 Unternehmen neu gegründet." Durch die steigende Zahl der Hauptwohnsitze nehme langfristig bestimmt auch die Kaufkraft zu.
Doch selbst dann spiele Graz "nicht in der Liga von Zagreb oder Zürich. Auch innerhalb von Österreich schielen Topkunden wie Louis Vuitton lieber nach Wien oder Salzburg", so Immobilienexperte Podlesnik. "Dem Handel im Grazer Zentrum fehlt ein Gesamtkonzept, eine einheitliche Fußgängerzone."
Und noch mehr, wie die "Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung" (GMA) feststellte: Sie legte 2009 eine Analyse für Graz vor - derart detailliert, dass im Rathaus bis heute darauf verwiesen wird. Das Fazit der Studie: Während die Verkaufsflächen zunehmen, stehen "zu viele" Geschäfte leer.
Features
Fakten
Miete für Toplagen in der Sporgasse:
70 Euro pro Quadratmeter.
Miete für Toplagen Hauptplatz/Herrengasse:
100 Euro pro Quadratmeter.
Miete für Toplagen am Jakominiplatz:
60 Euro pro Quadratmeter.
















