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Zuletzt aktualisiert: 27.09.2011 um 22:53 UhrKommentare

Martina Schröck und die "Chefsache"

Die neue Grazer SPÖ-Chefin Martina Schröck über ihre Pläne, die Partei aus dem historischen Tief herauszuholen, und die Orientierungslosigkeit unter ihrem Vorgänger Müller.

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Quelle © Kanizaj

Frau Schröck, wir sind unsicher: Dürfen wir zum Vorsitz der Grazer SPÖ gratulieren oder sollen wir Mitleid empfinden?

MARTINA SCHRÖCK: Ich verstehe die Frage, aber ich meine, man kann mir gratulieren. Ich sehe die Krise als Chance: Wenn wir es jetzt nicht schaffen, sind Hopfen und Malz verloren.

Wann genau haben Sie gewusst, dass Sie SPÖ-Chefin werden?

SCHRÖCK: Die definitive Entscheidung ist am Montag in der Vorstandssitzung gefallen, aber es ist schon davor über Alternativen zu Müller gesprochen worden.

Dann waren Sie nicht wirklich überrascht von der Entwicklung?

SCHRÖCK: Doch, die Überraschung war riesengroß, ich habe nicht damit gerechnet, dass Müller zurücktritt. Ich bin selten sprachlos, aber am Montag war ich es.

Es wurde publik, dass Müller vor der Sitzung von Genossen unter Druck gesetzt wurde, auf den Parteivorsitz zu Ihren Gunsten zu verzichten. War das nicht mit Ihnen abgesprochen?

SCHRÖCK: Nein, ich habe erst während der Sitzung vom Rücktritt erfahren. Aber es waren natürlich viele in der Partei sehr unzufrieden und der Wunsch nach Veränderung groß. Als sich Franz Voves im ORF-Sommergespräch kritisch zu Wort gemeldet hat, ging natürlich ein Diskussionsprozess in der Partei los.

Das heißt, Sie haben sich nicht die Rückversicherung von Voves und Bettina Vollath geholt?

SCHRÖCK: Nein, das war vorher nicht ausgemacht. Ich gehe aber davon aus, dass ich von ihnen unterstützt werde.

Apropos: Edmund Müller hat sich über die fehlende Unterstützung aus der Partei beklagt. Wo war Ihre Unterstützung?

SCHRÖCK: Ich habe meine Themen angeboten, aber eines ist klar: An der Spitze ist man zu einem großen Stück auf sich alleine gestellt. Der Chef muss sagen, wo es langgeht.

Und das hat Müller nicht getan?

SCHRÖCK: Es gab eine große Orientierungslosigkeit - man weiß nicht, warum man die SPÖ Graz wählen soll. Man braucht ein Team, aber jeder muss seine Rolle haben. Und die Rolle des Ersten ist, zu sagen, wo es langgeht.

Führt Ihre Reise als Spitzenkandidatin zur Gemeinderatswahl?

SCHRÖCK: Ja, aber formal wird das erst ein halbes Jahr vor der Wahl bestimmt.

Welche Ziele haben Sie?

SCHRÖCK: Wir müssen aus diesem historischen Tief herauskommen. Es muss wieder klar werden: Da ist Herz drin, da ist Energie drin, die SPÖ brennt für Graz.

Wie soll das gelingen?

SCHRÖCK: Es wird klare Forderungen geben, dann ergibt sich das teils von selbst. Und wir müssen aufhören, nur auf Schwarz-Grün zu reagieren, sondern selbst Gegenkonzepte präsentieren.

Welche konkret?

SCHRÖCK: Ich werde vor den Wahlen auf jeden Fall den Sozialpass einführen, wir brauchen ein Park&Ride-System, das seinen Namen verdient, und man sollte überlegen, die grüne Zone bis zur Stadtgrenze einzuführen.

Warum können gerade Sie das schaffen, woran fünf Parteichefs vor Ihnen gescheitert sind?

SCHRÖCK: Ich kenne die SPÖ besser als Müller, bin seit 1996 in der Partei verankert und kenne auch die internen Abläufe. Aber ich weiß, ich muss meinen Bekanntheitsgrad steigern, dazu braucht es auch persönliche Gespräche.

Das hat Müller auch gesagt.

SCHRÖCK: Edmund Müller war aber nur für kurze Zeit Parteichef, das muss man auch sehen.

Kurzfristig bekannt wurden Sie jedoch mit Ihren Schuhen: Ausgerechnet beim März-Parteitag, als Edmund Müller gewählt wurde, haben Sie Fotos von Ihren Schuhen auf Facebook gestellt. Das hat vor allem intern für Kritik gesorgt.

SCHRÖCK: Ja, diese Geschichte . . . Das wurde medial aufgebauscht. Damals hatte der Parteitag noch gar nicht begonnen. Aber egal, es war ein Fehler und ich würde es nicht mehr machen.

Sie sind jetzt seit einem Jahr Sozialstadträtin: Zeigt die mangelnde Bekanntheit nicht, dass Sie den vielen Vorschusslorbeeren bisher nicht gerecht geworden sind?

SCHRÖCK: Ich meine, die Erwartungshaltung war teils überhöht. Ich glaube, dass ich bisher einen guten Job gemacht habe - auch im Vergleich zu meinen Vorgängern. Ich habe etwa jene Datenbank initiiert, die für Transparenz bei Einkommen sorgen und die Gehaltsschere bei Mann und Frau verdeutlichen soll.

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