Forscher protestieren gegen "Kahlschlag"
Mit einem Aktionstag in Wien und Graz protestieren Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften gegen geplante Einsparungen, "um den Kahlschlag in der Grundlagenforschung abzuwenden".

Foto © APAMitarbeiter der Akademie der Wissenschaften gehen auf die Straße
Es seien "300 von insgesamt 789 Vollzeitstellen und der Forschungsstandort Österreich bedroht", warnte die Plattform "Rettet die ÖAW" bei einer Pressekonferenz in Wien. Sie fordert die Neuverhandlung der Leistungsvereinbarung (LV) zwischen ÖAW und Wissenschaftsministerium, einen sofortigen Kündigungsstopp, mehr Mitspracherechte für ÖAW-Mitarbeiter bei strategischen Entscheidungen und einen Runden Tisch mit allen Beteiligten.
Anfang November haben ÖAW-Führung und das Ministerium die erste LV für die Akademie für 2012 bis 2014 unterzeichnet. Aus dieser ergibt sich laut ÖAW eine Budgetlücke in den kommenden drei Jahren von rund 40 Mio. Euro. Deshalb sollen Einrichtungen und Institute geschlossen bzw. an Unis angegliedert werden. Derzeit verhandeln Ministerium und Akademie über einen konkreten "Reform- und Restrukturierungsplan".
Petition
Eine vom ÖAW-Betriebsrat Mitte November aufgelegte Petition haben mittlerweile mehr als 13.000 Personen unterzeichnet. Es gebe auch zahlreiche Unterstützer aus der nationalen und internationalen Wissenschaftsgemeinschaft, etwa vom Historiker Gerald Stourzh, der von einer "drastischen Schwächung" der ÖAW spricht und fordert, "diese forschungspolitische Fehlentscheidung raschest zu korrigieren".
Beim ÖAW-Präsidium ortet Plattform-Sprecherin Monika Mokre mittlerweile einen "Stimmungswechsel", habe es doch der Plattform für "die Loyalität zur Akademie" gedankt und gemeint, "wir sitzen alle im selben Boot". Für Mokre ist das Gesamtkonzept der LV unklar, dass Einrichtungen geschlossen bzw. an Unis abgegeben werden sollen, gefährde die Vielfalt. "Es kann doch nicht wahr sein, dass die ÖAW 300 Stellen verliert, während in anderen Ländern wie Deutschland die Grundlagenforschung ausgebaut wird", so Betriebsrätin Heidemarie Uhl.
Kritisiert wird von Plattform und Betriebsrat, dass ÖAW-Mitarbeiter kein Mitspracherecht bei strategischen Entscheidungen hätten, sie seien mit der LV "vor vollendete Tatsachen gestellt worden". Plattform-Sprecher Florian Ruppenstein: "Hochqualifizierte Wissenschafter in der ÖAW haben weniger Mitspracherechte als die Studenten an den Universitäten." Die Plattform fordert daher einen Runden Tisch mit allen Beteiligten.
Für Ruppenstein weist die LV "handwerkliche Mängel" und "logische Brüche" auf. Eine Aufstockung des derzeit geplanten Budgets um nur fünf Mio. Euro jährlich würde der Akademie "immens dienen". Bei der Pressekonferenz anwesende Mitarbeiter bzw. Institutsdirektoren der ÖAW wiesen darauf hin, dass bereits heuer "etliche Dutzende Stellen" durch Auslaufen der Dienstverhältnisse verloren gegangen seien, die Konferenz der Institutsdirektoren sei gespalten, weil es "Gewinner und Verlierer" gebe.
Bei der Kundgebung in Wien sollen auch ÖAW-Präsident Helmut Denk und die Leiterin der Forschungssektion im Wissenschaftsministerium, Barbara Weitgruber, sprechen.
















