Der zart-grobe Sprint der Stimmlippen
Binder inszeniert Schleefs "Totentrompeten"-Finale.

Foto © DRAMAGRAZ Strodthoff und Halbedl im rasanten Zungenbrecher-Sprint
GRAZ. Das Vorspiel ist ein minutenlanger Zungenbrecher-Sprint. Der eine Polizist (Jochen Strodthoff) bläut dem anderen (Werner Halbedl) aberwitzig die "Zehn Gebote des guten Sprechens" ein. Eine Glanzleistung! Und ein Seitenhieb - Autor Einar Schleef war Stotterer.
"Gute Reise auf Wiedersehen", der finale Teil der "Totentrompeten"-Tetralogie von dramagraz im Theater am Lend entpuppt sich als sinnlicher Abend. Der Respekt, mit dem sich Ernst M. Binder, der schon die ersten drei Teile uraufgeführt hatte, Schleef nähert, ist spürbar.
Moskau, Berlin oder New York
Die Vorgeschichte von Elly, Trude und Lotte (Sophie Engert, Katja Brenner und Ninja Reichert) aus der DDR läuft auf einer Diashow. Dann das eigentliche Stück: Die drei Alten sehnen sich nach Moskau, Berlin oder New York - und kommen doch nicht aus Sangerhausen hinaus. Die vielen Erzählrichtungen verwirren Schleef-Neulinge ein wenig. Das furiose Finale des "Totentrompeten"-Finales bestreitet Ingo Waszerka eindringlich auf einem Krückstock. Er rezitiert aus Schleefs Roman "Gertrud". Sinnlichkeit, störrisch festgekrallt in Sätzen wie "Meine Wurzeln sind hier. Aber schon recken sich verfaulte Triebe." Eine Liebeserklärung an den Autor Schleef. Und eine an die Schauspieler.
Gute Reise Auf Wiedersehen. Am Freitag und am Samstag 20 Uhr, Theater am Lend, Karten: Tel. 0 699 106 25 313.
















