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Zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 um 21:08 UhrKommentare

Arche Noah will jetzt das Land klagen

Arche-Noah-Chef Herbert Oster weist Rechnungshofkritik am Spendengütesiegel zurück und kritisiert "Knebelvertrag" durch das Land. Er will jetzt Förderungen einklagen.

"Arche-Noah"-Chef Herbert Oster geht auf Konfrontationskurs mit dem Land Steiermark: "Die Kürzungen sind eine Zumutung, wir werden rechtliche Schritte einleiten"

Foto © KK "Arche-Noah"-Chef Herbert Oster geht auf Konfrontationskurs mit dem Land Steiermark: "Die Kürzungen sind eine Zumutung, wir werden rechtliche Schritte einleiten"

Herr Oster, der Rechnungshofbericht kritisiert die Art und Weise der Spendengütesiegel-Vergabe an den Verein Aktiver Tierschutz. Es geht um das Naheverhältnis zwischen Prüfer und Verein. Müssen Spender fürchten, dass bei Ihnen mit Spenden nicht sorgfältig umgegangen wird?

HERBERT OSTER: Der Spendengütesiegel-Prüfer hat die Frage der Unvereinbarkeit mit der Kammer der Wirtschaftstreuhänder abgeklärt. Die Kammer hat eindeutig bestätigt, dass finanziell alles in Ordnung ist und auch keine Unvereinbarkeit vorliegt. Unser Prüfer sagt, dass es sich um ein Missverständnis des Rechnungshofes im Rahmen des Prüfberichts handelt.

Wäre es nicht am einfachsten, den Prüfer zu wechseln?

OSTER: Das ist bereits geschehen. Aber auch der Direktor des Landesrechnungshofes, Hofrat Johannes Andrieu, hat mir gesagt, dass finanziell alles in Ordnung ist.

Nächstes Thema: Aufgrund der alten Substanz, die es unmöglich macht, die Hygienevorschriften einzuhalten, sollte das Tierheim im Herbst 2011 neu gebaut werden. Die Mittel standen bereit. Doch wir sitzen hier in der "Arche Alt" - warum?

OSTER: Wir sollten die Hälfte der Umbaukosten tragen, Land und Stadt jeweils ein Viertel. Doch das Land hat im Herbst die Gelder wieder zurückgezogen, weil die Stadt die Mittel plötzlich doch nicht bereitgestellt hat. Aber angeblich sollen sie beim nächsten Gemeinderat beschlossen werden. Die Hygienevorschriften werden selbstverständlich eingehalten. Für quarantänemäßige Unterbringungen stehen natürlich Räumlichkeiten zur Verfügung, wenn auch in begrenztem Ausmaß. Inzwischen fahren wir weiterhin unbezahlt die Tierrettung fürs Land, weil die Feuerwehr nur Teile der Einsätze bestreitet. 2011 waren es rund 2900 Anrufe und 1500 Ausfahrten. Die Feuerwehr betreut aber nur den Raum Graz. Außerhalb von Graz ist unsere Tierrettung allein für alle Notfälle zuständig und die Leute sind sehr dankbar, da wir die Einzigen sind, die in Notsituationen helfen.

Immer wieder wird die Überbelegung des Tierheims kritisiert. Die Folgen sind Stress, Enge, weniger Zeit des Personals. Wie finden Sie hier als Tierschützer die Balance zwischen Aufnahmestopp und neuerlicher Tierquälerei?

OSTER: Natürlich kann ein Heim den Familienanschluss nie ersetzen. Wir sind immer voll belegt, aber die von den Behörden vorgeschriebenen Höchstzahlen sind schlichtweg falsch. Unsere Kapazität ist weit höher. Doch so muss das Land weniger zahlen.

Das heißt, Sie haben derzeit Zwinger, die leer stehen?

OSTER: Gerade dieser Tage sind wir wieder durchgegangen. Es wird immer veranlasst, dass einige beheizbare Zwinger für Notfälle bereitstehen.

"Gescheitert an den internen Strukturen" erklären viele ehemalige Mitarbeiter. Die neue Heimleiterin Brigitte Amon hat einiges verändert. Ist das die längst fällige Frischzellenkur für die "Arche Noah"?

OSTER: Frau Amon arbeitet seit neun Jahren bei uns, viele andere länger. Sie hat nach wie vor Rückhalt bei ihrer Vorgängerin Sonja Lang, die sie berät, aber alle Entscheidungen trifft Frau Amon selbstständig. Natürlich herrscht nun ein anderer Stil, der aber immer im Interesse der Tiere liegt.

Zum Abschluss: Wie sehen Sie die Fördervergabe-Praxis von Landesrat Johann Seitinger? Förderungen für Tierheime wurden gekürzt, die Heime aufgefordert, die Anteile untereinander auszumachen. Kann das funktionieren?

OSTER: Kann es nicht und hat es auch nicht. Seitinger macht es sich sehr leicht. Das Land ist zuständig für alle Tiere. Jetzt gibt er eine Pauschale aus und sagt: "Macht's!" Wenn ich mir den Fuhrpark des Landes anschaue, der kostet sehr viel Geld. Trotzdem kann ich nicht verantworten, dass ich fahrlässig werde. Es ist eine Zumutung von Landesrat Seitinger, Kürzungen vorzunehmen, wo jeder vernünftige Mensch wissen muss, dass es fixe Ausgaben gibt, die unbedingt zu leisten sind, wie Futter, Tierarzt etc. In unserem Fall wurde vor Jahren vom Land veranlasst, die tatsächlichen Kosten des Tierheimes zu berechnen. Das ergab ca. 900.000 Euro, wobei Seitinger ein Drittel gestrichen hat, ohne auf die finanziellen Notwendigkeiten Rücksicht zu nehmen.

Wie schaut unter diesen Bedingungen die finanzielle Zukunft der Arche Noah aus?

OSTER: Für das Jahr 2012 hat der Landesrat einen Knebelvertrag entwerfen lassen, der eine weitere Kürzung um 24 Prozent vorsieht und wonach nur noch 456.000 Euro zur Auszahlung kommen sollen. Wir werden mit Sicherheit rechtliche Schritte einleiten und das Land klagen. Wir decken mit unseren acht Ressorts sämtliche Tierschutzbereiche in der Steiermark ab. Unsere Tierrettung habe ich schon angeführt, unsere Tierinspektoren haben im Jahr 2011 auch 2520 Tierschutzfälle bearbeitet, durch die Arbeit der Katzenhilfe kastrieren wir jährlich fast 3000 Katzen, unsere Pferdehilfe kümmert sich um 147 gerettete Pferde. Auch unsere Auslandshilfe ist sehr aktiv und nicht zuletzt möchte ich unser Tierheim erwähnen, das jährlich ca. 800 Hunde und 1000 Katzen aufnimmt und auch wieder auf gute Plätze vermittelt. In unserer Tierklinik finden sozial schwache Tierbesitzer Hilfe für ihre erkrankten Tiere, auch die Tierklinik hat täglich bis zu 70 Patienten.

Das neue Tierheim in Knittelfeld soll sie künftig entlasten . . .

OSTER: Dieses Tierheim in Knittelfeld war wirklich nicht notwendig. Es wird für Fritz Lichtenegger vom Landestierschutzverein auch schwierig werden, es zusätzlich zu seinem Tierheim in der Grazer Grabenstraße zu betreuen. Aber damit sollten wohl die vielen ÖVP-Bürgermeister in der Region zufriedengestellt werden. Landesrat Seitinger hat so leichtfertig Geld für ein neues Heim in Knittelfeld ausgegeben.

INTERVIEW: ALICE SAMEC

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