Schönheit, die zur Sucht wird
Wir möchten gerne wahnsinnig schön sein, gleichzeitig kann die Schönheit wahnsinnig machen: In diesem Spannungsfeld bewegt sich ein Symposium, das am Donnerstag in Graz beginnt.

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Krebserregende Brustimplantate in ganz Europa, Magermodels auf den Laufstegen, Busenwunder im Dschungelcamp oder Schönheitsoperationen an Schamlippen - es sind Beweise für den regierenden Schönheitswahn, der schnell zum Wahnsinn ausartet. "Schönheit ist eines der zentralen Ausdrucksmittel unserer Gesellschaft", weiß auch Psychiater Michael Lehofer, der die heute beginnende Psychologen-Tagung "Wahnsinnig schön" leitet. Schönheitsideale stehen dort ebenso zur Diskussion wie das Geschäft mit dem Aussehen und die krankhafte Fixierung auf den Körper.
Streben nach Schönheit
Ein krankes Verhalten zum eigenen Körper, das kennt Psychiater Lehofer aus seiner Berufserfahrung nur zu gut. "Das Streben nach Schönheit kann zur Sucht werden", sagt er. Betroffene wollen immer schöner werden, müssen immer weiter an ihrem Körper arbeiten. Dysmorpho-Phobie ist der Fachbegriff für die Körperbildstörung, die Lehofer anhand eines Beispiels erklärt: "Ein Patient hat sich unzählige Male am Hodensack operieren lassen, weil er mit dem Ergebnis nie zufrieden war." In solchen Fällen hilft aber nicht das Skalpell, sondern die Psychotherapie.
Laut Lehofer gebe es aber "gute Gründe, schön zu sein", denn Studien zeigen: Schöne Menschen bekommen leichter einen Job, finden leichter einen Partner, hübschen Kindern wird in der Schule mehr Aufmerksamkeit geschenkt.
"Das alles sind Belege für die Oberflächlichkeit unserer Gesellschaft", sagt Lehofer. Eine Gesellschaft, die einerseits ein Idealbild kultiviert hat, das schön und schlank ist. Aber andererseits mit zu wenig Bewegung und übermäßigem Essen "überhaupt nicht auf den Körper achtet", sieht Lehofer eine dramatische Diskrepanz.
Nase für den Freund
"Mein Freund mag meine Nase nicht." Das war der Grund für eine junge Frau, bei Schönheitschirurg Johann Umschaden vorstellig zu werden und um eine neue Nase zu bitten - ohne dass an der Nase etwas auszusetzen oder zu verbessern gewesen wäre. "Ich habe ihr geraten, den Freund anstelle der Nase auszutauschen", sagt Umschaden.
Dennoch sieht der Chirurg keinen Wahn, sondern ein gesteigertes Bewusstsein für den Körper. "Es geht uns gut und wir haben die Möglichkeiten", sieht er die Aufgabe der Plastischen Chirurgie vor allem darin, zu mehr Wohlbefinden zu verhelfen. Eine Gefahr erkennt er bei Jugendlichen: "Sie beziehen Pseudo-Infos aus dem Internet und orientieren sich oft an falschen Vorbildern", erzählt er. Dann muss der Chirurg überzeugen, dass es keine Nase wie Lindsay Lohan braucht. "Eingriffe bei unter 18-Jährigen lehnen wir generell ab, da die Entwicklung nicht abgeschlossen ist", sagt Umschaden.
Dem Wahn ums Ideal auszukommen, ist, so Lehofer, schwierig. Man müsse für sich die Balance finden, zwischen Individualität und Gruppenzwang.
















