Die Pack trennt keine Welten mehr
KAC gegen ATSE Graz. Das große Eishockey-Duell der 70er-Jahre lebt wieder. Nur eine Stufe niedriger als früher. Ruhiger, familiärer. In der Nationalliga.

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Kennen Sie Bill Klatt? Ein US-Eishockeyprofi wie aus Hollywood. In dem Spielfilm "Slap-shot", mit Paul Newman in der Hauptrolle, traten die drei Hanson-Brüder auf, denen Klatt wie Bruder Nummer vier glich. Mit der sogenannten schwarzen Krankenkassen-Brille auf der Nase war der ATSE-Graz-Stürmer Klatt im österreichischen Eishockey-Meisterschaftsfinale 1978 der Schrecken der KAC-Verteidigung. Im letzten großen Aufeinandertreffen Klagenfurts gegen Graz.
Es war eine dieser Endspielserien, die Hallen füllte. Ausverkauftes Haus in Liebenau, bummvolle Stadthalle in Klagenfurt. Man saß auf Stiegen, auf Geländern, bis unters Dach. Musste mehrmals nach den Aufforderungen der Ordner den Standort wechseln. So entstand eine unheimliche Bewegung in den Hallen. Und die Grazer gewannen die Serie mit 3:1. Da läuteten in Mariazell die Glocken. Grabesstimmung in Klagenfurt. Bereits mit dem Titelgewinn von 1975, als der ATSE Graz den Serienmeister aus Klagenfurt (elf Titel en suite) entthronte, war ein gegenseitiges Feindbild entstanden. Die Pack trennte da noch Eishockey-Welten.
Franz Voves (ja, der Landeshauptmann) erklärte im ORF-Radio, dass das Lied "Karnt'n is lei ans" in der Hitparade immer weiter abrutscht. "Heja ATSE, heja ATSE" singt die Nation. Das Duell ATSE gegen den KAC war unvergleichlich, höchstens noch mit KAC gegen den IEV, das aber nie diese Brisanz unter den Fans entfachte, vergleichbar. 1981 war alles vorbei, stellte der ATSE den Spielbetrieb ein.
Neuauflage in Nationalliga
Diese Süd-Derby-Szene erlebt heuer eine Neuauflage. Freilich "nur" in der Nationalliga, freilich ohne die Hassliebe. Man trifft sich wieder, um Hockey zu spielen. Unterschiedlicher können die Voraussetzungen auch gar nicht sein. Auf der einen Seite (ATSE) spielt eine bundesligaerprobte Truppe. Sie gewinnt ein Spiel nach dem anderen mit bekannten Namen wie Lindgren, Pollross oder Brown.
Auf der anderen Seite der KAC - besser gesagt die U20-Auswahl der Rotjacken. Spielpraxis soll der Nachwuchs bekommen. Mit dabei sind noch - man verzeihe den Ausdruck - so "Kleine", die laut Reglement einen Gesichtsschutz in Form eines Gitters, ähnlich den Torleuten, zu ihrer Sicherheit tragen müssen.
So war das Aufeinandertreffen am vergangenen Samstag in Klagenfurt ein eher freundschaftlicher Abend. Man spielte nicht in der großen Stadthalle (die war einem aufregenden Publikumslauf vorbehalten), sondern in der Puschnig-Halle nebenan, in familiärer Atmosphäre (es waren auch keine steirischen Fanbusse zu entdecken). Da bleiben nur applaudierende Mütter oder Freundinnen, Väter und Brüder freuten sich zurückhaltend über gelungene Aktionen. Und weil der KAC-Nachwuchs den Zugang zum großen Eishockey langsam zu finden scheint, war die Partie bis zur 51. Minute auch offen. Erst dann drehte der ATSE ein 1:2 in ein 5:2. Das 0:10 vom September ist aus KAC-Sicht wohl vergessen.













