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    Zuletzt aktualisiert: 02.02.2012 um 20:30 UhrKommentare

    Von Schrebergärtnern und Selbsthilfegruppen

    Joanneum-Intendant Peter Pakesch über den Umgang mit dem Sparpaket, sein Verhältnis zur Kulturszene und die nötige Sicht auf das Übergeordnete.

    Peter Pakesch im Joanneumsviertel: "Die Qualität in unseren Häusern ist durch das Sparpaket nicht gefährdet, die Quantität hingegen schon"

    Foto © Jürgen FuchsPeter Pakesch im Joanneumsviertel: "Die Qualität in unseren Häusern ist durch das Sparpaket nicht gefährdet, die Quantität hingegen schon"

    Zuletzt konnten wir öfter den Satz hören: "Ja, ja, der Pfarrer vom Universalmuseum hat leicht reden". Damit waren Sie gemeint. Klingt jetzt nicht gerade nach gutem Hirten und zufriedener Herde. Was stimmt den nicht zwischen dem Joanneum und der steirischen Kulturszene?

    PETER PAKESCH: Die Beziehung sehe ich ambivalent: Einerseits passieren ein paar interessante Projekte, andererseits könnte der Dialog intensiver sein.

    Herrscht nur Kommunikationsmangel oder auch Widerstand, aufeinander zuzugehen?

    PAKESCH: Der Umgang mit einer lokalen Kunstszene ist für ein Museum wie unseres nur ein Teil der Wirklichkeit. Wir haben ja viele Gruppen zu bedienen, von den Archäologen bis zu den Künstlern. Unsere Kunst-Kuratoren sind ja stark in der Szene unterwegs, da entsteht schon Kommunikation. Ich bin aber zum Beispiel verblüfft, dass die Chance auf internationale Auseinandersetzung von der Szene kaum angenommen wird, also etwa Begegnungen mit Künstlern, die wir vor jeder Ausstellung anbieten. Bei namhaften Symposien, etwa zur Warhol-Schau, hat sich die lokale Künstlerschaft auch immer wenig eingebracht. Was mir aber noch mehr Sorgen macht, ist dieses Schrebergarten-Denken, das heute nicht einmal mehr für die eingefleischtesten Gärtner das Ideal ist. Es werden zu sehr Partikularinteressen beachtet, Übergeordnetes zu selten gesehen.

    Landesrat Christian Buchmann hat kürzlich gesagt, die Führung des Joanneum solle doch weniger über den Sparkurs jammern. Was antworten Sie ihm denn?

    PAKESCH: Dass wir für die massiven Einschnitte, wie sie in den letzten Jahren in Europa nur wenige Museen hatten, noch relativ wenig gejammert haben. Ich denke, dass wir gut darauf vorbereitet waren und sinnvolle Maßnahmen treffen konnten.

    Ist denn durch das Sparpaket das inhaltliche Triple A des Joanneums gefährdet?

    PAKESCH: Ich schaue in erster Linie auf die Qualität, und die ist derzeit nicht gefährdet. Die Quantität hingegen schon. Wir haben heuer keine neuen Ausstellungen in Schloss Eggenberg, im Museum im Palais, im Volkskundemuseum, in Stainz und Trautenfels und können dort nicht zeigen, wie gut wir produzieren. Im Kunstbereich hingegen haben wir heuer im Joanneumsviertel einen Schwerpunkt und zeigen mit Michelangelo Pistoletto und Maria Lassnig zwei große Namen. Besser geht's nicht.

    Als Sparmaßnahmen haben derzeit die Alte Galerie und das Archäologiemuseum drei Monate geschlossen, Schloss Stainz vier und Schloss Trautenfels fünf. Gibt es darauf Reaktionen?

    PAKESCH: Das Offenhalten von Museen kostet sehr viel Geld. Im Winter haben wir naturgemäß die schwächsten Besucherzeiten, weshalb es auch keine kritischen Publikumsreaktionen gibt. Wir haben zudem die einzelnen Reduktionen sehr genau mit den Bedürfnissen im Tourismus abgestimmt. Gruppenbesuche sind nach Anmeldung übrigens auch weiterhin jederzeit möglich.

    Das Joanneumsviertel wurde am 26. November eröffnet. Wie viele Menschen sind denn bereits der Einladung auf den Plakaten gefolgt: "Besuchen Sie Ihr Museum!"?

    PAKESCH: Rund 25.000, mehr als wir prognostiziert hatten. Und wir bekommen auch sehr gutes Feedback. Im gesamten Joanneum hatten wir im Vorjahr eine knappe halbe Million Besucher.

    Wir hören, dass auch große Häuser wie Ihres in Sparzeiten eine Art Selbsthilfegruppe bilden, bilden müssen. Wie weit sind denn diese Kooperationen gediehen?

