"Nur wer redet, kann auch gehört werden"
Im Grazer Rathaus ging am Sonntag die erste österreichische Debattiermeisterschaft ins Finale.
Der nächste Redner der Opposition wird aufgerufen. Staatsmännisch sicher schreitet er zum Pult. Das Skript ist sortiert. Tiefes Durchatmen, der eröffnende Satz. Lautes Seufzen auf der Regierungsbank. Sofort schnellen Hände in die Höhe.
Nein, der Grazer Gemeinderat lud am vierten Adventsonntag zu keiner Sondersitzung. Das Wort gehörte dem rhetorisch begabten Nachwuchs. Zum ersten Mal fand an den vergangenen drei Tagen auf österreichischem Boden eine Debattiermeisterschaft statt. In Form einer Offenen Parlamentarischen Debatte duellierten sich zwölf Teams zu je drei Mitgliedern. Per Losentscheid nimmt dabei ein Team die Rolle der Regierung und das zweite jene der Opposition ein. Zusätzlich gibt es drei freie Redner, die neue Aspekte in die Debatte bringen und sich von einer der beiden Seiten überzeugen lassen.
Ausgerechnet ein Thema, das zuletzt in Graz für Diskussionen sorgte (Stichwort Moscheebau), wurde von der Jury im Finale vorgegeben. "Sollen Kirchenprivilegien abgeschafft werden?", warf sie als Frage in den Raum und die beteiligten Debattierklubs aus Wien und Tübingen sich ins verbale Gefecht. Gekonnt ziehen die Redner beider Seiten alle Register, zitieren John Locke, Thomas Hobbes oder Mahatma Gandhi. Die Regierungsfraktion aus Wien sieht sich vor dem letzten Schritt der notwendigen Trennung von Kirche und Staat, während die Opposition aus Tübingen vor einer kulturellen Entwurzelung der Mehrheit der Gesellschaft warnt. Man fühlt sich, nicht nur aufgrund des Ambientes im Rathaus, an Debatten des Gemeinderats erinnert. Während sich ein Abgeordneter jedoch schon einmal im Ton vergreift, bleiben beide Seiten fair und führen dennoch eine emotionale Auseinandersetzung. Anerkennend wird auch dem Gegenüber Beifall gespendet. "Es ist hier nicht immer so lustig und qualitativ hochwertig, wie es heute dargeboten wurde", war Gemeinderat Klaus Fröhlich von der Leistung beider Teams angetan.
Die Jury entschied sich letztlich für das Team aus Wien als Sieger der "Austrian Open" und damit ersten österreichischen Hochschuldebattiermeister. Gastgeber Jura Hölzel, der zum besten Einzelredner ausgezeichnet wurde, freute sich darüber, dass auch hierzulande Debattiervereine immer größere Beliebtheit erlangen, denn "nur wer redet, kann auch gehört werden".
















