Die Stadt übernimmt die Gründer
Seit zwölf Jahren ist das Gründerinnenzentrum beim Land angesiedelt. Das muss sparen, nun wechseln die Gründer zur Stadt Graz. Serviceausbau soll die Firmen vor Ort stärken.

Foto © FuchsPaul Royer und Hermine Dimitroff-Regatschnig schätzen die Kontakte im Gründerinnenzentrum und "Incubator"
Das "Gründerinnenzentrum Steiermark" sowie der "Business Incubator Graz", beide von der VP-Nationalratsabgeordneten Ridi Steibl über ihren Verein "Taten statt Worte" betrieben, wechseln mit 1. Februar in die Trägerschaft der Stadt Graz. Am Nikolaiplatz 4 übernimmt nun VP-Wirtschaftsstadträtin Sonja Grabner und will damit den Serviceausbau für Unternehmer in der Stadt verstärken. Mit 70.000 Euro ist das Engagement der Stadt budgetiert. Im Gründerinnenzentrum, so die Gegenrechnung, wurden seit der Gründung 1999 107 Unternehmen beherbergt, mit einem Frauenanteil von 44 Prozent, die 320 Arbeitsplätze geschaffen haben und jährlich 240.000 Euro Kommunalsteuer erwirtschaften.
Der Wechsel hat auch mit dem Sparkurs des Landes zu tun. "Über Bundes- und fünf Landesstellen musste ich das Geld zusammenkratzen, die Fördermittel sind aber nicht mehr so geflossen", sagt Steibl. Ein derartiges Unternehmen könne man nicht mehr privatwirtschaftlich führen. Ein Fördergeber, die Steirische Wirtschaftsförderung SFG, begründet die Zurückhaltung auch "mit dem Wechsel der Förderrichtlinien. Wir setzen stärker auf Impulsförderung und nicht mehr auf Dauerförderung", begründet SFG-Geschäftsführer Burghard Kaltenbeck.
Übernommen hat die Stadt neben dem Gründerinnenzentrum, das nur Frauen anspricht, die ein Unternehmen gründen wollen, auch den "Business Incubator Graz", der 2002 dazukam, wo auch unternehmerische Männer tätig sind. Am Standort Nikolaiplatz 4 stehen für Gründerinnen 14 Büros zur Verfügung (zwei sind derzeit frei), im "Incubator" sind es zehn Büros.
Gute Kommunikation
In einem Büro im Gründerinnenzentrum ist Hermine Dimitroff-Regatschnig seit 2000 Mieterin. Sie schätzt, die Infrastruktur, wie Besprechungsräume oder Drucker, nutzen zu können. Sie ist als Einzelunternehmerin im Umweltbereich tätig und arbeitet viel mit öffentlichen Stellen, Verbänden und Betrieben zusammen. Obwohl sie nur die ersten drei Jahre Mietförderung bekommen hat und "soviel zahlt, wie ich auch für ein anderes Büro zahlen würde, gefällt es mir hier so gut, dass ich bleiben möchte", sagt Dimitroff-Regatschnig. Sie schätzt die Kommunikationsmöglichkeiten mit den anderen Unternehmen vor Ort.
Etwa mit Paul Royer von der Velo Vital gleich drei Türen weiter. Velo Vital ist seit zwei Jahren hier angesiedelt, hat acht Mitarbeiter und betreibt einen E-Bike-Verleih. Von derzeit 700 will man heuer den Fuhrpark auf 1200 erhöhen. Auch für Paul Royer, der für das Marketing im Unternehmen zuständig ist, zählt hier besonders "die offene Struktur des Hauses, die Vielfalt der anderen Unternehmen und dass man gemeinsam die zur Verfügung stehenden Ressourcen gut nutzen kann".
Features
Gründerinnenzentrum
Gründerinnenzentrum: Hier können sich nur Frauen einmieten. Es gibt 14 Büros, von denen derzeit 12 vermietet sind.
"Business Incubator Graz": Dieser steht auch unternehmerischen Männern offen und verfügt über zehn Büros.
Förderbedingungen: Die Förderung erfolgt mittels gestaffelter Mietvorschreibung: Im ersten Jahr im Ausmaß von 50 Prozent Mietförderung, im zweiten sind es 35 Prozent und im dritten Jahr 15 Prozent.
Beratung und Know-how bei der Firmengründung werden ebenfalls zur Verfügung gestellt.
Info: 0316/720 810 und 0316/722 301














