Empörung über Polizeidirektor
Der Grazer Polizeichef Alexander Gaisch warnte im Interview mit Kleine Zeitung G7 vor der Unterwanderung durch Muslime. Stadtpolitiker und Muslimenvertreter kritisieren ihn scharf.

Foto © Sabine Hoffmann
Die geplante bosnische Moschee könnte im schlimmsten Fall zum Hort der Radikalisierung werden, warnte der Grazer Polizeidirektor Alexander Gaisch vergangenen Sonntag im Interview. Er vermutet saudi-arabische Kräfte hinter der Finanzierung. Über die Moschee, die auch als soziales und kulturelles Zentrum gedacht sei, komme ein anderes Kulturgut in Graz herein und werde größer: "Wenn die Politik hier nicht gegensteuert, halte ich es für gefährlich für unser Demokratieverständnis."
Der Vorsitzende des bosnischen Vereins "Muslimische Gemeinschaft Steiermark", Mahdi Mekic, ist empört, dass sich der Polizeidirektor in ihre Moscheenfinanzierung einmischt: "Wir werden den Bau über Spenden unserer Vereinsmitglieder finanzieren." Er stellt klar: "Diese Moschee wird allen offenstehen und wir haben bisher die Finanzen transparent gehalten." Dass Gaisch als Beamter so ein eigenwilliges Demokratieverständnis an den Tag lege, enttäuscht ihn.
Verärgert reagiert auch der Migrantenbeirat: "Diese pauschale Diffamierung von Muslimen gefährdet das Zusammenleben in Graz und trägt zu Radikalisierung und Verhetzung bei." Der Beirat fordert auch die Innenministerin Johanna Mikl-Leitner zur Stellungnahme auf.
Gaischs Sager über die muslimische Unterwanderung trägt ihm auch Kritik von politischer Seite ein. Die grüne Vizebürgermeisterin Lisa Rücker poltert: "Der Polizeidirektor schürt Ängste gegenüber anderen Kulturen und begibt sich auf ein Terrain, das wir aus Wahlkämpfen von FPÖ und BZÖ kennen." SPÖ-Klubchef Karl-Heinz Herper findet die pauschale Diffamierung verstörend. Hier gerate die Mehrheit der Muslime durch eine Handvoll Menschen unter Generalverdacht. Gaisch solle sich im Interreligiösen und im Menschenrechtsbeirat der Debatte stellen.
Zuspruch für Gaischs Äußerungen gab es hingegen von FPÖ-Klubobmann Armin Sippel, der fordert, diese "Warnungen mit realem Hintergrund ernst zu nehmen". Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) nimmt Gaisch in Schutz: "Er hat mir versichert, nur radikale und staatsfeindliche Kräfte gemeint zu haben." (Anm. der Red.: Der Polizeidirektor hat das Interview autorisiert.)

















