Uni-Lokalen blüht Sperrstunde um zwei Uhr
Neue Aufregung bei Uni-Viertel-Wirten. Stadt arbeitet bereits Bescheide für verkürzte Sperrstunde aus. Eigentümer von Kottulinsky und Three Monkeys gehen dagegen in die Offensive.

Foto © HoffmannNoch feiert man im Uni-Viertel die ganze Nacht. Doch jetzt macht die Stadt mit der Sperrstunde um zwei Uhr früh ernst. Die Wirte wehren sich
Pünktlich zu Semesterbeginn im Uni-Viertel flattern wieder Leserbriefe empörter Anrainer in unsere Reaktion. Mit den Studenten kommt die Partylaune zurück ins Viertel um die Elisabethstraße. Während Nachtvögel in und vor Bars feiern, beklagen Anrainer den nächtlichen Cocktail aus Ruhestörung und Sachbeschädigung.
An dieser Partymeile wird das Motto "Wir feiern die ganze Nacht" mangels Sperrstunde gelebt. Bisher ist noch jede Aktion scharf der Stadtpolitik erfolglos geblieben. Jetzt will Bürgermeister Siegfried Nagl die Sperrstunde um zwei Uhr früh durchsetzen. In den nächsten Wochen sollen die Bescheide an bis zu neun bekannte Bars im Viertel ergehen, bestätigt Magistratsdirektor Martin Haidvogl: "Noch laufen die Erhebungsverfahren." Konkret arbeitet die Bau- und Anlagenbehörde mithilfe der Polizei gerade daran, die sicherheitspolizeiliche Notwendigkeit für diesen Schritt zu belegen. Haidvogl: "Um die frühere Sperrstunde verhängen zu können, müssen wir im Zusammenhang mit den jeweiligen Lokalen Delikte wie Körperverletzungen oder Sachbeschädigungen nachweisen."
Strafen für schwarze Schafe
Bei den Wirten ist Feuer am Dach. Three-Monkeys-Chef Michael Schachner sowie die Kottulinsky-Eigentümer Wolfgang Nusshold und Oswald Held gehen in die Offensive, legen Zahlen auf den Tisch, die belegen sollen, dass ihre Bars nicht Wurzel für das Übel sind. So gebe es laut Langzeiterhebung (485 Tage) der Polizei in den beiden Lokalen gerade ein paar Dutzend Vorfälle/Anzeigen (siehe Infobox). "Weil", betonen die Lokalbesitzer, "wir alles tun, um die Auflagen einzuhalten, eigens eine Security-Firma beschäftigen, vor unseren Lokalen selbst reinigen lassen und keine stark Alkoholisierten oder Gäste unter 21 Jahren hineinlassen." Dass als Folge des Univiertel-Ärgers alle Lokale im Gießkannenprinzip mit der Sperrstunden-Sanktion zum Handkuss kommen sollen, sehen sie nicht ein: "Wir fordern stattdessen scharfe Kontrollen in den Lokalen und Strafen für die schwarzen Schafe, um Missstände im Viertel abzustellen."
"Wir bekämpfen Bescheid"
Kottulinsky und Three Monkeys haben wegen der drohenden Sperrstunden-Bescheide Anwalt Michael Stummvoll eingeschaltet: "Sollte diese frühere Sperrstunde verhängt werden, berufen wir." Für die Gastronomen geht es um Existenzielles: Das Geschäft beginnt erst gegen ein Uhr richtig zu laufen, müssen sie um zwei zusperren, koste das Umsatz "und viele Arbeitsplätze in den Lokalen, aber auch bei Lieferanten", warnt Schachner. Kottulinksy-Eigentümer Held legt nach: "Wir haben vor eineinhalb Jahren enorm viel in die Eröffnung dieser Bar gesteckt und diese Investition im Vertrauen auf unsere Bewilligungen getätigt." Laut dieser Bescheide darf das Kottulinsky Gäste eben auch bis ins Morgengrauen feiern lassen.
Dem Uni-Viertel droht ein langer Kampf um die Sperrstunde. Selbst Rathaus-Juristen zweifeln, ob die Bescheide halten: "Es ist natürlich ein massiver Eingriff in die Erwerbstätigkeit." Und es gibt dazu noch keine Judikatur des Verwaltungsgerichtshofs.
Die Anrainer sollten sich nicht zu früh über mehr Nachtruhe freuen. Denn: Eine Berufung der Wirte hätte aufschiebende Wirkung. Und: Kippt das Höchstgericht die Bescheide, feiert das Uni-Viertel auch künftig die ganze Nacht.
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Bild vergrößernKämpferisch: Kottulinsky-Eigentümer Nusshold und Held sowie Three-Monkeys-Chef Schachner Foto © Privat
Kämpferisch: Kottulinsky-Eigentümer Nusshold und Held sowie Three-Monkeys-Chef Schachner Grafik © Privat
Die Anzeigen
Kottulinsky und Three Monkeys haben behördliche Vorfälle/Anzeigen aus ihrem Betrieb veröffentlicht. Polizeilicher Beobachtungszeitraum: 485 Tage. Das Fazit: In Anbetracht der Gästeschar sei das Sündenregister überschaubar.
Kottulinsky: 36 Vorfälle, davon zehn Körperverletzungen, ein Raufhandel, zwei Sachbeschädigungen, der Rest: Diebstähle.
Three Monkeys: 64 Vorfälle, 21 Körperverletzungen, ein Raufhandel, zwei Sachbeschädigungen, 41 Diebstähle.

















