Telefonbetrug: Das Protokoll eines Opfers
Opfer eines Telefonbetruges erzählte aus Scham niemandem von der Abzocke. Sie verlor 30.000 Euro. Jetzt will sie andere warnen.

Foto © Scheriau
Anfangs überwies Gerda K.* Betrügern 2000 Euro. Als Gewinnsteuer. Danach herrschte Funkstille. Einige Tage vorher wurde ihr am Telefon noch gratuliert. Ein Auto soll sie gewonnen haben. Sie entschied sich für eine Ablöse in bar. Doch niemand kam mit dem Scheck über 40.000 Euro.
"Als ich nichts mehr von denen gehört habe, dachte ich: ,So, jetzt bist du betrogen worden'", erzählt die Frau aus einer kleinen Gemeinde heute, vier Monate später. Dennoch ging sie nicht zur Polizei, auch ihren Töchtern verriet sie nichts. "Ich habe mich geniert, ich wusste, dass ich einen Blödsinn gemacht habe. Nun appelliert sie an andere Betroffene, sich jemandem anzuvertrauen.
Hin und wieder hat sie in den letzten Jahren bei Gewinnspielen mitgemacht. Wieso nicht auch einmal etwas gewinnen? "Da könnte ich meine Kinder überraschen", dachte Gerda K. Obwohl sie auch skeptisch war: "Ich habe die Anrufer mit Fragen gelöchert, aber die hatten immer eine plausible Erklärung."
Als Polizisten getarnt, riefen die Betrüger in den letzten Monaten aber nochmals bei ihren Opfern an: Sie sollen der Polizei beim Ergreifen der Täter helfen, indem sie Scheinüberweisungen durchführen. Doch das war nur ein weiterer Betrug - die Kleine Zeitung hat darüber berichtet.
K. hatte das Geschehene schon verdrängt, obwohl sie "so einen Kloß im Hals hatte". Bis nach über einem Monat scheinbar jemand von der Polizei am Apparat war. Man sei im Zuge eines Betrugsskandals auf ihre Telefonnummer gestoßen. K.: "Ich bekam ein Aktenzeichen. Mein Fall soll dann von der Interpol in Köln weiter abgewickelt werden."
"Wenn man den Knopf kennt"
Christoph Göttl ist Psychologe aus Graz
Wieso bleibt bei der Hoffnung auf einen Gewinn die Vernunft oft auf der Strecke?
CHRISTOPH GÖTTL: Oft versucht der Mensch Glück und Liebe durch Materielles zu ersetzen. Ohne Training ist die unbewusste Psyche stärker als das Bewusstsein. Somit entscheidet das nicht gestillte Bedürfnis und nicht die warnende Logik.
Dennoch sind wir zuerst skeptisch.
GÖTTL: Natürlich. Jeder Mensch trifft Rückversicherungsmaßnahmen. Das können Gegenfragen sein oder Beratungen mit Vertrauenspersonen. Im Idealfall erkundigen sich Menschen auch online oder telefonisch bei autorisierten Stellen. Die Betrüger haben es geschickt gemacht, indem sie diese Rückversicherungsmaßnahmen mitdurchdacht haben - zum Beispiel durch die Manipulation der Anrufernummer. Zudem haben sie es telefonisch leichter, da wir zwangsläufig auf die Angaben des Anrufers angewiesen sind.
Wie kann es sein, dass Menschen ein zweites Mal reinfallen?
GÖTTL: Ich glaube, dass die Betrüger bei Wiederholungstaten auf ein schon lange im Opfer liegendes psychisches Muster zurückgreifen. Wenn man den Knopf kennt, kann man ihn auch öfter drücken.
Die vermeintliche Interpol-Ermittlerin forderte eine Scheinüberweisung an die Betrüger. Werde der Betrag behoben, können die Ermittler eingreifen. Zuerst weigerte sich die Pensionistin, wollte etwas Schriftliches. Doch das sei bei verdeckten Ermittlungen nicht möglich. Die Anruferin warb um Vertrauen: "Ich möchte ja meinen Job auch nicht aufs Spiel setzen."
Mit immer neuen Sicherheitsbeteuerungen wurde K. dazu gebracht, bei acht Transaktionen insgesamt 25.000 Euro - ihr gesamtes Erspartes - zu überweisen. "Dafür finde ich heute keine Erklärung. Es war ein Teufelskreis. Mir wurde nach jeder Zahlung gesagt, es sei die allerletzte."
Durchbrochen wurde der Teufelskreis beim Zahnarzt. Da sie am Handy kurz angebunden war, rief sie die Anrufernummer zurück. Dabei dürfte den Betrügern ein Fehler unterlaufen sein. Es ist zwar mittels einer Software möglich, jede x-beliebige Nummer vorzutäuschen. Doch statt bei der Interpol landete sie bei einem Rechtsanwalt, der riet, die Polizei zu informieren.
Eine weitere Überraschung erwartete Frau K. und ihre Familie dann beim Überprüfen der Kontoauszüge. Dort fanden sich zahlreiche unerklärliche Abbuchungen. Ihre Kontodaten dürften von Gewinnspielbetreibern weitergegeben worden sein. Ohne Erlaubnis der Pensionistin wurden Lastschriften durchgeführt. Die Familie versucht, zumindest dieses Geld - einen Betrag in vierstelliger Höhe - rückbuchen zu lassen. Dreistes Detail: Zuletzt erreichte Frau K. ein bunter Blumenstrauß. Absender? Die vorgebliche Ermittlerin. *Name von der Redaktion geändert.
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Bei Verdacht wird geraten, sofort aufzulegen und die Polizei zu informieren.
Information und Hilfe bietet zudem der Verein zur Prävention gegen unerlaubte Werbeanrufe und Telefonbetrug (VPT). Kostenlose Hotline: 0800 810 833 oder http://verein-vpt.at.
















