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Zuletzt aktualisiert: 08.12.2011 um 05:34 UhrKommentare

Keiner kann mehr ohne den anderen sein

Zwei, die vor sechs Jahren auszogen, einander das Leben schwer zu machen, sind heute nur deshalb so stark, weil sie einander stützen.

Foto © Marija Kanizaj

"Ich hab' heut' früh schon mit dem Hermann gesprochen", sagt Landeshauptmann Franz Voves als Einleitung zum Interview über die Volksabstimmung in Kaindorf. Der Hermann, gemeint Vize Hermann Schützenhöfer, ist zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr präsent. Eine Angina zwingt den ÖVP-Obmann am historischen Tag der Abschaffung des Proporzes ins Bett.

Es ist aber, als säße er mit am Tisch. An diesem wie an jedem anderen Tag, an dem Voves die Stimmung im Land erörtert. Umgekehrt ist auch der SPÖ-Vorsitzende atmosphärisch mit im Boot, wenn Schützenhöfer in Begleitung Dritter zum nächsten Ufer aufbricht.

Der Franz und der Hermann geben die Richtung vor. Und sie schlagen persönlich Takt und Tempo an. Meist übrigens im Verborgenen, oft unter vier Augen oder im Zwiegespräch am Mobiltelefon, gefolgt von Lagebesprechungen mit den Bürochefinnen oder den Klubobleuten.

Die beiden Chefs sind leiser geworden als früher, viel leiser. Aber ihr Schweigen dröhnt, wenn sich parteiübergreifend Bürgermeister, Gewerkschaftsfunktionäre oder Oppositionspolitiker an ihnen reiben.

Kontrollierte Information

Die Worte in der Öffentlichkeit werden gezielt gesetzt. Man tritt nur auf, wenn man will. Die Pressefoyers wurden abgeschafft. Den Funktionären wird intern berichtet, auch den Funktionären der anderen Partei fallweise.

"Im Gleichschritt marsch", ist die Devise. Immer dieselbe Botschaft, so lange, bis sie Allgemeingut geworden ist. Die Eigenmarke "Reformpartnerschaft" ist heute ein stehender Begriff, das Wortungetüm "Gemeindestrukturreform" in den Sprachschatz eingedrungen, das "Zeitfenster", die "Generation von morgen", die "Hypotheken der Vergangenheit" sind stehendes Repertoire zweier Wanderprediger, die im Paarlauf das restliche Österreich verunsichern. Das sture Festhalten an den immer selben Vokabeln verleitet nur im engsten Kreis zum Gähnen. Nach außen wird registriert: Da wollen zwei das Gleiche, und sie weichen keinen Millimeter davon ab.

"Der Erlass ist das Papier nicht wert, auf dem er steht", kommentiert der ÖGB die Nulllohnrunde für die Seinen. "Da können sie sich anhalten", kündigt der Gewerkschafts-Vorsitzende an. Er wird nicht einmal ignoriert.

Roter Stürmer

Wenige Tage später sagt Voves öffentlich, dass er als SPÖ-Chef nicht mehr von der Gewerkschaft abhängig sein will, und dass sich ein ÖVP-Chef nicht mehr in die Abhängigkeit von den Bünden begeben darf. Und er spricht sich mehr oder weniger deutlich für die Abschaffung der Landtage aus. ÖVP-Vordenker Gerhard Hirschmann hat man seinerzeit dafür fast gesteinigt.

Voves ist der Bauchmensch des ungleichen Paares an der Spitze des Landes. Er wirkt beseelt, geradezu enthemmt. Sein Eifer nährt das Feuer, das der Bevölkerung Licht am Ende des Tunnels verheißt, suggeriert Tempo, das den Reformmotor daran hindert, ins Stottern zu geraten.

Schwarze Eminenz

Schützenhöfer ist der Mann der Strategie, die schwarze Eminenz, der, der den roten Stürmer stabilisiert, der die Pferde der Freunde und Feinde vor dem Durchgehen bewahrt, der sein Gefolge auf eine Nulllohnrunde verpflichtete, bevor er den Job überhaupt übernahm, um das Gelingen der Operation vorab zu sichern.

Am kommenden Montag ist High Noon: LH, Vize, Gemeinde- und Städtebundchefs treffen auf die erboste Gewerkschaft. An diesem Tag wird sich entscheiden, ob die Linie hält.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Im Sog der beiden Chefs wird beinhart agiert. Noch nie hatte die Opposition so wenig zu sagen wie jetzt. Noch nie wurde auf Vertragspartner des Landes, etwa in der Behindertenhilfe, so brutal Druck ausgeübt wie heute. Und noch nie war das "freie Mandat" der Abgeordneten so unfrei wie in diesen Tagen.

CLAUDIA GIGLER

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