Kindergarten: Pädagogen klagen an
Studie zeigt Probleme in Kindergärten auf: Chronische personelle Unterbesetzung, zu viele Pädagogen dürfen nur Teilzeit arbeiten - unterm Strich bleibt für die Kinder zu wenig Zeit.

Foto © APA/SujetStudie zeigt Probleme in Kindergärten auf
Es sind 46 Seiten, die es in sich haben. Die Studie von Cornelia Wustmann, der einzigen Professorin für Frühkindpädagogik in Österreich, legt die Finger in die Wunden der Grazer Kindergärten. Wustmann und ihr Team haben Leiterinnen mehrerer städtischer Kindergärten zu ihrem Arbeitsalltag befragt - aus den Antworten lassen sich vier große Problemfelder ausmachen:
strong>Personalschlüssel: In der Studie wird eine "chronische Unterbesetzung des Kindergartenpersonals" konstatiert, die zu einer "Überlastung der Pädagoginnen" führt. Darüber hinaus dürfen viel zu viele Pädagoginnen in den Kindergärten nur Teilzeit arbeiten. "Kinder brauchen eine gute und tragfähige Beziehung zu den Pädagogen, die sind ihr sicherer Hafen. Wenn die Pädagogen aber ständig wechseln, ist das schwierig", so Wustmann.
Faktor Zeit: Die Leiterinnen schätzen die ihnen zur Verfügung stehende Zeit "als unzureichend" ein, die bürokratische Arbeit nimmt ihnen den Raum für die pädagogische. Generell bleibt unterm Strich durch den knappen Personalschlüssel und die Teilzeitarbeit zu wenig Zeit für die Kinder. Um alle Anforderungen zu erfüllen, arbeiten die Pädagoginnen "oft weit über ihre eigentliche Dienstzeit hinaus", heißt es in der Studie.
Beratungsbedürfnis der Eltern: Die Leiterinnen stellen starke Verunsicherungen bei den Eltern fest - die Folge ist ein erhöhtes "Beratungsbedürfnis der Mütter und Väter", wofür die Leiterinnen bis zu einem Drittel ihrer Arbeitszeit aufwenden müssen. Das geht von bestmöglichen Fördermöglichkeiten für das Kind über die Sprachkompetenz der Kleinen "bis hin zu Fragen der Paarbeziehung der Eltern", so Wustmann. Auf diese gesteigerte Beratung sind die Leiterinnen aber nur schlecht vorbereitet.
Weiterbildung und Supervision: Folgerichtig sehen die Pädagoginnen bestehende Weiterbildungsangebote als "wenig geeignet" an, aufgrund der Belastung wünschen sie sich Supervisionen.
Die Studie benennt nicht nur die Problemfelder, sondern gibt der Politik auch Handlungsanleitungen mit auf den Weg. Zwei Beispiele: Die Zeit für die Leiterinnen sollte aufgestockt werden und die Dienstverhältnisse sollten sich nach den Anforderungen orientieren, sprich: mehr Vollzeit- statt Teilzeit-Pädagoginnen.

















