Michael Höllwarth: Auf in den Unruhe-Stand
Kinderchirurg Michael Höllwarth will in seinem Ruhestand erforschen, was aus seinen ehemaligen kleinen Patienten geworden ist.

Foto © KANIZAJ Der Grazer Kinderchirurg Michael Höllwarth geht in den Unruhe-Stand
Ganz geheuer ist dem Ordinarius der Ruhestand ja noch nicht, in den er heute eintreten wird. Michael Höllwarth war nicht nur wegweisend im Bereich der Grazer Kinderchirurgie, sondern hat darüber hinaus Wichtiges geleistet: "Am meisten bin ich stolz darauf, dass es gelungen ist, die Kinderschutzgruppen einzuführen. Das hat viel Qualität in die Spitäler gebracht. Zuvor war man ja unsicher und allein, wenn Kinder eingeliefert wurden, die offenbar misshandelt worden waren." Als Folge der Initiative, die gemeinsam mit Peter Scheer entstand, wurden Gesetze geändert und Kinderschutzgruppen in jedem Spital eingeführt.
"Unglaublich, welche Entwicklung es in den letzten 40 Jahren gab", zieht er ein positives Resümee: "Heute können wir die Mütter mit aufnehmen, wir haben Kindergärtnerinnen, Lehrer sind dabei - das ist ein riesiger Fortschritt."
"Die Arbeit war mein Hobby", sagt er und meint damit vor allem auch die Zusammenarbeit mit anderen. Sowohl in der Klinik als auch darüber hinaus war ihm Zusammenarbeit immer wichtig. Er ist stolz auf die gemeinsame Arbeit, die Auszeichnungen ("16 internationale Preise haben wir bekommen, vier Berufungen gab es aus dem Team").
Jetzt will er sich zwar mehr dem Lesen widmen ("Ich interessiere mich für philosophische und kulturhistorische Themen"), die Natur genießen, aber die Wissenschaft lässt den Mediziner nicht in Ruhe: "Ich möchte mich damit befassen, was aus Patienten geworden ist, die oft als Neugeborene operiert wurden. Leben sie gut? Gibt es Einschränkungen? Das könnte wichtig sein für künftige Strategien. Aber um die Leute aufzuspüren, benötigt man Zeit und Muße. Im normalen Tagesbetrieb hat man da keine Zeit."
Ach ja, und dann will er doch noch etwas durchsetzen, "woran ich leider bisher immer gescheitert bin: die Einführung von Kinder-Rehab-Zentren. Es ist unglaublich: Wir haben 8000 Rehab-Plätze für Erwachsene, aber nur 30 für Kinder - inmitten der Erwachsenen."
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FAKTEN
Michael Höllwarth, 1943 in Reutte (Tirol) geboren, kam 1975 nach Graz an die Kinderchirurgie. 1991 gründete er mit Kollege Peter Scheer die Kinderschutzgruppe; er hatte zahlreiche andere Funktionen inne.
Höllwarth ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne.
















