Cola und Wurstsemmel aus den Schulen verbannen?
Die Schlacht um das Schulbuffet ist eröffnet: Die steirische Gesundheitslandesrätin würde Schülern Fast Food am liebsten verbieten. Wir haben uns umgehört, was die Schüler, Pädagogen, Gastronomen und Experten davon halten.

Foto © Sabine Hoffmann
Edlinger-Ploder: "Angebot in Schulbuffets steuern"
KRISTINA EDLINGER-PLODER, Gesundheitslandesrätin: "Im öffentlichen Raum, besonders in der Schule, übernehmen wir unter dem Stichwort Ganztagsschule und Nachmittagsbetreuung zunehmend Verantwortung auch für die richtige Ernährung. Ich möchte nicht ständig anderen sagen, was sie machen sollen, ich möchte dort Taten setzen und die Eltern unterstützen, wo wir Mitverantwortung tragen. Mit klaren Standards für Schulbuffets und der gleichzeitigen Entfernung von Automaten mit Junk-Food möchte ich das, was wir in unzähligen Projekten predigen, auch umsetzen und so das Angebot steuern. Ob dieses Angebot in der Schule angenommen wird oder nicht, bleibt dem Einzelnen überlassen."
Mörwald: "Ein Verbot macht die Leute nicht dünner"
TONI MÖRWALD, Spitzenkoch und Präsident der BÖG (Beste Österreichische Gastlichkeit): "Ein Verbot ist der falsche Weg, man kann Cola, Wurstsemmel und Schoko nicht so einfach abschaffen. Man muss auf die Menge achten - und vor allem auf abwechslungsreiche Ernährung und auf Bewegung. An Schulen müsste man Ernährungslehre einführen, das würde mehr bringen als täglich politische Bildung. Natürlich haben auch die Eltern Verantwortung: Wenn sie sich nicht mit Essen beschäftigen, werden das die Kinder ebenso wenig tun. Ich sage immer: Essenszeit ist Lebenszeit. Man muss sich mit dem Thema auseinandersetzen. Ein Verbot hingegen macht die Leute auch nicht dünner."
Krenn: "Das Angebot reguliert, was Schüler zu sich nehmen"
INES KRENN, Leiterin der Abteilung Naturküche bei Styria Vitalis: "Es ist zu begrüßen, dass nun eine Diskussion entsteht. Auf der anderen Seite muss es auch eine Bewusstseinsbildung geben, um Eltern, Lehrer und Kinder davon zu überzeugen, dass gesunde Ernährung Sinn macht. Es ist wichtig, Alternativen aufzuzeigen, denn das Angebot reguliert, was Schüler zu sich nehmen. Unsere Erfahrung zeigt auch, dass sie sich gerne bewusst und gesund ernähren. Ausschlaggebend ist hier eine ansprechende Präsentation. Wenn Schüler gesunde Alternativen ausprobieren, werden sie bald feststellen, dass sie länger satt und weniger müde sind und so besser über den Vormittag kommen. Und das wirkt sich auf das ganze Wohlbefinden aus."
Erlitz: "Bin nicht für Cola, aber man kann es nicht verbieten"
WOLFGANG ERLITZ, Landesschulratspräsident Steiermark: "Inhaltlich bin ich ganz auf Linie der Gesundheitslandesrätin. Ein Schulbuffet muss unbedingt eine gesunde Ernährung anbieten - und die Schulen tun das bereits. Denn Gesundheitsförderung war und ist unser Schwerpunkt. Auch bin ich persönlich nicht für Cola und dergleichen, aber man kann das nicht verbieten. Schließlich brauchen die Kinder nur aus der Schule zu gehen und haben da die ganze Angebotspalette. Daher versuchen wir den Kindern mitzugeben, was gesund ist und was nicht. Kompetenz und Wissen, das müssen wir vermitteln. Wenn wir umfassend aufklären, dann greifen unsere Schüler gar nicht mehr zur Schnitzelsemmel."
Kaulfersch: "Fast Food senkt Leistungsfähigkeit der Kinder"
WILHELM KAULFERSCH, Primar des ELKI in Klagenfurt: "Die Idee finde ich wunderbar. Wobei ich denke, dass sie nur sehr schwer umsetzbar ist. Denn ohne Zweifel ist Fast Food ungesund, qualitativ minderwertig, kohlenhydrat- und fettreich. Dieses Essen macht uns dauerhaft nicht satt. Die Schüler sind viel zu schnell wieder hungrig und greifen zur nächsten Leberkäsesemmel. Wir müssen auch bedenken, dass in Österreich bereits jedes fünfte Kind übergewichtig ist. Die Eltern sollten darauf achten, dass ihre Kinder zum Beispiel Vollkornprodukte oder Obst mit in die Schule nehmen. Das ist gesund und wirkt sich auch auf die Leistungsfähigkeit positiv aus."
Grössinger: "Eine Wurstsemmel am Tag ist nicht schlecht"
KURT GRÖSSINGER, Kantineur UPC Arena und Eishalle Graz: "Mich ärgert, dass wir zunehmend bevormundet werden. Daher lehne ich ein Verbot von Cola oder Wurstsemmel im Schulbuffet ab: Das bringt doch nichts. Eine Wurstsemmel am Tag ist nämlich nicht schlecht. Alles mit Maß und Ziel, dann passt das. Wenn meine Tochter ein Extrawurstsemmerl oder ein Speckweckerl zur Jause will, soll sie es haben. Da weiß ich wenigstens, was sie gegessen hat. Ich habe auch andere Dinge wie Knusperriegel probiert, aber da brachte meine Tochter die Jause ungegessen zurück."
Gaar: "Gesund, dafür billiger"
THOMAS GAAR, Schülerunion: "Es gibt zwar oft schon eine gesunde Jause, diese ist dann aber meist teurer. Besser als ein Verbot wäre es, die gesunde Buffet-Jause mit dauerhaften Preisnachlässen zu bewerben. Denn wenn Cola & Co. gar nicht mehr angeboten werden, kann es auch sein, dass die Schülerinnen und Schüler es von zu Hause mitnehmen oder in angrenzenden Supermärkten kaufen."
Aluani: "Gestaffeltes Verbot"
CHRISTIAN ALUANI, HAK-Schüler aus Graz: "Ein Verbot wäre grundsätzlich keine schlechte Idee. Die andere Frage ist, ob es auch sofort durchsetzbar wäre. Unser Schulbuffet könnte wahrscheinlich zusperren, da dann einfach alle zum Spar nebenan gehen würden. Man müsste die Schüler langsam daran gewöhnen, da die Erziehung zum gesunden Essen oft fehlt. Ein Verbot sollte zeitlich gestaffelt in Kraft treten."
















