Foda: "Ständige Nörgelei geht mir auf den Wecker"
"Auch wenn Trennungen Teil des Fußballgeschäfts sind, trifft es mich": Franco Foda nimmt Stellung zum Abschied von Sturm Graz nach mehr als 15 gemeinsamen Jahren.

Foto © GEPAFranco Foda
Aus dem praktisch sicheren Ja zu Sturm wurde ein Nein für Sturm. Wie kam es zu dieser überraschenden Wende?
Franco Foda: Vergangenen Montag hätte ich den Vertrag unterschreiben sollen. Ich habe dem Präsidium schon meine Pläne präsentiert, wir waren uns schon vor Monaten prinzipiell einig. Mir war bewusst, dass wir auch im kommenden Jahr weiter einsparen müssen. Aber zur Unterschrift ist es dann nicht gekommen. Stattdessen führte ich zwei Gespräche, eines mit Herrn Stockenhuber, eines mit Herrn Jauk (Vorstandsmitglied für Finanzen, Anm.). Danach bin ich zum Entschluss gekommen, dass es besser für alle ist, getrennte Wege zu gehen.
Zwei Gespräche wiegen mehr als 15 gemeinsame Jahre? Deutet das auf gröbere Unstimmigkeiten hin?
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"Die internen Unzufriedenheiten gehen mir auf den Wecker."
Foda: Ich werde keine Details nennen. Ich will aber betonen, dass es nicht um Finanzielles gegangen ist. Es ist mir nie ums Geld gegangen, ich habe weit besser dotierte Angebote ausgeschlagen, weil ich hier was aufbauen wollte. Aber die ständige Nörgelei geht mir auf den Wecker. Nicht die externe, wohlgemerkt. Die interne Unzufriedenheit. Einige haben mit dem Erfolg den Sinn für Realität verloren.
Inwiefern?
Foda: Weil sie dachten, wir müssen immer Meister werden. Und dabei vergessen, wie viele Verletzte wir hatten. Und, bitteschön: Welcher Klub verkauft kurz vor der Meisterschaft den besten Innenverteidiger, den linken Stammverteidiger und einige Andere? Und holt dann erst nach der Vorbereitung Ersatz? Trotzdem haben wir es geschafft, etwas aufzubauen. Gegen die Austria hat man gesehen, wozu die Mannschaft in der Lage ist. Und ich hatte noch Ziele - das Erreichen der Champions-League-Gruppenphase wäre so eines gewesen.
Grund der Trennung soll eine von Ihnen geforderte Ausstiegsklausel im Vertrag gewesen sein. So heißt es zumindest in der Presseerklärung des Präsidenten.
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"Herr Stockenhuber soll bitte bei der Wahrheit bleiben."
Foda: Ich wundere mich, dass man mit Details an die Öffentlichkeit geht. Herr Stockenhuber soll bitte bei der Wahrheit bleiben und sich an Gespräche erinnern, bei denen Herr Jauk dabei war. Ich habe schon im bestehenden Vertrag eine Ausstiegsklausel. Ich werde Teile meines Vertrages auch offenlegen, wenn es notwendig ist.
Die Töne werden rauer. Hält die Ehe Sturm/Foda überhaupt bis zum Saisonende im Mai?
Foda: Wer mich kennt, weiß, dass ich mit hundert Prozent weiterarbeiten werde. Ich habe stets alle Vorgaben des Vereins mitgetragen und werde auch meinen Vertrag erfüllen. Es wird von mir auch kein Schlechtes über Sturm geben. Einige leisten hier hervorragende Arbeit. Der Klub liegt mir am Herzen, ich habe alle Höhen und Tiefen mitgemacht. Von den Champions-League-Zeiten bis zum Konkurs war alles dabei.
Das klingt nach Wehmut.
Foda: Für mein Herz ist es brutal. Es wird auch noch die eine oder andere Träne bei mir geben, da bin ich mir sicher. Auch wenn Trennungen Teil des Fußballgeschäfts sind, trifft es mich.
Der stets sachlich und analytisch wirkende Franco Foda zeigt plötzlich Emotionen?
Foda: Die Leute kennen mich nicht wirklich. Es ist durchaus möglich, dass der ständige Leistungsdruck Einfluss auf mich hat. Das will ich nicht ausschließen.
Der Druck bleibt, schließlich wollen Sie noch zwei Titel holen.
Foda: Ja. Und ich werde darauf achten, dass ich den Druck von den Spielern nehme, so wie bisher.
Falls es nicht zur Schlammschlacht kommt, sind Sie bis Mai Sturm-Trainer. Aber was kommt danach?
Foda: Das weiß ich wirklich nicht. Bis Montag bin ich ja davon ausgegangen, dass ich für zwei weitere Jahre bei Sturm bleibe. Vielleicht regeneriere ich für zwei Monate. Aber: Im Fußball kann alles sehr schnell gehen. Und man sollte auch niemals nie sagen, das weiß ich auch.
Was passiert mit dem SK Sturm nach Franco Foda?
Foda: Gar nichts. Die Erde wird sich weiter drehen, der Klub weiter bestehen. Die Mannschaft ist intakt, hat tollen Charakter. Und eines ist mir noch ganz wichtig.
Was?
Foda: Ich versteh die Aufregung nicht ganz, nur weil ein Vertrag nicht verlängert wird. Man soll doch eher darüber reden, wie großartig die Mannschaft beim 5:1 gegen die Austria war. Das ist viel wichtiger als meine Person.
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Stellungnahme
Unverständnis und Kopfschütteln
Die Presseerklärung von Sturm-Präsident Gerald Stockenhuber löste bei vielen langjährigen Kennern der österreichischen Fußballszene Unverständnis und Kopfschütteln aus. Allgemeiner Tenor: Vertragsdetails gehören einfach nicht in die Öffentlichkeit. Während einige davon ausgehen, dass sich die beiden Parteien noch zusammenraufen und als Erklärung auf die erfolgreiche Vergangenheit hinweisen, glauben andere, dass das Ende von Franco Foda bereits im Winter kommen wird. Sturm-Präsident Gerald Stockenhuber sagt dazu: "Franco Foda ist Profi genug. Ich glaube, dass er seinen Vertrag erfüllen wird. Wichtig ist jetzt einmal, dass wir in die Winterpause gehen, dann wird man weitersehen."













