Eine Chefin für 30.000 Studenten
In wenigen Tagen übernimmt die erste weibliche Rektorin der Steiermark eine der größten Institutionen des Landes. Die Neuropsychologin Christa Neuper leitet bis zumindest 2015 die Grazer Uni mit 30.000 Studenten und 3800 Mitarbeitern.

Foto © Jürgen FuchsChrista Neuper folgt Alfred Gutschelhofer nach
Noch eilt sie vom Psychologiegebäude ins Hauptgebäude, noch empfängt sie in einem schlichten Besprechungszimmer. Doch in wenigen Tagen wird das für die gebürtige Grazerin Christa Neuper ganz anders sein. Am 1. Oktober übernimmt sie ihr Amt als erste weibliche Rektorin einer steirischen Universität. Sie wird für zumindest vier Jahre "Managerin" einer riesigen und zugleich ehrwürdigen Institution.
Der Begriff "Managerin" gehört ja nicht zum Wortschatz von Neuper: "Wir arbeiten im Team", "wir haben eine enge Zusammenarbeit mit gutem wissenschaftlichem Output", "wenn alle Beteiligten profitieren, werte ich das als gutes Zeichen": Das sind die Sätze der Neuropsychologin, die die Grazer Hochschulen so gut wie kaum jemand anderer kennt.
"Psychologie wollte ich studieren, weil ich Menschen helfen will und weil ich gerne mit Menschen arbeite", erzählt Neuper. Doch schon im ersten Jahr ließ sie sich nur mit Mühe aus einem Seminar für Höhersemestrige vertreiben, das sich mit Neuropsychologie beschäftigte. "Im nächsten Jahr kam ich wieder, da konnte man mich nicht mehr vor die Türe weisen", lacht sie.
Hartnäckig verfolgte sie die damals in der Psychologie kaum verankerte Hinforschung. Als nach dem Studium ihre beiden Kinder zu Welt kamen, war sie weiterhin als Lehrbeauftragte tätig. Und als sich die Chance bot, am Institut für Biomedizin an der TU Graz mit dem Thema "Schnittstelle Computer - Gehirn" anzudocken, griff sie sofort zu.
Tatsächlich war Neuper zuletzt noch mit einer internationalen Fachtagung beschäftigt, die sie vor zwei Jahren an Land zog. "Ja, es ist jetzt schon ein wenig hektisch", gibt sie zu.
Zeitmanagement ist eine große Stärke der Wissenschaftlerin und - nun ja - Managerin. So stellte sie das Netzwerk "Inge-St" mit tatkräftiger Unterstützung des Landes auf die Beine, lehrte, forschte und leitete Arbeitsgruppen und Institute an der Uni und der TU, warb rundum Drittmittel ein und kann sich daher heute ganz fröhlich freuen, dass "wir beim 7. EU-Forschungs-Rahmenprogramm in unserem Bereich am meisten abgeräumt haben".
"Ich glaube an den Standort Graz, an die Kooperation am Standort." Neuper will die Zusammenarbeit mit der Medizin-Uni und der Pädagogischen Hochschule stärken und ausbauen. Zweites, vielleicht noch wichtigeres Ziel: "Die Qualität in der Forschung und Lehre trotz schwieriger Rahmenbedingungen zu halten und zu verbessern." Die künftige Rektorin will die Sichtbarkeit der Forschung verstärken und in den Verhandlungen mit dem Ministerium "das Beste für die Karl-Franzens-Universität herausholen."
Bleibt da noch Zeit für Hobbys? Neuper schätzt die Natur beim Bergwandern oder auch beim Golfen: "Ich muss hinaus ins Freie in meiner Freizeit".
Und ihre Rolle als erste weibliche Rektorin? Neuper ist da zurückhaltend. "Ich will das nicht überbewerten. Es ist ein Signal für Frauen, sich nicht aufhalten zu lassen. Und für mich wird es sicher ein Thema sein, wie man die Vereinbarkeit von Familie und Wissenschaft - nicht nur für Frauen - verbessern kann. Da geht es weniger um Quoten, sondern um das Schaffen von Möglichkeiten."
Features
Zur Person
Christa Neuper, 1958 in Graz geboren, studierte Psychologie an der Karl-Franzens-Universität Graz.
Nach der Promotion war sie in Forschung und Lehre am Institut für Psychologie der Uni Graz sowie am Institut für Biomedizinische Technik an der Technischen Universität Graz tätig. 2005 wurde Neuper zur Professorin für Angewandte Neuropsychologie und Mensch-Maschinen-Schnittstellen ernannt.
Sie war sowohl Leiterin von Instituten an der Uni und der TU und baute die "Initiative Gehirnforschung Steiermark Inge St" auf.
















