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    Zuletzt aktualisiert: 24.09.2011 um 21:40 UhrKommentare

    Es dreht sich wieder, das SP-Karussell

    Während Edmund Müller zu kämpfen begonnen hat, gilt er parteiintern schon als totgesagt. Alternativen? Landesrätin Bettina Vollath hätte sofort die Zustimmung aller, auch Stadträtin Martina Schröck hätte gute Karten.

    Landesrätin Bettina Vollath und Stadträtin Martina Schröck

    Foto © Sabine HoffmannLandesrätin Bettina Vollath und Stadträtin Martina Schröck

    Edmund Müller, seit März neuer Vorsitzender der Grazer SPÖ, hat begonnen zu kämpfen. Aller Voraussicht nach allerdings zu spät. Während Müller selbst noch finster entschlossen ist, bei seinem Auftritt vor Parteipräsidium und Parteivorstand am Montag das Ruder herumzureißen, gilt er parteiintern bereits als totgesagt. Und zwar nicht erst, seit der Landesparteivorsitzende, Franz Voves, ihm die Rute ins Fenster stellte. Der Umstand, dass Voves sich öffentlich äußerte, war im Gegenteil Folge eines Befundes, der parteiintern schon seit Wochen die Runde macht: Wer sechs Monate im Amt ist, ohne ein einziges Mal von sich aus die Initiative zu ergreifen, ist nicht geboren für die Politik.

    Die Frage, die die Grazer SPÖ in regelmäßigen Abständen heimsucht, wird also wieder einmal gestellt: Wen trifft es als Nächstes? Offen ist, wie lange es dauert, bis der Wechsel vollzogen wird. Ein Spitzenfunktionär bringt die bisher leidvollen Erfahrungen auf den Punkt: "In der Grazer SPÖ stirbt man langsam."

    Dennoch könnte diesmal alles anders sein. Und das, obwohl weniger Druck denn je von außen auf die Funktionäre ausgeübt wird. Voves hat sich mehrmals vergeblich eingemischt und letztlich den Wechsel zu Müller patroniert. Er wird sich hüten, ein weiteres Mal Stellung zu beziehen. Horst Schachner, Chef des starken Gewerkschaftsflügels, hätte selbst Interesse daran gehabt, die Partei zu übernehmen, wurde von Voves beim letzten Mal aber verhindert. Er lehnt sich nun ebenfalls zurück.

    Die Gewerkschaft zieht hinter den Kulissen dennoch die Fäden. Diesmal allerdings mit erstaunlicher Gelassenheit und Umsicht. Man hat gelernt, dass es klüger ist, auf den Spatz in der Hand zu setzen, nämlich einen Kandidaten, der "auch" das Wohlwollen der Gewerkschaft genießt, als auf Biegen oder Brechen die Taube auf dem Dach durchsetzen zu wollen, die "nur" von der Gewerkschaft gestützt wird.

    Eine hätte sofort die ungeteilte Zustimmung aller, wäre sie nur bereit, in den Ring zu steigen. "Superwoman" Bettina Vollath, die interimsmäßig die Grazer Partei führte und letztlich Edmund Müller aus dem Hut zauberte, hat allerdings mehrfach und bestimmt abgewinkt: Sie fühlt sich wohl in ihrer Verantwortung für die Finanzen und für das Thema Integration im Land.

    Auch Voves fiele es schwer, auf die starke Frau an seiner Seite zu verzichten und sie womöglich in Graz zu "verheizen". Dabei wird Vollath durchaus zugetraut, auch schon im Jahr 2013, bei der nächsten Gemeinderatswahl, eine erfolgreiche Schlacht gegen den Platzhirsch, ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl, zu führen.

    Alle anderen müsste man wohl als "Verjüngung" verkaufen, die für die SPÖ erst bei der übernächsten Wahl 2018 zur Aufholjagd ansetzen könnten. Vor diesem Hintergrund werden die Namen der "üblichen Verdächtigen" ins Spiel gebracht, vor allen anderen der SPÖ-Fraktionsvorsitzende im Bundesrat, Gerald Klug (42), und Michael Ehmann (36), früher Bezirksvorsteher in Gösting, der auch zwei Jahre im Nationalrat saß. Der eine überregional erfahren, der andere ein Mann der Basis, geübt darin, viele anzusprechen, einzubinden.

    Als Kontrastprogramm zu Nagl erscheint vielen jedoch die dritte Alternative, Martina Schröck (34), am erfolgversprechendsten. Trotz ihrer Startschwierigkeiten als Stadträtin für Soziales und der Tatsache, dass sie die Vorschusslorbeeren aus ihrer Tätigkeit im Landtag in Graz noch nicht in Signale umsetzen konnte. Aus ihrer Zeit im Landtag ist Schröck dem Fraktionsvorsitzenden in der Gewerkschaft, Klaus Zenz, sehr verbunden, der ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hat.

    Vieles deutet darauf hin, dass am Montag bereits Klartext gesprochen wird. Es wird nicht zuletzt an Schröck als derzeit stellvertretender Parteivorsitzender liegen, Farbe zu bekennen.

    CLAUDIA GIGLER, KLAUS ALBERTANI

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