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Zuletzt aktualisiert: 29.09.2011 um 20:30 UhrKommentare

Es summt und brummt beim Nomadenvolk

Von Frust und Lust, vom Würgen und vom Knallen: Intendantin Elisabeth Sobotka vor der morgigen Premiere von "Otello" über die Improvisationskunst an der Grazer Oper.

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S ie sitzen seit Mai quasi im "Auszugsstüberl" im "Wilden Mann", wo es in Büros und beim Ballett summt und brummt. Was denken Sie, wenn Sie an der Thalia vorbeigehen, wo längst umgebaut werden sollte, aber bis dato gar nix summt und brummt?

ELISABETH SOBOTKA: Ehrlich, es ist frustrierend. Unser Umzug erfolgte ja unter der Vorgabe, möglichst schnell zu machen, um den Umbau nicht zu behindern. Aber seit damals heißt es immer nur: "Diese Woche . . ., nächste Woche . . ., aber dann wirklich . . . !"

Wird man da zu Frau Otello, möchte man jemanden erwürgen?

SOBOTKA (lacht): Na, ich hoffe nicht, dass es so weit kommt! Wir haben ja die Zusage, Mitte August 2012 wieder rückzuübersiedeln. Die Frage der Realisierbarkeit wird also mit jedem ungenutzten Tag drängender, das ist tatsächlich ein bisschen beunruhigend.

Und logistisch und nomadisch wohl äußerst mühsam.

SOBOTKA: Ja, man hat ständig das Gefühl, jeweils am falschen Ort zu sein. Die ideale, enge Struktur rund um das Opernhaus ist derzeit total zerstört. Die wirkliche Probebühne fehlt, zum Teil proben wir im "Wilden Mann" und im Brandhof, wo etwa die Massenszenen für Opern viel Improvisation brauchen. Aber auch alle anderen Abläufe organisatorischer Art sind sehr kompliziert.

Aus aktuellem Anlass: Wie gehen Sie damit um, ständig andere Ansprechpartner in den Kulturressorts zu haben?

SOBOTKA: Es ist wirklich sehr schwierig. Bei Stadtrat Müller habe ich mir gedacht: Das geht aber schnell! Der dauernde Wechsel kann weder für die politische Arbeit noch für die Gesamtsituation der Stadt gut sein.

Ein Sparmotto in der Kulturabteilung lautet bekanntlich: "Große helfen den Kleinen". Sie zahlen also sozusagen "Reichensteuer".

SOBOTKA: Einen Solidarbeitrag! 700.000 Euro von 21 Millionen. Will man seine Arbeit weitermachen, möchte man zwar nicht unbedingt sagen: "Danke, dass du mir was wegnimmst!" Dennoch habe ich meinen Vertrag kürzlich gern bis 2017 verlängert, weil mir erstens die schwierige Finanzlage von Stadt und Land bewusst ist und mir zweitens mit den Zusagen der Politik die Situation für unsere 350 Mitarbeiter stabil erscheint. Künstlerische Arbeit baut letztlich immer auf Vertrauen und Verlässlichkeit, und da wäre es ein fatales Signal, auf dem Absprung zu sein.

Morgen erfolgt der große Saisonauftakt: Was erwartet uns denn in diesem "Otello"?

SOBOTKA; Ich kann einen sehr spannenden Abend versprechen: Wir haben drei großartige Sänger in den Hauptrollen, jeweils Rollendebütanten, und alle werfen sich ordentlich in die Schlacht - und für die Sänger ist der "Otello" ja eine Schlacht. Die Inszenierung baut auf eine sehr genaue Personenregie, die Kombination von historisch angedeuteten Kostüme und ganz abstraktem Bühnenbild fasziniert auch. Es könnte und sollte ein Knaller werden.

Drei Gründe, warum man in der heurigen Opernsaison unbedingt wieder dabei sein sollte?

SOBOTKA: Ein wichtiges Lockmittel für mich ist die Vielfalt - jeder Abend ist anders, auch von den Gedankengebäuden her, die dazu gereicht werden. Dann das Wunder der Kombination aus Musik und Theater an sich. Und dazu das wunderbare Haus, damit meine ich nicht nur die Architektur allein, sondern das Gebäude und die Menschen, die hier mit Lust arbeiten. Das ist einmalig.

MICHAEL TSCHIDA, ERNST NAREDI-RAINER

Aufführung

"Otello" von Giuseppe Verdi.

Dirigent: Johannes Fritzsch.

Regie: Stephen Lawless.

Protagonisten: Gal James, Frank van Aken, James Rutherford.

Premiere morgen, 19.30 Uhr, Grazer Oper.

Karten: Tel. (0 31 6) 8000.

www.theater-graz.com

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