Daheim ist überall, wo etwas wartet
Wie kaum einem anderen Dichter seiner Generation ist es Alois Hergouth gelungen, den Begriff "Heimat", durch den Nationalsozialismus seiner Würde beraubt, neu zu beseelen und ihm einen neuen, grenzüberschreitenden Inhalt zu geben.
Der Leserin, dem Leser seiner Gedichte empfahl er, den Namen des eigenen Landes leise und verhalten auszusprechen, ohne Pathos, ohne die Trommel zu rühren und die Fahne zu hissen. "Nenn es so einfach, wie du Mutter sagst und Brot".
Der Lebensweg dieses Meisters der leisen Töne, der vor zehn Jahren starb, gestaltete sich als langsame Heimkehr. 1945 kam er aus dem verhassten Krieg zurück. Sein Elternhaus war bei einem Bombenangriff zerstört worden, die Welt seiner Kindheit, die Grazer Moserhofgasse, blieb ihm daher zunächst verschlossen. Erst nach Erscheinen seines ersten Buches "Neon und Psyche" (1953) siedelte er sich dort wieder an und fand in einer Mansarde einen idealen Ort zum Schreiben.
Nur wenige Jahre später gelangte Hergouth an den entscheidenden Wendepunkt, als ihm ein Verwandter seiner Mutter in Sladka Gora eine Weingartenkeusche vermachte. Hergouth restaurierte sie liebevoll und bewohnte sie fortan Sommer für Sommer.
Der Gedichtband "Sladka Gora", Frucht dieses Neubeginns, ist mittlerweile zum Klassiker avanciert. Hergouths verdienstvoller Nachlassverwalter Georg Frena bringt nun zum Gedenken die schönsten Verse dieses Bandes in einer bibliophilen Edition neu heraus. CHRISTIAN THEISSL















