Das Design-Debakel
Hohe Kosten, zu wenig Einnahmen, der Chef hat gekündigt. Geht Buchmanns zwei Millionen Euro teures Kreativ-Leuchtturm-Projekt "Beta Lab" vorzeitig das Licht aus?

Foto © Marija KanizajHat mit Juni gekündigt: Beta-Lab-Chef Kouba
Ein Leuchtturm-Projekt in der City of Design, ein kreativer Hotspot, eine internationale Kaderschmiede für die heimische Werbeszene. Nicht mehr, aber bestimmt nicht weniger sollte das "Beta Young Creative Lab" sein, das Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann (ÖVP) im September 2010 initiiert und im Pachleitner-Headquarter eröffnet hat. 15 Monate später wirft der Geschäftsführer Harry Kouba, der mit G7 diese Woche nicht sprechen wollte, das Handtuch, schrillen im Aufsichtsrat alle Alarmglocken und steht gar der vorzeitige Abbruch der vom Steuerzahler bezahlten "Zwei- Millionen-Show" im Raum.
Dabei hat alles so schön begonnen. Das Beta-Lab residiert im schwarzen Panther auf 670 Quadratmetern in einem beeindruckenden Design-Loft. Der Chef rekelt sich für Fotografen auf dem Sofa in Form des Beta-Logos. Sehenswert auch die Mietkosten für die Nachwuchs-Werkstatt: Pro Jahr überweist man 160.000 Euro an den Hausherren. Doch die Agenturszene beeindruckt das nicht. Viele lehnen das Projekt ab, das ihnen dienen soll, wittern die Konkurrenz der "Zauberlehrlinge", die den Markt mit Dumpingpreisen ruinieren. Die Skepsis der PR-Alphatiere ist Teil der Beta-Schlappe.
Dabei sollte dieses Projekt der Szene nur dienen, versichert Burghart Kaltenbeck, Chef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes (SFG): "Das Beta-Lab soll die Kreativen im Land halten, damit nicht alle abwandern, und internationale Kontakte ermöglichen. Das Lab arbeitet ja nur als Subauftragnehmer der Agenturen und soll für sie Nachwuchskräfte aufbauen."
Doch Geschäftsführer Kouba, der mit Juni von Bord geht, hat es nicht geschafft, die Agenturen auf seine Seite zu ziehen. Die Folgen: Vier Millionen Euro ist das Budget für die ersten vier Jahre, zwei davon gefördert von Land und EU, den Rest sollte das Kreativlabor über Agentur-Aufträge hereinspielen. Bis jetzt müssten rund 240.000 Euro an Einnahmen da sein, gerade einmal die Hälfte hat man eingenommen.
Kaltenbeck: "Da gibt es nichts zu beschönigen. Wir alle hätten uns mehr erwartet." Jetzt heiße es, Einnahmen steigern, Kosten senken. Man muss bescheidener auftreten. Das Beta-Lab will ein Drittel der Flächen an Pachleitner zurückgeben und so pro Jahr 50.000 Euro Mietkosten sparen.
Buchmann, dessen Name auf dem Projekt klebt, will reinen Tisch machen: "Ich habe den Aufsichtsrat mit der Evaluierung beauftragt. Dann entscheiden wir, wie es weitergeht." Der Abbruch der Millionen-Show steht im Raum (siehe Interview).
SFG-Chef Kaltenbeck macht klar: "Wir werden die Wirkungsanalyse Ende Februar vorlegen." Im schlimmsten Fall sucht man vielleicht gar keinen neuen Geschäftsführer mehr. "Sollte es so weit kommen, werden wir das Projekt geordnet beenden", betont Kaltenbeck. Aber Ziel sei es immer noch, "das Potenzial des Projekts zu heben. Wir müssen die Akzeptanz der Agenturen erlangen und Aufträge lukrieren."
Im Idealfall soll das Beta-Lab nach vier Jahren eine lebensfähige Kaderschmiede sein. Ein Leuchtturm in der City of Design.
Features
Fakten
1 Million Euro Fördergeld ist seit September 2010 bereits geflossen. Statt 240.000 hat man nur 120.000 Euro eingenommen.
2 Millionen Euro aus dem Steuertopf von Land und EU fließen für vier Jahre an das Beta-Lab. Zwei weitere Millionen müssen aus Aufträgen hereingespielt werden, die die zwanzig jungen Kreativen von Agenturen übernehmen sollen.
1 Drittel der rund 670 angemieteten Quadratmeter des Lofts im Pachleitner-Headquarter sollen nun zurückgegeben werden, um rund 50.000 Euro Mietkosten pro Jahr zu sparen.
















