Land reißt mit Tierheim die Geduld
An den internen Strukturen der "Arche Noah" sind schon viele gescheitert. Nun hat auch Klinik-Chef Stefan Moser das Handtuch geworfen. Landesrat droht mit Konsequenzen.

Foto © HoffmannEx-Tierklinikchef Stefan Moser (links)
Die Arbeit in einem Tierheim ist hart. Keine Frage. Für wenig Lohn wird viel Engagement erwartet. Aber wer Tiere wirklich liebt, der nimmt das gerne auf sich. Doch welche Gründe veranlassen die Mitarbeiter der Arche Noah zuletzt reihenweise, dem größten steirischen Tierheim und ihrem Chef Herbert Oster über kurz oder lang den Rücken zuzukehren?
Ende September war es der designierte Heimleiter der "Arche Noah", Peter Zoppoth, der kündigte. "Gescheitert an den inneren Strukturen", lautete seine offizielle Begründung. Hinausgemobbt, weil er mit den Spaziergängern zu freundlich umging, hieß es hinter vorgehaltener Hand. Ex-Heimleiterin Sonja Lang - ihr folgte statt Zoppoth nun die langjährige Mitarbeiterin Brigitte Amon nach - bestritt auch nicht, dass Zoppoth ihrer Ansicht nach "zu freundlich" war. Auch über die anderen Abgänge, zehn sollen es seit Juli gewesen sein, hat sie wenig Gutes zu berichten: "Einer fälschte Unterschriften, um Versicherungsgelder zu kassieren, eine andere nahm Geld aus der Kasse. Bei uns landen eben die Leute, die sonst keine Firma will."
"War Garant für Stabilität"
Weder das eine noch das andere trifft bei Tierarzt Stefan Moser zu, der jetzt das Handtuch warf. Wieder gescheitert an den inneren Strukturen (siehe Interview links). Genannt "der General", war Moser als Leiter der Tierklinik, Generalsekretär des Vereins "Aktiver Tierschutz" und auch als Sprecher des Landesverbands der Tierheime Garant für Stabilität. So sieht das jedenfalls Landesrat Johann Seitinger, der Mosers Abgang sehr bedauert - gerade jetzt, da die Verträge mit den steirischen Tierheimen neu verhandelt und die Förderungen neu aufgeteilt würden.
"Stefan Moser hatte ein gutes Gespür dafür, was wichtig für die Führung eines Tierheimes ist", sagt Seitinger, "er blickt über den Tellerrand und mit ihm war es erstmals möglich, Tierschutz-Ideen nach neuem Stil umzusetzen." Nun fürchtet der Landesrat einen "Rückfall in alte ostersche Zeiten". Er hofft, dass für Moser rasch ein Nachfolger gefunden wird, der nicht polarisiert. Denn: "Tierheime sind abhängig von Förderungen und vom Tierschutzgesetz. Das kann nur in gutem Einvernehmen geschehen."
Eines ist für Seitinger klar: "Versucht Oster, das alte System hochzufahren, dann haben wir ein Regulativ. Das Geld. Und das habe ich in der Hand." Auch der Umbau der Arche Noah, der für heuer geplant war, liegt vorerst auf Eis. Seitinger erwägt sogar, die Arche Noah mit dem Grazer Tierheim Grabenstraße zu einer Körperschaft zusammenzulegen, unter der Leitung von Obmann Fritz Lichtenegger. Um die Qualität im Tierheim zu sichern, würde er auch nicht davor zurückschrecken, die Veterinär-Polizei einzuschalten.
Arche-Obmann Herbert Oster reagiert wie erwartet scharf. "Die Personalauswahl muss man schon uns überlassen. Ich weiß schon, wie man ein Tierheim führt", hält Oster fest. Auf Zurufe von außen könne er verzichten: "Seitinger soll sich um sein Ressort kümmern." Mosers Abgang würde man bestens verkraften.
Vorerst würde Mosers Stellvertreterin, Eva Maria Mlacnik, die Klinik-Leitung übernehmen. Außerdem hätten sich bereits gestern drei Tierärzte vorgestellt, ein zusätzlicher würde angestellt. Und die Zusammenlegung mit der Grabenstraße? "Dagegen wäre der gesamte Vorstand."
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Fakten: "Arche Noah"
Seit Jahren sorgt das größte steirische Tierheim Arche Noah für Schlagzeilen. Laut Amtstierarzt würden zu viele Tiere aufgenommen, ausländische Hunde eingeführt, Qualitätsstandards nicht eingehalten. Allein im August starben knapp 80 Katzen an Katzenseuche.
Ein Umbau sollte die Zustände verbessern. Der liegt auf Eis.
















