Shared Space in Graz: die Fragen, die Antworten
Der neue Sonnenfelsplatz ist weiterhin für hitzige Debatten gut. Und für berechtigte Fragen. Stadtbaudirektor Bertram Werle beantwortet sie.
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Allein die vielen Leserbriefe, die dazu bei der Kleinen Zeitung landen, beweisen eindrucksvoll: Der neue Grazer Sonnenfelsplatz, nach dem 700.000-Euro-Umbau bekanntlich ein "Shared Space", ist das Gesprächsthema in der Stadt. Weil er polarisiert - und nach wie vor berechtigte Fragen aufwirft.
Die wichtigsten beantwortet an dieser Stelle Stadtbaudirektor Bertram Werle:
1. Am Dienstag wurde der neue Sonnenfelsplatz bei der Uni-Mensa freigegeben. Ist bislang alles ruhig verlaufen? Antwort: "Ja, wie erwartet", betont Stadtbaudirektor Werle. "Bislang sind uns keine Vorfälle bekannt."
2. Auf diesem neuen "Shared Space" gibt es ja keine Tafeln mehr, alle Verkehrsteilnehmer sind generell gleichberechtigt. Also auf zum Chaos, oder?
Antwort: "Keineswegs", meint Werle. "Zum einen zeigen ähnliche Projekte, dass es mittels Rücksichtnahme und Blickkontakt sehr gut funktioniert. Zum anderen möchte ich einmal mehr betonen: Die Straßenverkehrsordnung gilt auf dem Sonnenfelsplatz ja nach wie vor!"
3. Was heißt das konkret etwa in Hinblick auf Autolenker? Antwort: Autolenker sollten sich vor allem jenen Passus hinter die Windschutzscheibe schreiben, der von einem "an örtliche Verhältnisse angepassten Tempo" spricht. Darüber hinaus muss jeder Autolenker etwa die Rechtsregel einhalten - gegenüber anderen Autolenkern, aber auch gegenüber einem Radfahrer.
4. Worauf müssen eben diese Pedalritter achten?
Antwort: "Mir ist bereits aufgefallen, dass Radfahrer oft zu schnell über den Platz düsen", gesteht Werle. Doch auch sie müssten ihr Tempo anpassen und mit Rechtskommenden rechnen.
5. Und als Fußgänger habe ich alle Freiheiten? Antwort: Mitnichten. Sobald ein Fußgänger den Sonnenfelsplatz überquert, betritt er eine Fahrbahn. Das heißt, er muss sich ebenfalls angemessen verhalten, darf niemanden behindern und auch nicht abrupt loslaufen. Werle: "Bin ich dann auf dem Platz, so ist es klar, dass mich ein Autolenker nicht überfahren darf. Dank des erwähnten Blickkontakts ist es aber durchaus möglich, dass ich als Fußgänger dem Autolenker signalisiere: Fahr du zuerst."
6. Gibt es für Fußgänger einen geschützten Extrabereich? Antwort: Ja. Die schwarzen Pollerstangen und Gesteinsbrocken an den Platzrändern grenzen jene dahinterliegende Fläche ab, die vor allem für Fußgänger wie geh- und sehbehinderte Menschen gedacht ist. "Das Blindenleitsystem kommt noch", verspricht Werle. Radfahrer sind in diesem Bereich zu extremer Vorsicht aufgerufen.
7. Einst war der Sonnenfelsplatz ein Kreisverkehr, nach dem Umbau ist ein Kreis in der Platzmitte geblieben. Gelten für mich als Autolenker nun weiterhin die Regeln eines Kreisverkehrs?
Antwort: Nein. Der gepflasterte Kreis ist bloß für Stoßzeiten gedacht - dann kann er dabei behilflich sein, im Sinne eines Kreisverkehrs für Schwung zu sorgen. Grundsätzlich aber können alle, die den Sonnenfelsplatz überqueren, die Direttissima wählen - sie müssen sich jedoch an die Straßenverkehrsordnung halten.
8. Was hat es mit den Farbstrichen am Platzrand auf sich? Antwort: Diese Farbstriche signalisieren bloß dem Fußgänger, dass er auf dem Weg zur Platzmitte hin mit Gegenverkehr rechnen muss - und umgekehrt eben dem Autolenker wie dem Radfahrer, dass sie sich dem "Fußgängerbereich" nähern. Unterm Strich also mahnen diese Striche zu erhöhter Vorsicht.
9. Und warum sind diese Striche viel farbloser als gedacht?
Antwort: "Bei einer Computervorschau schaut alles viel schärfer aus, als es hinterher ist", lacht Werle. Doch der Status quo auf dem Platz sei das technische Maximum: Die Farbe ist eine gefärbte "Zementschlemme", die auf die Drainasphalt-Schicht gegossen wurde. "Sollten die Farben verblassen, kann man sie mittels Abstrahlen wieder aufbessern."
10. Hat Bertram Werle den Platz schon ausprobiert? Antwort: "Ja, als Fußgänger. Und es hat mir richtig gut gefallen."


















