Murkraftwerk Graz: Wasser-Gutachten des Landes negativ
Das 80 Mio. Euro teure Projekt gefährde laut Gutachten die Qualität des Grundwassers für die Stadt Graz. Energie Steiermark kontert mit positiver Beurteilung. Umweltschützer, Grüne und KPÖ fordern nun ein Überdenken des Projekts.

Foto © Jürgen Fuchs
Eine Stellungnahme von Fachbeamten des Landes stellen dem geplanten Murkraftwerk von Verbund und Energie Steiermark AG in Graz-Puntigam kein gutes Zeugnis aus. Das rund 80 Mio. Euro teure Projekt gefährde die Qualität des Grundwassers für die Stadt Graz, für private Brunnenbesitzer und das Umland durch die Anhebung des Wasserpegels aufgrund der Staustufe. Die Energie Steiermark konterte umgehend mit einer positiven Beurteilung durch die Joanneum Research. Grüne, KPÖ und Umweltschützer sahen sich in ihrer Kritik am Projekt bestätigt.
Grundwasser
In der von fünf Experten der Fachabteilung 19A (Wasserwirtschaft) erstellten Stellungnahme zum UVP-Genehmigungsverfahren wird das Projekt Murkraftwerk "negativ beurteilt". Die Aufstauung der Mur bis zur Grazer Stadtmitte könnte das Grundwasser durch die Anhebung des Wasserpegels gefährden. Durch die Anhebung des Wasserpegels käme der Austausch zwischen Oberflächen- und Grundwasser durcheinander. Gefährlich könnten sich laut der Zeitung auch - darauf hatten schon Umweltschützer hingewiesen - die Höhenschwankungen des Grundwassers auswirken: Im Grazer Raum befänden sich etliche alte Mülldeponien im Erdreich. Bei der Fachabteilung erklärte man gegenüber der APA, dass man aufgrund der Europäischen Wasserrahmen-Richtlinie zu prüfen habe. Aufgrund der damals (Anfang Juli 2011) vorliegenden Unterlagen sei eine positive Beurteilung nicht möglich gewesen.
Bei der Energie Steiermark AG sah man die Angelegenheit am Dienstag konträr: "Eine Gefährdung des Grazer Trinkwassers durch das Projekt Murkraftwerk Graz ist auszuschließen". Dies ergebe eine Projektbeurteilung, die von der Forschungsgesellschaft Joanneum Research (JR) vorgenommen wurde. Demnach sei "mit keinen nachteiligen Veränderungen der Quantität und Qualität des Grundwasserkörpers zu rechnen". Es gebe auch kein Abweichen vom "derzeitigen guten Zustand des Grundwassers", hieß es. "Bei der Stellungnahme der Kollegen aus dem Bereich Wasserwirtschaft vom 30. August wurden einige Punkte übersehen bzw. standen möglicherweise nicht alle Unterlagen zur Verfügung, die für die fachliche Beurteilung des Projektes jedoch von größter Bedeutung sind", so ein JR-Fachmann.
Die Grazer Gemeinderätin Andrea Pavlovec-Meixner (G) bezweifelte, dass die Mur-Staustufe Graz noch genehmigungsfähig sei. "Das verfahrensgegenständliche Projekt wird daher hinsichtlich des Fachbereichs Gewässerökologie im Sinne des Verschlechterungsverbotes negativ beurteilt", zitierte Meixner aus der Stellungnahme der Fachabteilung. Die Grazer KPÖ-Stadträtin Elke Kahr erklärte, für Graz müsse der Schutz des Grundwassers Vorrang haben vor den Interessen der Energiekonzerne. Der bevorstehende Rücktritt von Oswin Kois gebe einer neuen Spitze der Energie Steiermark die Möglichkeit, das Projekt ohne Gesichtsverlust zu stoppen. Der WWF schloss sich der Forderung der Plattform "Rettet die Mur" nach einem Planungsstopp an. Standort und Planung müssten völlig neu überdacht werden.
















