Rudolf Schmidt: Höhenflug an die Weltraum-Spitze
Der Grazer Physiker Rudolf Schmidt (61) wurde dieser Tage Generalinspekteur der Europäischen Weltraumbehörde.

Foto © APARudolf Schmidt wurde ESA-Generalinspekteur
Es ist ja erstaunlich, dass am Beginn seines "Höhenflugs" eigentlich der pure Zufall steht: Rudolf Schmidt wusste nach der Matura nicht recht, welches Studium er einschlagen sollte. Medizin, BWL oder Physik? "Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte. Also ging ich zuerst zur medizinischen Fakultät. Als ich die Riesenschlange vor dem Inskriptionsschalter sah, versuchte ich es mit BWL. Aber auch dort waren mir viel zu viele Leute, und daher inskribierte ich Physik." Bereut hat er den Entschluss nie, im Gegenteil.
Nach der Dissertation führte ihn just die Kleine Zeitung zum Thema Weltraum: "Es gab da eine kleine Anzeige: Physiker für das Weltrauminstitut gesucht. Mitten zwischen Elektriker gesucht und Friseur gesucht. Ich hab zuerst gedacht, das ist ein Scherz." Doch es war kein Scherz, "Weltraumpapst" Willibald Riedler suchte Absolventen. "Zuerst habe ich ein kleines Schaltpanel für ein Instrument der Spacelab-Mission gebaut. Das war - nun ja - technologisch nicht sehr fordernd." Aber plötzlich eröffnete sich für Graz die Chance, ein Magnetometer für eine deutsche Mission zu bauen. Davon habe ich von meiner Doktorarbeit her, die sich mit Magnetfeldern beschäftigte, eine Ahnung gehabt. Jedenfalls war das eine echte Aufgabe."
Schmidt erinnert sich noch schmunzelnd daran, dass man in Graz die Sache zunächst eher skeptisch betrachtete: "Wozu brauchen wir das?" Mittlerweile allerdings haben die Grazer beinahe schon eine Monopolstellung weltweit auf diesem Sektor.
Italienische Hilfe
Und wie kam Schmidt dann zur ESA nach Holland? Österreich war damals noch gar nicht Vollmitglied. "Irgendwie war das kurios: Ich hatte durch das Projekt mit der ESA zu tun. Dabei lernte ich einen Italiener kennen, der eine Kärntner Freundin hatte. Der bat mich, mir ein wenig über die österreichischen Frauen zu erzählen", lacht er. Im Gegenzug habe ihn der Italiener - "er war ein ziemlicher Frauenheld" - mit den Sekretärinnen in Nordwijk bekannt gemacht. Und die wiederum dachten an Schmidt, als eine Stelle frei wurde.
Schmidt legte ab 1982 bei der ESA in Holland eine steile Karriere hin. Als Wissenschaftler beschäftigte er sich mit damals neuartigen Instrumenten und habilitierte sich nebenher an der TU Graz. Ab 1987 war er in leitenden Funktionen bei ESA-Großprojekten tätig, etwa den Cluster-Missionen.
Höhepunkte wurden die großen Planetenmissionen der ESA. Schmidt war Projektleiter sowohl der Mars-Express-Mission (1997-2004) als auch der Venus-Express-Mission (2001-2004). Beide hoch ambitionierten Projekte - es waren die ersten europäischen Planetenmissionen überhaupt - verliefen erfolgreich. Jetzt ist Schmidt als Generalinspekteur dafür verantwortlich, dass alle Programme und Missionen ordnungsgemäß ablaufen.
Keine Rückkehr nach Graz
Und Graz? Tatsächlich erwog Schmidt, sich für die Nachfolge von Willibald Riedler zu bewerben. Aber letztlich waren die Möglichkeiten für ihn bei der ESA größer. "Es ist ein faszinierender Platz, an dem Wissenschaftler aus 19 Staaten zusammenarbeiten. Damals war ich der erste und einzige Österreicher, heute sind etwa 40 Österreicher hier beschäftigt."
Sein ursprüngliches Hobby - Segelfliegen, das er bei der Akaflieg Graz an der TU lernte -, gab er in Holland dann auf, das Wetter war zu wechselhaft. Dafür fand er ein Neues: Bleiglasfenster. "Ich kaufte mir ein Haus, und da gab es ein Bleiglasfenster, das beschädigt war. Als ich hörte, was eine Reparatur kostet, hab ich mir gedacht: das mach ich selbst." Heute ist er dabei Spezialist. "In Holland muss man diese Gläser sturmfest machen. Gerade eben haben wir Windstärken von acht bis neun".
Begeistert ist er vom Forschernachwuchs: "Wenn ich das mit meiner Zeit vergleiche: Die jungen Leute arbeiten heute an viel komplexeren Problemen." Und sie sind auch sehr flexibel, was er auch an seinen beiden Söhnen sieht: Der eine arbeitet bei BMW in Deutschland, der andere hat eben als Jurist in Washington begonnen.
Features
Zur Person
Rudolf Schmidt, 1949 in Graz geboren, absolvierte hier das Lichtenfelsgymnasium und studierte Physik an der Universität Graz. Ab 1977 am Weltrauminstitut, Habilitation an der TU Graz. 1982 ging er zur ESA (Europäische Weltraumbehörde) und war für große Missionen verantwortlich (siehe Kasten rechts). Jetzt wurde er Generalinspekteur, unmittelbar unter der Generaldirektion.
Fakten
Rudolf Schmidt leitete die Missionen Cluster, Mars Express (Umfang 350 Millionen Euro), Venus Express (350 Millionen Euro). Er war bis 2009 Projektleiter der Mission Gaia (Kosten: 600 Millionen Euro), die 2013 starten soll.
Auf Einladung von Land, Stadt und Uni-Managment-Club hält er am 22. Dezember um 18 Uhr im Meerscheinschlößl in Graz einen Vortrag über seine Karriere.
















