Anzeige nach Datendiebstahl in großem Stil
Stephan Sticher, Eigentümer der Schulungs-Firma b.i.t., brachte nach Datendiebstahl Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ein: Hausdurchsuchungen an vier Standorten der Konkurrenz.

Foto © HoffmannStephan Sticher
Es ist eine Geschichte wie aus dem Film: Seit Längerem konnte man sich in der Führungsetage des steirischen Schulungszentrums b.i.t. des Eindrucks nicht erwehren, dass vertrauliche Informationen auf unerklärliche Weise nach außen drangen. Zunächst hatten Eigentümer Stephan Sticher und die Geschäftsführer Manfred Brandner und Horst Ortmann den Verdacht, dass die Daten von einem Mitarbeiter zur Konkurrenz getragen wurden. Bis die interne EDV-Abteilung das eigene System systematisch durchleuchtete und draufkam, dass seit zwei Jahren Daten aus dem E-Mail-Verkehr abgesaugt wurden.
"Daten der Geschäftsführung, der Finanzabteilung, der Ausschreibungsabteilung, also alle wesentlichen Teile des Unternehmens sind betroffen", stellte Sticher fest. Aufgespürt wurde unter anderem die IP-Adresse eines ehemaligen leitenden Angestellten, der heute in Kärnten eine eigene Schulungs-Firma betreibt. Es wurde zum Teil mehrmals täglich auf die E-Mail-Eingänge zugegriffen, insgesamt mehr als 800 Mal. Mails wurden kopiert, verändert, gelöscht. Gleichzeitig saugte ein US-Server die kompletten Daten ab.
Forensische Sicherstellung der Daten
Man beauftragte eine externe Firma, die auf die forensische Sicherstellung von Daten spezialisiert ist, mit der Dokumentation und ging damit vor sechs Wochen zum Staatsanwalt in Klagenfurt. Die Behörden schlugen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Donnerstagfrüh zu: An drei Standorten des angezeigten Verdächtigen in Kärnten wurden Hausdurchsuchungen durchgeführt und Daten sichergestellt, dazu am Standort einer Firma in Graz, die ebenfalls einem Ex-Mitarbeiter der Firma b.i.t. gehört.
Helmut Jamnig, Sprecher der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, bestätigte Anzeige, Ermittlungen, Hausdurchsuchungen und die "freiwillige Nachschau" - der Geschäftsführer der Grazer Firma werde derzeit noch nicht als Verdächtiger geführt. Ein Sachverständiger wurde mit der Sichtung der Daten beauftragt.
Dass zuletzt viele Aufträge an die Konkurrenz verloren gingen, schreibt Sticher dem Umstand zu, dass Ausschreibungs- und Kalkulationsunterlagen nach außen drangen. In der Anzeige an die Staatsanwaltschaft wurde der Schaden vorerst mit "mehr als 50.000 Euro" beziffert, was laut Jamnig Voraussetzung für das Vorliegen des zur Anzeige gebrachten Deliktes des "betrügerischen Datenmissbrauchs" ist. Sticher rechnet mit einem Schaden in bis zu siebenstelliger Höhe.

















