Rätselraten um ersten steirischen Landesvater
2006 wurde im Stift Rein das Skelett von Leopold I., dem ersten Markgrafen der Steiermark, entdeckt - vermeintlich. Neue DNA-Ergebnisse weisen nach Osteuropa. Wer ist hier tatsächlich begraben?

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Es war ein Sensationsfund, die Mönche im Stift Rein und die Fachwelt waren begeistert: Das Grab und das Skelett von Leopold I. (gestorben 1129), Stifter des Stiftes Rein und erster Markgraf der Steiermark, wurde bei Sanierungsarbeiten 2006 im Stift entdeckt - zumindest deutete alles darauf hin.
Jetzt bestehen Zweifel. Nach neuen Ergebnissen einer DNA-Untersuchung stammt das Skelett aus der Region des heutigen Polen, Ukraine oder Weißrussland. Der Mann, der hier begraben liegt, war also ein Westslawe; Leopold I. ist aber ein Traungauer mit Stammsitz im heutigen Steyr. Archäologe Manfred Lehner fasst das so zusammen: "Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Skelett tatsächlich Leopold I. ist; aber naturwissenschaftlich beweisbar ist es nicht."
Skelett
Dabei würde alles so gut zusammenpassen: Das Skelett stammt von einem ungefähr 50-jährigen Mann; an den Oberschenkelknochen konnte man Reitermuskelansätze nachweisen, sprich: der Mann saß viel auf dem Pferd, war demnach ein Adeliger; und das Wichtigste: Das Grab liegt am prominentesten Ort im Kloster, in dem traditionell die Stifter begraben wurden. Nur die DNA passt jetzt nicht ins Bild.
Archäologe Lehner verfolgt noch zwei weitere Spuren. Erstens: "Dieses Skelett, das derzeit als Leopold I. ausgestellt wird, wurde hier nicht als Erster bestattet." Darunter wurden Knochenteile einer weiteren Leiche entdeckt, konkret Kniescheiben und Fingerknochen. "Da ist eine DNA-Analyse schwierig, aber sie läuft."
Zweitens: Der Vater von Leopold I. liegt in Garsten bei Steyr begraben. Wenn dieser Ottokar II. ebenfalls das westslawische Gen-Muster aufweist, passt das Bild wieder. "Leider wurde die Kirche, in der er begraben liegt, erst kürzlich renoviert", so Lehner. Die Freude, jetzt wieder alles aufzureißen, um an die DNA zu kommen, sei dort begrenzt.
Wer liegt jetzt tatsächlich im Stift begraben? Für Pater August Janisch gibt es trotz fehlendem DNA-Beweis keine Zweifel. "Von der Klostertradition her liegt hier nur der Stifter. Und: Leopolds Sohn, Ottokar III., schreibt 1164 in einer Urkunde, dass sein Vater hier bei uns im Stift begraben liegt."
Features
Fakten
Leopold I. der Starke trug ab 1122 als Erster den Titel Markgraf der Steiermark. Er starb 1129.
Ottokar IV., Enkel von Leopold I., konnte die Steiermark zu einem Herzogtum aufwerten. Mit seinem Tod 1192 starben die Traungauer aus. Durch die "Georgenberger Handfeste" wurde die Steiermark mit dem Herzogtum Österreich vereint.
