    PAKESCH: Wir haben zwei Museumsnetzwerke angepeilt. Das eine ist mit den Nachbarstädten Zagreb, Laibach und Marburg - eine bereits funktionierende Arbeitsgruppe. Das zweite ist mit Kunstmuseen in Eindhoven, Antwerpen, Lodz, Mönchengladbach, Dublin, Winterthur, Barcelona, Bukarest et cetera. Es wird Austausch von Ausstellungen geben, Koproduktion sowie Zusammenarbeit bei den Sammlungen, im PR- und Marketing-Bereich. Wir haben bewusst vergleichbare Typen von Häusern gesucht - mittlere Kunstmuseen, die einander sehr ähnlich sind, auch in ihren Sorgen.

    Sie machen da ja fast ein neues Europaparlament der Kunst auf.

    PAKESCH (lacht): Ja, ich denke, das ist auch naheliegend. Europa wächst zusammen, es ist eine spannende neue Geographie entstanden, vor allem mit der Einbindung Osteuropas, und die Kunst kann die positiven Entwicklungen verstärken. Polen, Kroatien und Slowenien sind speziell interessant für uns, auch jenseits der derzeitigen Krisensymptome.

    Es gibt auch Initiativen in Graz, die längst über Grenzen hinweg denken, wie etwa . Gibt es Überlegungen zu Kooperationen?

    PAKESCH: Museen haben andere Aufgaben als Initiativen oder Galerien. Historisch gesehen, wurde in Graz die Museumsfunktion oft zu wenig ausgefüllt, zu wenig gezeigt, was ein Museum ist und kann. Der enorme Zuwachs an Ausstellungsräumen durch das neue Joanneumsviertel bietet uns nun die Chance, unsere bedeutenden Sammlungen verstärkt zu präsentieren. Ich bin allerdings offen und würde mich freuen, verstärkt mit lokalen Mitspielern zu arbeiten, auch wenn es nicht unsere Funktion ist, uns aktiv einzubringen. Was nicht heißt, dass es nicht Treffen gibt, wie kürzlich etwa mit der Initiative "Zur Lage der bildenden Kunst in Graz". Mit dieser gibt es Übereinstimmungen, aber auch divergierende Ansichten.

    Was wünschen Sie sich für das Künstlerhaus?

    PAKESCH: Die Diskussion darüber haben ja wir angestoßen, weil wir unglücklich über die Konstellation waren, darüber, dass man nicht die Offenheit herstellen konnte, die ein solcher Ort verdient. Ich würde es begrüßen, wenn eine breit abgestützte Initiative das Haus weiter betreibt. Ideal wäre ein Kunstverein nach deutschem oder Schweizer Vorbild. In Köln oder Basel gibt es offenen Zugang mit bis zu 3000 demokratisch legitimierten Mitgliedern, mit Bürgern, die privat initiativ sind und eine breite Öffentlichkeit erreichen wollen.

    In Graz hieße das wohl: 3000 Mitglieder, 3000 Meinungen.

    PAKESCH: Der Stadt täte eine Auseinandersetzungskultur nur gut. Wichtig wäre es allerdings, an der Schrebergärtnerei vorbeizukommen und das Künstlerhaus als großes gemeinsames Unterfangen zu sehen, alles andere wäre für den Standort Graz fatal. Dazu braucht es menschliche Ressourcen, also Kooperationen, mit dem nötigen Respekt untereinander.

    ANDREAS PRÜCKLER, MICHAEL TSCHIDA

    Fakten

    Sparpaket: Die Landesförderungen wurden/werden von 22,76 Millionen Euro (2010) um 4,3 Millionen Euro oder 12,3% (2011/12) gekürzt. Um diese Kürzung zu kompensieren, musste/muss das Universalmuseum Joanneum 2011/12 folgende Einsparungen vornehmen.

    Ausstellungsbetrieb (Reduziertes Ausstellungsprogramm, verlängerte Laufzeiten einiger Sonderausstellungen u.ä.):

    2011: -30.000 Euro

    2012: -160.000 Euro Öffnungszeiten

    2011: -150.000 Euro

    2012: -540.000 Euro

    Struktur (Nichtnachbesetzungen, Kürzung der Abteilungsbudgets, Neustrukturierung der Abteilungen u. ä)

    2011: -930.000 Euro

    2012: -2,520.000 Euro

    Besucherzahlen 2011

    Universalmuseum gesamt 496.865

    Kunsthaus 65.826 Landeszeughaus 47.111 Eggenberg Park 185.773

    Eggenberg Prunkräume 32.894

    www.museum-joanneum.at

    Zur Person

    Peter Pakesch, geboren am 16. Juli 1955 in Graz.

    Architekturstudium; Künstler; Kurator (Forum Stadtpark); Galerist in Wien (1981 - 1993); Mitbegründer des Grazer Kunstvereins; Leiter Kunsthalle Basel (1996 - 2002); seit 2003 Intendant des Joanneums.

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