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Zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 um 14:20 UhrKommentare

Historikerin analysiert mediales "Sisi"-Bild um 1900 in Wien

Eine Grazer Historikerin untersucht das mediale Bild von Kaiserin Elisabeth. Eine öffentliche Wahrnehmung von "Sisi" soll es zu Lebzeiten kaum gegeben haben.

Eine historische Fotografie der Kaiserin Elisabeth „Sisi“ in ihrem prunkvollen ungarischen Kroenungskleid.

Foto © G. HORVATH / SCHLOSS SCHOENBRUNN KULTUR- U. BETRIEBST GES.M.B.H.Eine historische Fotografie der Kaiserin Elisabeth ?Sisi“ in ihrem prunkvollen ungarischen Kroenungskleid.

In Gestalt von Romy Schneider wurde die 1898 in Genf ermordete österreichische Kaiserin Elisabeth - damals "Sisi" genannt - jene "Sissi", die seit den 1950er-Jahren bald ganz Europa entzückte und das Bild der Monarchin bis heute wesentlich mitbestimmt. Mit der Frage, wie die öffentlichkeitsscheue Regentin in der Wiener Presse um 1900 dargestellt wurde, hat sich die Grazer Historikerin Evelyn Knappitsch auseinandergesetzt und das Bild der "Mater Dolorosa" - der schmerzerfüllt trauenden Mutter - festgemacht.

"Eine öffentliche Wahrnehmung der Kaiserin war zu ihren Lebzeiten kaum bis gar nicht gegeben", so Knappitsch im Gespräch mit der APA. Erst die Ermordung im Spätsommer 1898 habe die Regentin in den Mittelpunkt medialer Aufmerksamkeit katapultiert: "Noch wenige Monate zuvor verblieb sie selbst an ihrem 60. Geburtstag im toten Winkel der Wiener Presse", so die Historikerin über die Herrscherin, die sich in ihren letzten dreißig Lebensjahren weder porträtieren noch fotografieren ließ.

Das Attentat von Genf blieb dann jedoch "über mehrere Wochen Gegenstand der Presse", so Knappitsch. Sie hat die damals fünf auflagenstärksten Wiener Tageszeitungen mit unterschiedlicher politischer Positionierung auf entsprechende Meldungen untersucht. "Die (Re)Konstruktionen der lebenden Kaiserin waren klar tendenziös und an die allgemeine Blattlinie angelehnt", so die Autorin. "In den liberalen Zeitungen entsprach Elisabeth ganz dem Ideal der bürgerlichen Frau", ihre Rolle als Kaiserin habe sie nicht erfüllt, weil sie eben nicht das repräsentative Glanzstück des Hofes sein wollte.

"(Nach)Blicke auf die Kaiserin"

"Auch die 'Arbeiter Zeitung' hob ihre liberale Haltung hervor, während die 'Wiener Zeitung' als offizielles Amtsblatt des Kaiserhauses, Elisabeth als ideale Herrscherin stilisierte, die ihrem Mann eine Stütze war und sich sozial engagierte", verwies Knappitsch auf die widersprüchlichen Darstellungen, die sie in ihrer jüngsten Publikation "(Nach)Blicke auf die Kaiserin" im Grazer Leykam-Verlag darlegt.

Was die Erscheinung der Kaiserin betraf, sei das "Sisi"-Bild in den liberalen Medien von ihrer Jugend und Schönheit bestimmt gewesen. Das klerikalkonservative 'Vaterland' habe sie jedoch als alt und gebrechlich beschrieben. Das tatsächliche Aussehen blieb, seit sie sich nach dem Selbstmord ihres Sohnes, Kronprinz Rudolf, nur noch dicht verschleiert zeigte, der Öffentlichkeit jedoch verborgen. "Vieles beruht auf Spekulationen und sagt mehr über die Verfasser der Artikel aus, als über die Kaiserin selbst", betonte Knappitsch.

Wenn sich zum damaligen Zeitpunkt ein medienübergreifendes Bild durchgesetzt habe, so war es das der "Mater Dolorosa", der um ihren Sohn trauernden Mutter. Das süßliche Klischee einer "naiv-optimistischen Sissi", wie es in der österreichischen Filmtrilogie der 1950er-Jahre mit Romy Schneider in der Titelrolle transportiert wurde, sei auf jeden Fall "kein Produkt des ausgehenden 19. Jahrhunderts, sondern wurde vielmehr erst durch das nationale Selbstverständnis Österreichs in der Zweiten Republik" definiert. Als Grundlage für eine positiv konnotierte, spezifisch österreichische Identität seien damals "neue kollektive Fixpunkte des kulturellen Gedächtnisses in einer noch unschuldigen Vergangenheit jenseits des Nationalsozialismus und einer politisch umkämpften Zwischenkriegszeit" verortet worden.


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