"Die dicke Jacke war zuerst unangenehm"
Die winterliche Kälte liebt nicht jeder. Doch wie empfinden sie Menschen aus anderen, meist wärmeren Ländern? Wir haben beim Afro-Asiatischen-Institut in Graz nachgefragt.

Foto © SABINE HOFFMANN Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern und mussten sich meist erst auf die Kälte einstellen
Bosilorene Botsili kam 2004 aus der Demokratischen Republik Kongo nach Graz und erlebte quasi einen Kälteschock: "In Zentralafrika hat es um die 20 bis 26 Grad." Er wunderte sich, dass es hier trotz des Sonnenscheins so kalt war. "Obwohl ich sie brauchte, war mir die dicke Jacke am Anfang noch eher unangenehm." Auch Schnee war für den Medizinstudenten neu: "Ich wollte ihn unbedingt angreifen und habe mir gedacht, dass er sich wie Sand anfühlen muss. Aber nein, er zerfließt, sobald man ihn in die Hand nimmt."
Mido Moursi stammt ursprünglich aus der Nähe der ägyptischen Hauptstadt Kairo. Auch er hat Schnee noch nie zuvor in seinem Leben gesehen - nur im Fernsehen. "Ich habe mich gefragt, wie die Leute hier leben können - bei dieser Kälte und dem vielen Schnee." Mit den tiefen Temperaturen musste er sich erst arrangieren: "In Ägypten hat es im Sommer bis zu 50, manchmal sogar 60 Grad. Das war hier schon eine Umstellung, muss ich sagen. Eigentlich würden mir auch nur zwei bis drei Wochen Winter reichen."
Bolortsetseg Baljinnyam verließ ihre mongolische Heimat vor sechs Jahren, um in Graz Jus zu studieren. Die Kälte macht ihr wenig aus, die kennt sie nur zu gut - allerdings in verschärfter Form: "Ulaanbaatar, die Hauptstadt der Mongolei, gilt als die kälteste Stadt der Welt. Dort hat es im Winter zwischen minus 27 bis minus 32 Grad, in der Nacht kann die Temperatur sogar auf bis zu minus 50 Grad sinken." Dennoch freut sie sich darüber und geht im Winter gerne eislaufen.
Pamir Harvey ist Interkultureller Referent des Afro-Asiatischen-Instituts in Graz. Geboren wurde er im indischen Bombay, dem heutigen Mumbai, vor 19 Jahren kam er nach Österreich. An die Kälte musste er sich erst gewöhnen - neu war auch die weiße Winterpracht, die er erstmals 1993 sah: "Ich war euphorisch und bin den ganzen Tag mit einem Lächeln im Gesicht durch die Gegend gegangen. Es ist schön, wenn der Schnee alles zudeckt und es heller wird."
















