Grazer Regisseur Reinhold Ulrych tot
Reinhold Ulrych verstarb am 6. Jänner 2011 im Beisein seiner Familie, Frau Christa und Tochter Sarah. Er arbeitete als Regisseur auf dem Grazer Schauspielhaus, dem Landestheater Salzburg und war in Altenburg (DDR) als Oberspielleiter tätig. Seit 1995 waren seine Arbeiten regelmäßig im Grazer Theater im Keller zu sehen.

Foto © Theater im KellerDer Grazer Regisseur Reinhold Ulrych verstarb am 6. Jänner 2011
Reinhold Ulrych wurde am 5. Juli 1951 geboren. Er war einer der bedeutendsten jungen Regisseure in Graz. In dieser Eigenschaft baute er am Grazer Schauspielhaus eine Linie mit kritischem Kindertheater auf, die eine ganze Generation entscheidend mitprägte. Schon in dieser Phase war er nicht nur ein Einfluss auf die Arbeit des Theaters im Keller, sondern erarbeitete mit "Judith" von Kurt Franz auch ein Stück am TiK.
Sein Weg führte in unter anderen Stationen über das Salzburger Landestheater nach Altenburg in Ostdeutschland, wo er als Oberspielleiter prägend wirkte. Nach der Zusammenlegung des Altenburger Theaters mit dem Theater in Gera kehrte Reinhold Ulrych nach Graz zurück, von wo aus er an verschiedenen Theatern als freier Regisseur wirkte.
Seine künstlerische Basis wurde dabei das Theater im Keller, wo er im Herbst 1995 eine auch von Autor Turrini hochgelobte Inszenierung von "Sauschlachten" erarbeitete, die zu einem außerordentlichen Publikumserfolg wurde.
Von da an zählte er zu den regelmäßigen Mitarbeitern des Theaters im Keller, wo er alljährlich eine Inszenierung erarbeitete, darunter viele österreichische Erstaufführungen und Uraufführungen.
Stücke von Tony Marchant oder Bernd Schmidt setzte er mit sicherer Hand ebenso erfolgreich in Szene, wie es ihm gelang, manchem Klassiker neue, spannende Lesarten abzuringen. Vor allem sein "Woyzeck" (1997) oder das tiefberührende "Im 'Nachtasyl'" (eine Gorki-Bearbeitung Ulrychs) müssen hier genannt werden.
Graz 2003
Auch für die "Unbekannten Nachbarn", das Projekt des Theaters im Keller für die Kulturhauptstadt Graz 2003 erarbeitete er hochinteressante Arbeiten, darunter die deutschsprachige Erstaufführung von Evald Flisars "Morgen" (1999), das bei Publikum und Kritik gleichermaßen Aufsehen erregte und von Gisela Bartens in der "Kleinen Zeitung" "ein Theaterwunder" genannt wurde. Es war nicht seine letzte Flisar-Inszenierung. Einige davon wurden nach Kranj zur jährlich stattfindenden "Internationalen Woche des slowenischen Dramas" eingeladen (zuletzt "Onkel aus Amerika" im März 2010).
Mit "Abschiedssymphonie" brachte er Peter Esterhazys einziges Stück zur deutschsprachigen Erstaufführung, Fabio Franceschellis "Das dritte Jahrtausend" setzte er ebenso spannend in Szene wie Dragica Poto?njaks "Der Lärm, den die Tiere machen, ist unerträglich" - eine beeindruckende Inszenierung im Rahmen von Graz 2003.
Nicht nur suchte er stets nach aktuellen Themen und versuchte, sie anhand vorhandener Theaterstücke zu eigenen Statements auszubauen (in Lutz Hübners "Gotteskrieger" befasste er sich etwa mit dem geheimen Islamismus in Europa); es war ihm auch ein Anliegen, aus seinen eigenen Erfahrungen heraus das Schicksal durch Arbeitslosigkeit abgewerteter Menschen zu zeigen und die dadurch entstehenden sozialen Schieflagen anzuprangern. Vor allem seine Inszenierung von Franz Xaver Kroetz' "Furcht und Hoffnung", das in der Ulrychschen Bearbeitungen den zweiten Teil des Titels ("in der BRD") verlor und seine letzte Arbeit am Theater im Keller, Sibylle Bergs "Hauptsache Arbeit" (Februar/März 2011) sind hier zu nennen.
Bukowskis "Fuckmachine"
Berstend vor Ideen verschaffte er dem TiK mit seiner Dramatisierung zweier Kurzgeschichten von Charles Bukowski unter dem Titel "Fuckmachine" dem Theater im Keller einen seiner größten Erfolge im letzten Jahrzehnt.
Seine Arbeit war geprägt durch seinen Respekt vor dem Autor und seinen freundschaftlichen Zugang zu den Mitarbeitern einer Inszenierung. Deshalb ist Reinhold Ulrych auch am besten als großer Künstler und guter Freund beschrieben.
Viele Pläne hat er noch gewälzt. Reinhold Ulrych ist am 6. Jänner 2011 im Beisein seiner geliebten Familie, Frau Christa und Tochter Sarah, viel zu früh verstorben.
















