Kämpfer gegen Klischees
Der deutsche Rapper Casper ist am Freitag im Orpheum Graz zu Gast. Mit uns sprach er über Zorn, Klischees und die Abstumpfung der Menschheit.

Foto © SonyNatürlichkeit und positive Botschaften sind ihm wichtig: Casper ist das Gegenstück zum gängigen Rap-Klischee
Bis Sie bekannt wurden, war Casper eigentlich immer der freundliche Geist? Wie sind Sie zu dem Namen gekommen?
CASPER: Ich bin in den sonnigen Südstaaten der USA aufgewachsen und war trotzdem immer sehr blass. Deswegen hat mir mein Vater den Spitznamen Casper gegeben.
Ihre Rap-Karriere begann in der Formation "Kinder des Zorns". Worauf haben Sie Ihren Zorn seinerzeit projiziert?
CASPER: Wir waren damals einfach jung und wütend - nicht mehr. Und wie es sich für jede "Legende" gehört, haben wir uns nach der ersten Platte sofort aufgelöst .
Für eine Zeit lang sind Sie vom Rap zum Hardcore gewechselt.
CASPER: Ich fand den Rap teilweise sehr albern. Da ich damals zur "Skateboard-Szene" gehörte, habe ich mir das nächst Rebellischere gesucht und bin dann im Punk-Hardcore-Sektor gelandet. Musikstile befassen sich meist mit Alltagsthemen, nur der Rap nicht. Ich hab das dann etwas adaptiert.
Haben Sie im Vorfeld mit dem Erfolg von "XOXO" gerechnet?
CASPER: Niemand hat das. Es fühlt sich an wie eine Art positives kaltes Wasser.
Hat Sie der plötzliche Erfolg überfordert oder verändert?
CASPER: Teilweise überfordert. Ich habe länger gebraucht, bis ich mit dem Medienrummel klargekommen bin. Es kam alles so plötzlich.
Ihre Texte propagieren den Mut zur Natürlichkeit. Brechen Sie damit nicht mit den gängigen Rap-Klischees?
CASPER: Das nehmen mir auch viele der "harten" Rapper übel, aber wenn ich schon wo mein Herz hineinstecke, dann soll am Ende auch etwas Positives herauskommen.
Sie wurden ja des Öfteren als "Emo-Rapper" verschmäht. Wie gehen Sie damit um?
CASPER: Das ist mir egal. Wer darauf herumreitet, ist einfach nicht mehr im Jetzt und Heute.
Können Sie mit dem Rap Ihre Rechnungen bezahlen?
CASPER: Seit Kurzem schon. Viele glauben immer noch, man sitzt nur herum und kifft, aber es ist sehr harte Arbeit. Manchmal ängstigt sie mich. Erfolg kann nämlich schnell vorbei sein.
Sie sagten einmal, man kann nur mehr mit Schwulsein und Gotthassen provozieren. Wie wichtig ist Ihnen Provokation?
CASPER: Sehr wichtig. Durch die Informationsflut stumpfen die Menschen völlig ab. Es gibt ein Wettrennen um Aufmerksamkeit. Deswegen würde ich am liebsten von Berlin aufs Land ziehen. Weg vom Internet, vom Stress, dem Krach und den zu vielen Menschen.
Features
Fakten
Casper, geboren 1982 in Extertal, Deutschland, als Benjamin Griffey.
Rapsänger, landete mit seinem zweiten Studioalbum "XOXO" (Rough Trade) direkt auf Platz eins der deutschen Charts.
Konzert
Freitag, 20 Uhr, Orpheum, Graz. Karten: Tel. (0 31 6) 871 871 11.

















