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Zuletzt aktualisiert: 19.10.2011 um 20:20 UhrKommentare

Auch dem Koralmtunnel winkt Geld von der EU

Die EU-Kommission präsentierte die neue Liste der wichtigsten Verkehrsprojekte. Im transeuropäischen Verkehrsnetz mit dabei sind nun auch die österreichischen Schwerpunkte im Schienenausbau, die Südbahn mit Koralm- und Semmeringtunnel.

Das neue Kernnetz umfasst EU-weit 85 Wirtschaftszentren und Ballungsräume

Foto © APADas neue Kernnetz umfasst EU-weit 85 Wirtschaftszentren und Ballungsräume

Die heimische Verkehrspolitik darf sich einen Erfolg auf die Fahnen heften: Die Südbahn mit dem Semmering- und dem Koralmtunnel zählt für die EU-Kommission zum prioritären Kernnetz der Union. Wird der am Mittwoch präsentierte Vorschlag auch im Rat und im EU-Parlament angenommen, fließt Geld in den steirischen und kärntnerischen Schienenausbau. Experten rechnen mit der Letztentscheidung in zwölf bis 18 Monaten, die Förderungen der EU würden dann in der Periode 2014 bis 2020 kommen.

Kernnetz

Die EU will in den nächsten 20 Jahren den Verkehrsfleckerlteppich ihrer Mitgliedsländer in ein modernes Infrastrukturnetz umbauen. Das Rückgrat stellen zehn transnationale, hochleistungsfähige Bahnkorridore dar, das sogenannte Kernnetz Schiene, das bis 2030 fertig sein soll und zu dem nun auch die Südbahn zählt. Sie befindet sich auf der Baltisch-Adriatischen Achse, welche von Ravenna in Italien über Graz und Wien bis Danzig in Polen führt und darüber hinaus teilweise auf dem Meeresweg bis Riga, Tallinn und Helsinki.

Reaktionen aus der Steiermark

"Die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Steiermark wird durch den Anschluss an das transeuropäische Eisenbahnnetz, die Baltic-Adriatic-Route, enorm aufgewertet", freute sich der steirische Landeshauptmann Franz Voves. "Durch die Fertigstellung der Koralmbahn plus Tunnel sowie des Semmering-Basistunnels wird unser Bundesland über eine wesentlich bessere Erreichbarkeit verfügen und somit dem Wirtschafts- und Beschäftigungsstandort sowie dem Tourismusstandort Steiermark in den nächsten Jahrzehnten eine hohe zusätzliche Wertschöpfung bringen, neben den arbeitsmarktpolitischen Auswirkungen im Zuge des Baus". Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann erklärte, diese Nord-Süd-Achse verbinde fast 50 Mio. Menschen in zehn EU-Mitgliedsstaaten und zähle mit rund 24 Mio. Tonnen Güteraufkommen pro Jahr zu den wichtigsten Alpenquerungen.

Jedenfalls haben die umstrittenen Projekte Koralm und Semmering volle Rückendeckung in Brüssel. Helmut Adelsberger, österreichischer Experte in der Generaldirektion Verkehr der EU-Kommission, präsentierte das neue Kernnetz in Wien: "Wir stellen nicht einfach nur ein paar Schrauben nach, wir wollen weg vom Patchwork hin zu einem ganzheitlichen Ansatz." Das Netz umfasst EU-weit 85 Wirtschaftszentren und Ballungsräume, 138 See- und Binnenhäfen.

Die Kommission schlägt für die Periode 2014 bis 2020 Förderungen in der Höhe von 31,7 Milliarden Euro vor, was eine Vervierfachung bedeuten würde. Aussagen, welche Projekte in Österreich in welcher Höhe unterstützt würden, seien aber viel zu früh, bremste Adelsberger euphorische Erwartungen.

Der Kärntner Hubert Pirker, Europaparlamentarier der ÖVP, hat bereits von einer möglichen Kofinanzierung der EU für den Koralmtunnel in der Höhe von einer Milliarde Euro gesprochen. Tatsächlich sind Förderungen von bis zu 20 Prozent der Investitionssumme möglich.

Reaktionen aus Kärnten

Meine langjährigen Bemühungen, ich habe bereits 2004 eine Kooperationsvereinbarung zur Umsetzung des Baltisch-Adriatischen Korridors unterzeichnet, haben sich nun ausgezahlt. Die EU hat mit ihrer Entscheidung den Startschuss für ein Lichtprojekt der Zukunft gelegt. Für Kärnten ergibt sich damit ein enormes Potenzial.

Gerhard Dörfler (FPK), Landeshauptmann

Das hartnäckige Lobbying in Brüssel hat sich mehr als gelohnt und für Kärnten einen sensationellen Erfolg gebracht. Diese Entscheidung bedeutet eine Garantie für den raschen Weiterbau der Koralmstrecke. Die Trassenplanung von Klagenfurt nach Villach ist ebenso rasch weiterzuführen.

Josef Martinz (ÖVP), Landesrat

Das war ein großer und wichtiger erster Schritt. Jetzt müssen sich alle Beteiligten darauf konzentrieren, diesen Weg weiter zu gehen, um eine Kofinanzierung auch tatsächlich zu erreichen.

Peter Kaiser (SPÖ), Landeshauptmann-Stellvertreter

Ministerin Doris Bures muss jetzt kämpfen, sonst bleibt das österreichische Verkehrsministerium auf den 5,2 Milliarden Euro Kosten für den Koralmtunnel allein sitzen. Ab sofort beginnt die Überzeugungsarbeit im EU-Parlament und im Rat.

Hubert Pirker (ÖVP), EU-Abgeordneter

Kärnten rückt durch die Entscheidung der EU-Kommission schneller ein Stück mehr in die Mitte Europas. 77 Prozent der Kärntner Unternehmer halten die Koralmbahn für eine der wichtigsten Entwicklungschancen.

Franz Pacher, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten

HANNES GAISCH, CLAUDIA HAASE

TEN-T

Die EU-Behörde hat auch die Südbahnstrecke in Österreich mit dem Koralmtunnel in die Liste der europäischen Haupt-Verkehrsprojekte aufgenommen, die bis zum Jahr 2030 mit EU-Hilfen realisiert werden sollen.

In Österreich wurde neu die Verbindung Nordost-Südwest im Baltisch-Adriatischen Korridor über Wien, den Semmering-Tunnel, Graz und den Koralm-Tunnel bis Klagenfurt und Villach aufgenommen.

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