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Zuletzt aktualisiert: 15.09.2011 um 23:51 UhrKommentare

In Graz ging das Licht aus

Weil die Flutlichtanlage in Graz verrückt spielte, konnte das Spiel von Sturm gegen Moskau nicht nach Plan beginnen. Eine Blamage für Graz.

Foto © GEPA

Zack - und es war finster in der Grazer UPC Arena. Eine Stunde vor dem Auftakt zur Europa-League zwischen Sturm Graz und Lok Moskau war das noch lustig und gab Anlass zu Scherzen. Zehn Minuten vor Anpfiff war den meisten dann das Lächeln ein wenig eingefroren auf den Lippen. Um 21.05 Uhr, der offiziellen Beginnzeit, leuchteten nicht alle Lampen des Flutlichts in der UPC Arena. Viel zu wenig für ein Fußballspiel.

Das meinte schließlich auch der portugiesische Schiedsrichter mit dem klingenden Namen Bruno Miguel Duarte Paixao und der UEFA-Delegierte Tormod Larsen aus Norwegen. Es gab hektische Verhandlungen - und dann war klar: Abgesagt wird nicht, aber der Anpfiff wurde um 40 Minuten nach hinten verlegt.

Für Kurzweil sorgten da nur die Sturm-Fans, die sich von der Dämmerung nicht entmutigen ließen. Sturm-Präsident Gerald Stockenhuber war auf jeden Fall fuchsteufelswild, denn es war nicht das erste Mal, dass das Stadion für Probleme sorgte. "Wir haben ja hier so einen tollen Rasen, dass wir ihn für die Champions-League-Qualifikation anmalen mussten, damit er als Rasen durchgeht", grantelte er und ergänzte: "Sollen wir uns jetzt auch noch Kerzen kaufen?"

Ursachenforschung

Das war letztlich nicht notwendig, denn in den 40 Minuten gelang es, das Problem unter Kontrolle zu bekommen. Das machte aber auch die Laune von Karl Altenburger, Chef der Stadionverwaltung, nicht besser. "Es ist ganz klar: Wir, also ich und das Stadion-Team, sind schuld. Und wir nehmen diese Schuld auch auf uns. Das Problem: Ich weiß nicht, warum das passiert ist."

Altenburger habe sich nichts vorzuwerfen. Erst vergangene Woche sei die 14 Jahre alte Anlage generalüberholt und überprüft worden, 70 Lampen wurden dabei ausgetauscht, 15.000 Euro hat das inklusive Service gekostet. Und doch zeigte der Generator, der das Flutlicht mit Strom versorgt, am Spielabend plötzlich eine Fehlermeldung: "Motorüberdrehzahl". Warum? "Keine Ahnung." Das Flutlicht wurde an die öffentliche Stromversorgung gehängt, was das Problem letztlich verschärfte: "Es hat den Leistungsschalter geschmissen", sagt Altenburger - und wieder war es finster. Der zweite Stromausfall zog dann auch noch den Computer in Mitleidenschaft, das Flutlicht ließ sich nicht mehr vollends einschalten.

"Wir wissen trotzdem nicht, warum das passiert ist", wiederholt Altenburger immer wieder. Während sich die Spieler beider Mannschaften in den Kabinen warm hielten, sorgten acht Mann dafür, dass dem Stadion wieder ein Licht aufgeht. Am Samstag lässt Altenburger alle, die jemals mit der Lichtanlage zu tun hatten, zu einer Krisensitzung antanzen.

Pleiten, Pech und Pannen

Da hatten dann beide Teams schließlich doch gespielt, denn letztlich arbeitete die Anlage. Nicht voll, aber doch. Europaweite Schlagzeilen sind Sturm damit in jedem Fall sicher. Ebenso wie eine Geldstrafe der UEFA. Dabei sind Sturm Probleme bei internationalen Heimspielen gar nicht neu. Am 4. November 1998, als das Flutlicht noch jung und frisch war, musste just das Gastspiel von Real Madrid in Graz in der Champions League beim ersten Versuch abgesagt werden. Sintflutartiger Regen hatte den Platz damals unbespielbar gemacht und für eine Premiere der besonderen Art gesorgt: Es war das erste Spiel in der Geschichte der Königsklasse, das nicht wie geplant stattfinden hatte können. Madrid war es damals übrigens egal, die "Königlichen" siegten am Tag danach mit 5:1.

Das gefallene Tor

Mit dem Lichtausfall wird Sturm aber nicht die prominenteste Verschiebung von Platz eins verdrängen können: Die gab es am 1. April 1998 in Madrid, als ein Tor im Bernabéu umgefallen war. 76 Minuten dauerte es, bis ein Ersatz-Tor aufgetrieben war. Im deutschen Fernsehen kommentierten damals Marcel Reif ("Noch nie hätte ein Tor dem Spiel so gut getan") und Günther Jauch so launig, dass die später dafür mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden waren. In Graz hätte dem Stadion nur ein Licht aufgehen müssen.

KLAUS MOLIDOR, THOMAS PLAUDER, MICHAEL SCHUEN

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