Kontrollore als Busfahrer : ÖGB ist erbost
Fahrgastkontrollore der Graz-Linien sollen nun auch Busfahrer werden. Gewerkschaftsboss Horst Schachner schäumt: "Dumpingversuch".

Foto © KanizajDen Busfahrern der Graz Linien erwächst "interne" Konkurrenz. Per Inserat (oben) sucht die Securitas jetzt auch Busfahrer
Der Rausschmiss von sechs Fahrausweiskontrolloren der Firma Securitas, die für die Graz-Linien die Fahrgäste kontrolliert, war erst vor Kurzem in aller Munde (wir berichteten exklusiv). Nun sorgt ein Securitas-Jobinserat in einer steirischen Tageszeitung für neuerliche Aufregung. Securitas sucht nämlich Leute, die sich als "Fahrausweiskontrollore und als Busfahrer ausbilden" lassen wollen.
Bei Graz-Linien-Gewerkschaftsboss Horst Schachner schrillen darob die Alarmglocken. "Das ist der Versuch, unseren Kollektivvertrag zu unterlaufen, um mit dem Überwachungskollektivvertrag um 6,50 Euro die Stunde neue Busfahrer ins Unternehmen zu bringen. Solange ich bei den Graz-Linien bin, wird nie ein Leiharbeiter oder Kontrollor ein Busfahrer. Da täuschen sie sich aber gewaltig", poltert Schachner, den auch ärgert, dass er von solchen Plänen aus der Zeitung erfährt und "niemand vom Vorstand mit ihm darüber geredet hat".
Martin Wiesinger, Geschäftsführer von Securitas, meint, es handle sich dabei lediglich um "eine vage Idee, die von den Graz-Linien an uns herangetragen wurde, dass zu Busfahrern ausgebildete Fahrscheinkontrollore zu Spitzenzeiten im Busdienst einspringen könnten". Holding-Graz-Vorstand Wolfgang Malik präzisiert die "Idee": "Nur zur Spitzenabdeckung, wenn, wie jetzt, 50 von 300 Busfahrern krank sind, könnten solche Kontrollore als Busfahrer für Ersatzdienste einspringen."
Es könne jedenfalls nicht sein, dass man für diese Spitzenzeiten reguläre Busfahrer in Ganzjahresbeschäftigung bereithalte. Das sei auch eine Frage der Kosten. Und Malik ergänzt: Bei Bauarbeiten würden ebenfalls zur Spitzenabdeckung seit Jahren Leiharbeiter eingesetzt, ohne dass das jemanden aufrege.
Das sei aber ein komplett anderes Thema, kontert Schachner: "Das schau ich mir an, wie jemand im nur stundenweisen Einsatz einen 16-Meter-Gelenksbus oder einen 18-Meter-Bus steuern will. Das geht sicher nicht. Allein schon wegen der Sicherheit." Malik versteht die Aufregung nicht: Es gehe ja nicht um eine Ersatzlösung für das ganze Jahr.
Im großen Stil?
Im Fall der wegen eklatanter Fehlleistungen gefeuerten Kontrollore tauchen immer wieder neue Gerüchte auf: Sie sollen nicht nur kaum kontrolliert haben, sondern auch im großen Stil extra gekennzeichnete Stundenkarten an Verwandte, Bekannte und Freunde verteilt haben. Auch Fälle von nicht abgerechneten Bezahlungen sollen aufgetaucht sein. Wiesinger dementiert: "Es gab keinen solchen Großhandel." Dennoch tausche man weitere Mitarbeiter aus.














