Maribor und Graz rücken langsam näher
Das slowenische Maribor und Graz verbindet eine bewegte historische Vergangenheit. Mit dem Kulturhauptstadt-Jahr "Maribor 2012" ergibt sich nun ein neuer Anknüpfungspunkt.

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Neben Literatur-, Theater und Laborprojekten bestimmt eine Aufarbeitung der gemeinsamen und getrennten Geschichte von Slowenien und Österreich die Beiträge der steirischen Kulturschaffenden zur Kulturhauptstadt.
"Die Beziehungen zwischen Graz und Maribor sind verbesserungswürdig, auch im kulturellen Austausch", bringt Michael Petrowitsch vom Grazer Universalmuseum Joanneum das Problem auf den Punkt, denn es sind nur eine Hand voll Projekte, die für "Maribor 2012" zwischen Graz und Maribor realisiert werden.
"'Kulturellen Mauerblümchen' hochzüchten"
"Wir müssen schauen, dass die 'kulturellen Mauerblümchen', die die zwei Städte 2012 hochzüchten, auch weiterhin bestehen bleiben. Im Idealfall kann sich noch viel daraus ergeben", so Petrowitsch. Er selbst kuratiert das Projekt "Borderline": "Wir spielen im öffentlichen Raum das Thema Grenze, sowie Migration und Mobilität und neues Europa inklusive dem Arabischen Frühling durch." Unter anderen mit den Künstlern Jasmina Cibic, Vojna, Ernst Logar, sowie den Autoren Marina Grzinic und Mark Terkessidis.
Das an der Grenze zu Slowenien gelegene "Pavelhaus" plane im ehemaligen Casino in Maribor eine Ausstellung mit zeithistorischen Bezügen, so Pavelhaus-Leiterin Elisabeth Arlt, "die die Gemeinsamkeiten der österreichischen und der slowenischen Steiermark sowie von Graz und Maribor hervorhebt." Dazu suchen Künstler aus beiden Ländern nach Parallelen, so Arlt. Ähnliches hat auch Max Aufischer von der "Kulturvermittlung Steiermark" vor: "Auf Stelltafeln an wichtigen Plätzen in beiden Städten vergleichen wir die verschiedenen Phasen der Geschichte aus dem Blickwinkel beider Seiten."
Versäumnisse beider Städte in der Künstlerausbildung
Auf Versäumnisse beider Städte in der Künstlerausbildung weist der Grazer Kunstverein Rotor hin. "In beiden Städten gibt es keine Kunstakademien", so die Projektleiterin Margarethe Markovec. Zusammen mit dem slowenischen Künstlerduo "son:DA" konzipiert man alternative Kunstausbildungsmodelle, die auch in der Praxis erprobt werden sollen. "Das hat auch viel mit Spontanität zu tun. Denn gerade in Maribor, wo Platz Mangelware ist, scheuen wir uns auch nicht davor, Workshops oder Labors in Garagen, Wohnungen und Werkstätten unterzubringen." Ziel sei es, dass diese Ausbildungsstätten das Kulturstadtjahr überleben, so Markovec.
Das Grazer Straßenkunstfestival "La Strada", ein Spezialist für Kunst im öffentlichen Raum, kooperiert mit der slowenischen Künstlergruppe "The Ljud Group". "Unser gemeinsames Projekt nennt sich 'Streetwalker'", so "La Strada"-Chef Werner Schrempf, "es läuft unter dem Motto: berühre die Stadt und die Stadt berührt dich". In einem künstlerischen Stadtrundgang soll man Maribor von einer anderen Seite kennenlernen, "als eine Art skurrile ready-made-Galerie unter freiem Himmel", so Schrempf.
Autorenaustausch und Literaturschiene
Seit dem Grazer Kulturhauptstadtjahr 2003 stellt die Grazer Literaturzeitschrift "Lichtungen" neben Texten steirischer Autoren schwerpunktmäßig Autoren anderssprachiger Städte in Europa vor. "Dieses Jahr ist Maribor an der Reihe", so Mitherausgeber Helwig Brunner. Alle Texte werden zweisprachig gedruckt und auch in beiden Städten präsentiert.
Einen Schritt weiter geht die Rezka Kanzian vom Grazer Werkraumtheater. Neben einem zweisprachigen Theaterbeitrag hat sie in einem Autorenaustausch auch eine Literaturschiene in Planung. "Da muss man jetzt nicht jedes Wort oder jeden Satz übersetzen, Sprache kann auch verbinden, ohne dass man sie wortwörtlich versteht", so Rezka Kanzian.
















