Arche Noah: Spendensiegel in schiefem Licht
Der Rechnungshof forderte 2010, personelle Verflechtungen um die Vergabe des Spendengütesiegels an den "Aktiven Tierschutz" zu beheben. Änderungen waren jedoch nur kosmetischer Natur, die schiefe Optik bleibt.

Foto © Aktiver Tierschutz SteiermarkTierheim "Arche Noah"-Chef Herbert Oster
Es ist das Aushängeschild jedes wohltätigen Vereins, der Spenden zum Wohle von Mensch oder Tier einsetzt: das Spendengütesiegel. Es bürgt für sorgsamen Umgang mit den Spenden und gibt den Spendern die Sicherheit, dass ihr Geld auch dort ankommt, wo es hin soll.
Um so besorgniserregender ist, dass der Rechnungshofbericht (RHB) im Vorjahr dem Tierheim "Arche Noah" und ihrem Chef Herbert Oster kein gutes Zeugnis ausstellte. Darin wurde das Nahverhältnis zwischen dem "Aktiven Tierschutz" und dem Gütesiegel-Prüfer kritisiert - und nahegelegt, das dringend zu ändern. Unter diesen Umständen hätte das Spendengütesiegel nicht ausgestellt werden dürfen, stellte der Rechnungshof fest.
Konkret ist die Sachlage sehr verflochten. Und genau das ist das Problem. Eine große Grazer Steuerberatungskanzlei beheimatete zum damaligen Zeitpunkt den ständigen Rechnungsprüfer und Steuerberater der Arche Noah und auch den Wirtschaftsprüfer, der dem "Aktiven Tierschutz" das Spendengütesiegel ausstellte. Laut Rechnungshof eine klare Unvereinbarkeit. So beschreibt der Bericht im Kapitel "Spendengütesiegelprüfung" zunächst die Verflechtungen konkret (siehe Kasten). Danach heißt es wörtlich: "Es liegt daher (. . .) ein Ausschlussgrund für die Spendengütesiegelprüfung vor. (. . .). Der Landesrechnungshof empfiehlt daher, einen nicht mit der beratenden oder rechnungsprüfenden Kanzlei bzw. Person verflochtenen externen Prüfer zu beauftragen."
Neuer Berater, alte Adresse
Das ist inzwischen zwar passiert. Doch wie die Kleine Zeitung herausfand, wurde zwar die Steuerberatung ausgelagert und damit eine Forderung im RHB erfüllt. Allerdings nicht so, wie sich die Prüfer dies wohl vorgestellt hatten. Der neue Steuerberater hat dieselbe Adresse wie die alte. Es hat den Anschein einer "kosmetischen" Änderung. Auch wenn damit der Forderung formal Genüge getan wurde: Die schiefe Optik bleibt bestehen.
Auf Nachfrage erklärte der Spendengütesiegel-Prüfer, dass Unvereinbarkeiten beseitigt worden wären. Im Detail: Seine Firma, unter deren Namen er bisher das Spendengütesiegel geprüft habe, gäbe es nicht mehr. Er habe eine neue Firma gegründet, die das ab sofort mache.
"Außerdem haben wir die Steuerberatung der Arche Noah abgegeben. Und mit dem neuen Steuerberater bin ich weder bekannt noch verschwägert." Dass dieser nur ein paar Zimmer weiter sitzt und dieselbe Telefonnummer wie die Kanzlei hat, erwähnte er nicht.
Basis für dieses Netz von Verflechtungen ist die Tatsache, dass die Vereine sich aussuchen können, wer ihre Eignung für das Spendengütesiegel prüfen soll. Die Kammer der Wirtschaftstreuhänder, die das Siegel vergibt, verlässt sich dabei auf ihre 150 Prüfer - Steuerberater und Wirtschaftsprüfer - und darauf, dass diese bei einem Nahverhältnis den "Prüfling" selbst ablehnen. "Ob ein Wirtschaftstreuhänder als Prüfer eines Vereins befangen ist, muss er für sich selbst entscheiden", so Irmgard Krumpöck vom "Spendengütesiegel", "wir müssen davon ausgehen, dass unsere Mitglieder ordentlich arbeiten."
Features
Foto

Bild vergrößernErst jüngst wurde dem Aktiven Tierschutz wieder das Spendengütesiegel verliehen Foto © KK
Fakten
"Der Alleingesellschafter jener Gesellschaft, die die Spendengütesiegelprüfung der Jahre 2006 und 2007 durchgeführt hat, ist gleichzeitig mittelbarer Gesellschafter der beratenden Steuerberatungsgesellschaft, an welcher einer der Rechnungsprüfer indirekt beteiligt ist und welche die Beratung des Vereines vornimmt. Es liegt gemäß einer Stellungnahme der Wirtschaftstreuhänder ein Ausschlussgrund für die Spendengütesiegelprüfung vor."














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