"Welche Welt?" verbindet Theater und Audio-Walk
Mit der Frage "Welche Welt?" haben sich im Rahmen eines Projektes des "steirischen herbstes" Gerhild Steinbuch, Johannes Schrettle und Jörg Albrecht auseinandergesetzt. Am Freitag war in Graz Premiere.

Foto © Fuchs"Festivaldistrict"
Steinbuch gestaltete unter dem Titel "Am Schönsten ist das was bereits verschwunden ist" einen ansprechenden Audio-Walk durch Graz, ergänzt durch eine Performance. Ironisch-überspitzte Lebensvorschläge bot Schrettle bei "Wie wir es tun sollten", während Jörg Albrecht in "Die blauen Augen von Terence Hill" ein Center für Arbeitslose zur Filmszenerie umfunktioniert.
Für Gerhild Steinbruchs "Am Schönsten ist das was bereits verschwunden ist" mussten sich die Besucher einzeln bei bestimmten Punkten in Graz einfinden und wurden dann mit Postkarten als Wegweisern und einem MP3-Player losgeschickt. Anhand der Bilder fand man den Weg und hatte gleichzeitig einen Text im Ohr, der sich mit der Stadt als Ort der Identifikation, dem Begriff "Zause" und dem Bild, das man davon hat, beschäftigte. Schließlich landet man im Heimatsaal, wo sich Zitate von der Bibel bis Andy Warhol mit Songtexten mischen, und ebenfalls einen Entwurf von Leben zeigen. Die Regie und das originelle Konzept stammen von Julie Pfleiderer, Gerhild Steinbruch schuf sich immer vorsichtig weitertastende Texte dazu.
Johannes Schrettle und die "zweite liga für kunst und kultur" stellten sich anschließend im Theater am Lend die Frage, "Wie wir es tun sollten". Dabei gab das ausgezeichnete Ensemble nicht nur ironische Lebensratschläge, sondern stellte auch ganz selbstverständliche Redewendungen infrage. Die Spielweise war äußerst kurzweilig und überraschte immer wieder durch witzige Einfälle ("Wir lesen jetzt gemeinsam still die Seite 60 im Buch. Das Buch finden Sie unter dem Sitz"), die aber nie aufgesetzt wirkten und die, bevor sie breit ausgewalzt werden konnten, auch schon wieder vorbei waren. Die Darsteller überzeugten durch präzises Spiel und großen Körpereinsatz.
Ein wenig langatmig wirkte in diesem Zusammenspiel die dritte Aufführung, "Die blauen Augen von Terence Hill" von Jörg Albrecht und "copy and waste". Das Stück zeigte die Problematik um Arbeitslosigkeit, Sozialbetrug und Überlebens-Tricks von sozial Schwachen vor dem Hintergrund der Western mit Terence Hill und Bud Spencer. Die Welt der Sozialhilfeempfänger wurde zum Abenteuerpark und Filmset, dargestellt durch immer neue Filmentwürfe, Lieder, Szenen, Slapstickelemente und Monologe. Doch das alles überfrachtet den Text, etwas weniger wäre vermutlich wirkungsvoller gewesen.
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"Welche Welt?". Text- und Theaterprojekt im "steirischen herbst".
Weitere Vorstellungen: "Am Schönsten ist das was bereits verschwunden ist" von Gerhild Steinbuch und Julie Pfleiderer am Samstag (9.10.) um 14 und 16.30 Uhr, Sonntag (10.10.) um 11, 14 und 16.30 Uhr. "Wie wir es tun sollten" von Johannes Schrettle und "zweite liga für kunst und kultur" am Samstag um 21.30 und am Sonntag um 19.30 Uhr. "Die blauen Augen von Terence Hill" von Jörg Albrecht und "copy & waste" am Samstag um 19.30 und am Sonntag um 21.30 Uhr.
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