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Zuletzt aktualisiert: 05.01.2012 um 12:04 UhrKommentare

Nationale Identität: Uni Graz beleuchtet Rolle der Oper am Balkan

Die Rolle der Oper für die Entwicklung nationaler Identität in Südosteuropa im 19. und frühen 20. Jahrhundert untersucht die Musikwissenschafterin Tatjana Markovic in einem mehrjährigen vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt an der Universität Graz.

Foto © Scheriau/Sujet

Dabei zeigt sich, dass die Musiktheatertraditionen der Balkanregion vor dem Zweiten Weltkrieg durchaus unterschiedlich ausgeprägt waren.

Im 19. Jhdt. lösten sich die Unabhängigkeitsbewegungen in Südosteuropa durch Aufstände aus der Vorherrschaft der großen Reiche. Zuerst wandten sie sich gegen das Osmanische Reich: Serbien erhielt 1830 die Selbstverwaltung und 1878 die volle Unabhängigkeit. Anschließend richteten sich die südslawischen Nationalbewegungen gegen die Habsburger-Monarchie. So entstanden in jenem Territorium, das jahrhundertelang im österreichisch-russisch-türkischen Spannungsfeld lag, eine Reihe neuer Staaten, die in sich jedoch noch wenig gefestigt waren, schilderte Markovic im Gespräch mit der APA. Die aus Belgrad stammende Musikwissenschafterin untersucht als Elise-Richter-Stipendiatin des FWF am Institut für Musikwissenschaft der Uni Graz, wie durch Musiktheater in Südosteuropa nationale Identität konstruiert wurde.

"Orte der nationalen Selbstrepräsentation"

"Opern und Opernhäuser waren im 19. Jahrhundert Orte der Hochkultur und Orte der nationalen Selbstrepräsentation", meint Markovic. Zur Begründung und Stabilisierung von nationaler Identität und ideologischen Stärkung errichtete man in ehrgeizigen Bauprogrammen die Musentempel der Neuzeit. Was in den Opernhäusern und Konzertsälen zur Aufführung gebracht wurde, transportierte jedoch nicht selten eine mythisch verklärte Geschichtslektion. "Unterschiede zwischen den jeweiligen Ausprägungen der Oper sowohl als Kunstgattung als auch als Institution in Serbien, Kroatien, Slowenien oder Griechenland wurden bisher nicht vergleichend analysiert", so Markovic.

Die lange Aufteilung des Balkans zwischen Habsburgern und Osmanen führte zu verschiedenen politischen, religiösen und kulturellen Bedingungen, die wiederum zu unterschiedlichen Musiktheatertraditionen in den späteren Nationalstaaten beigetragen haben: So habe sich in den ehemaligen habsburgischen Provinzen - z. B. in der Vojvodina, in Kroatien, Slowenien und Transylvanien - das kulturelle Leben kontinuierlich entwickelt, indem Musikvereine, städtische Orchester, Nationaltheater, Musikschulen und Konservatorien "ein musikalisches Leben mit europäischem Profil" vorgegeben hätten.

"Auf der anderen Seite war der Alltag in den unter ottomanischer Administration stehenden südöstlichen Teilen Europas geprägt von Aufständen und Kampf für Freiheit. Nur während seltener friedlicher Perioden, oder nachdem die Unabhängigkeit erreicht wurde, konnte ein Kulturleben in ähnlicher Weise etabliert bzw. wiederbelebt werden. "Das Musikleben musste nach der langen Unterbrechung fast von Anfang an neu aufgebaut werden", erläuterte die Wissenschafterin. Ihr Forschungsprojekt, das sie in österreichische und zahlreiche Archive in Südosteuropa führt, soll im Frühjahr 2014 abgeschlossen werden.


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