Bischof ersucht in Jubiläums-Predigt um "aktive Geduld"
Einen Appell, sich trotz "Schwierigkeiten" nicht auseinanderdividieren zu lassen und "hellsichtig und in aktiver Geduld miteinander auf dem Weg zu bleiben", richtete der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari am Sonntag an das Kirchenvolk.

Foto © Sabine Hoffmann
Kapellari feierte in einem Jubiläumsgottesdienst im Grazer Dom gemeinsam mit seinem 75. Geburtstag 30 Jahre Bischofs- und 50 Jahre Priesteramt.
In Europa befinde sich die Kirche in einer Übergangsphase, "in einer Zeit nicht so sehr der Sprünge, sondern der beharrlichen kleinen oder auch größeren Schritte", sagte Kapellari. Die Gegenwart sei eher durch "Umbrüche und auch durch wehtuende Abbrüche geprägt". In mitten einer vielfach instabilen säkularen Gesellschaft sei auch die Kirche in ihrem Gleichgewicht vielfach bedroht. So sei ein Priester- oder Bischofsjubiläum heute "kein Anlass zu einem trompetenhaften Jubel", wohl aber Anlass für ihn zu dankbarer Freude über das Gelungene.
Persönliche Rückschau
In einer persönlichen Rückschau meinte der Bischof, das spannungsgeladene Bergriffspaar "Glaube und Vernunft" habe ihn seit der Schulzeit und des Studiums und später als Studentenpfarrer geprägt. Dazu kämen zur christlichen Synthese noch Arbeit und vor allem Liebe als Solidarität mit armen Menschen und als Barmherzigkeit, wie sie ihm von seinen Eltern vorgelebt worden sei: "Von diesem Helfen dürfen sich kein Christ und keine christliche Gemeinschaft dispensieren." Trotz der "bekannten Fehler", die man nicht zudecken dürfe, sei die Kirche "zugleich eine Großmacht der Barmherzigkeit".
Als Festgäste im Dom und anschließend bei einer öffentlichen Agape im Hof des Priesterseminars wurden u.a. Nuntius Erzbischof Peter Zurbriggen, Kardinal Christoph Schönborn und zahlreiche Vertreter der österreichischen Bischofskonferenz, von Nachbar- und Partnerdiözesen sowie der evangelische Superintendent Hermann Miklas erwartet, seitens der Politik waren Landeshauptmann Franz Voves (S) und LHStv. Hermann Schützenhöfer (V), Kärntens Landeschef Gerhard Dörfler (FPK) und der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (V) avisiert.
Kapellaris Vita
Egon Kapellari (geb. am 12. Jänner 1936 in Leoben) studierte nach der Matura in seinem Heimatort in Graz Rechtswissenschaften und promovierte 1957. Im Anschluss studierte er in Salzburg und Graz Theologie und Philosophie. 1961 wurde er im Grazer Dom zum Priester geweiht und war 1964 bis 1981 Hochschulseelsorger und Leiter des Afro-Asiatischen Institutes in Graz.
1982 wurde Kapellari zum Bischof von Gurk-Klagenfurt geweiht. 19 Jahre später kehrte er als Nachfolger von Johann Weber in seine Heimatdiözese als 57. Diözesanbischof von Graz-Seckau zurück. Sein Ansuchen um Emeritierung anlässlich der Vollendung des 75. Lebensjahres wurde Anfang 2011 aus dem Vatikan zwar grundsätzlich positiv beantwortet, Papst Benedikt XVI. ersuchte ihn aber zugleich um eine zweijährige Verlängerung.


















