Die Stadt wächst - aber wo werden all die Grazer wohnen?
Am Beispiel Plüddemanngasse zeigen Grazer Architektur-Studenten, dass die Angst vor zuviel "Dichte" unbegründet ist. Im Gegenteil: dadurch kann sogar die Lebensqualität steigen.

Foto © KanizajStadtplanung am Beispiel Plüddemanngasse
Einen abstrakten Begriff mit Leben füllen, das will Hans Gangoly, Leiter des Instituts für Gebäudelehre an der TU Graz. Der Begriff heißt "Nachverdichten" und ist derzeit bei Städteplanern und Architekten in aller Munde. Denn Graz wächst und wächst, und die einzige Möglichkeit, diese Menschen unterzubringen, ist - nachverdichten.
Gangoly weiß, dass viele Menschen Angst davor haben. Dazu hat er zwei Zahlen parat: Graz hat 2000 Einwohner pro Quadratkilometer, Barcelona 15.000. "Und niemand würde sagen, Barcelona ist keine lebenswerte Stadt." Dichte und Lebensqualität seien kein Widerspruch, "ganz im Gegenteil", so Markus Bogensberger vom Institut für Gebäudelehre. Es gehe um den öffentlichen Raum, "darum, dass die Stadt wieder als solche erkannt wird".
Die Kleine Zeitung präsentiert drei Studentenprojekte zur Plüddemanngasse. Das sind natürlich nur Spielereien, "zeigen aber einen Weg auf. Oft mangelt es nur am Einfallsreichtum", sagt Gangoly. "Auch für die Eigentümer ist es ja besser, den Raum so gut wie möglich zu nutzen."
Der erste Reflex vieler lautet dennoch: Was ist mit dem Verkehr? Bogensberger lässt sich davon nicht beirren. "Wenn die Leute näher an der Stadt wohnen, fallen viele Wege mit dem Auto automatisch weg." Grundsätzlich gilt für die Experten: "Mit der Nachverdichtung müssen wir die städteplanerischen Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte ausbügeln." Denn statt Plüddemanngasse kann man auch Kärntnerstraße oder Conrad-von-Hötzendorf-Straße sagen.
Gegenmodell Reininghaus
Das Gegenmodell zur Nachverdichtung heißt Reininghaus. Der "ideale Stadtteil" spukt seit Jahren in den Köpfen der Stadtpolitiker. Ein Zugang, den Gangoly nicht versteht: "Anstatt bestehende Infrastruktur zu nutzen, will die Stadt lieber auf der grünen Wiese eine neue künstlich und extrem teuer erzeugen."
















