"Rainbows" hilft Kindern mit dem Tod Angehöriger umzugehen
Der Verein Rainbows kümmert sich um Kinder, die einen nahen Angehörigen verloren haben. Wie bei Wolfi (12). Von bitteren Tränen und neuem Mut.

Foto © MARKUS LEODOLTER Ursula Molitschnig und Dagmar Bojdunyk-Rack vom Verein Rainbows mit Tröster-Stofftier "Tränchen“
Wolfi lacht. Ja, die Mannerschnitten, die vor ihm liegen, schmecken lecker. In der Schule geht es auch gut, Wasserball und Keyboardspielen machen Spaß. Wolfi hat in seinem Leben aber auch schon viel geweint, mehr als andere Kinder. Vor drei Jahren ist in der Familie eine Tragödie passiert. "Es gibt nichts Schlimmeres im Leben" - sagt ein Zwölfjähriger.
Der quirlige blonde Bub wohnt in einer sozialpädagogischen Kinder- und Jugendwohngemeinschaft am Rand von Graz. Dorthin ist er gekommen, als es in der Familie nicht mehr ging. Nach schlimmen Jahren der Krankheit starb sein Vater vor drei Jahren an Krebs. "Am Schluss war er da, aber noch woanders", erzählt Wolfi. "Der letzte Tag war der Schlimmste." Da kam er von der Schule nach Hause und sein Papa wurde in einem Sarg hinausgetragen. Von da an ging nichts mehr. Er kam zu einer Tante, es gab zunehmend Probleme in der Schule.
Vor zwei Jahren zog er in die betreute WG, in der er während der Woche lebt, mit Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren. Am Wochenende fährt er nach Hause, zu seiner Mutter, und weil das nächste Mal bevorsteht, ist Wolfi voller Vorfreude. Dass er so gut über seine Gefühle sprechen kann, ist nicht selbstverständlich. "Da ist er schon ein sehr positives Beispiel, er hat eine irrsinnige Entwicklung gemacht", sagt Leopold Auer, der Leiter der Einrichtung. Wolfis Noten sind wieder gut, und er hat viele neue Hobbys gefunden.
Jetzt sagt er Dinge wie: "Mir ist klar geworden, dass ich trotzdem ein gutes Leben haben kann." Geholfen hat ihm dabei, dass er mit Menschen sprechen konnte, die ihn verstanden. Mit Mitschülern ist das nicht immer so einfach. "Manche wollen nicht über den Tod reden, manche verstehen es nicht", sagt Wolfi. Verständnis und Hilfe hat er beim Verein Rainbows gefunden.
Da konnte er über seinen Vater reden, hat gemalt und gebastelt und so begonnen, den Verlust zu verarbeiten. "Die Erinnerung an den Verstorbenen ist wesentlich", sagt Dagmar Bojdunyk-Rack, die Geschäftsführerin des des Vereins Rainbows (www.rainbows.at), dessen Mitarbeiter sich seit 1991 um Kinder kümmern, die unter der Trennung der Eltern oder dem Tod eines Familienmitglieds leiden.
Viele Fragen
Früher waren Letztere bei den Gruppen der Trennungskinder, heute gibt es für sie Einzel- und bei Bedarf auch Gruppenbetreuung. Begonnen hat das im Jahr 2001, nach dem Seilbahnunglück von Kaprun, das viele verwaiste Kinder hinterließ. Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen muss behutsam sein. "Es hängt davon ab, wie lange es her ist, wie es passiert ist, ob der Tod plötzlich kam oder ihm eine lange Erkrankung vorausging, es ein Unfall oder ein Suizid war", sagt Ursula Molitschnig, Landesleiterin und Fachbereichsleiterin für "Begleitung bei Tod" bei Rainbows.
Kontakt nehmen Eltern direkt auf, oder Lehrer, Ärzte und Mitglieder von Kriseninterventionsteams machen sie auf diese Möglichkeit aufmerksam. Der Tod eines nahen Angehörigen wirft viele Fragen auf und oft Schuldgefühle. "Es ist wichtig, dass sie denken, es geht dem Verstorbenen gut", erklärt Molitschnig.
Manchmal reicht ein Gespräch aus, manchmal braucht es längere Begleitung. Wie bei Wolfi, der nach einigen Wochenstunden vor Kurzem seinen abschließenden Termin bei Rainbows hatte - mit alkoholfreiem Sekt, wie er betont. "Das war cool."

















