Architekt Thomas Pucher: "Lassen wir Reininghaus in Ruhe"
Im Idealfall 25 Jahre lang, meint Architekt Thomas Pucher, der 2009 den Rahmenplan erstellte. Zumindest sollte es vorerst ein Bauverbot geben.

Foto © PrivatDie Reininghausgründe
H err Pucher, Sie haben vor zwei Jahren den Rahmenplan für Reininghaus erstellt. Braucht die Stadt überhaupt einen neuen Stadtteil?
THOMAS PUCHER: Das Potenzial, eine so große und zusammenhängende freie Fläche zu haben, ist enorm. Man könnte damit ein echtes Zentrum für Graz-West schaffen, das ist die Chance, die ich sehe. Die Frage ist, ob man jetzt diesen Stadtteil braucht. Was viele übersehen: Die Stadt Graz hat in Sachen Verdichtung noch viel Spielraum. Ich schätze, ein Plus von 25 Prozent der derzeitigen Bruttogeschossflächen im ganzen Stadtgebiet ist da locker drin, wahrscheinlich mehr. Und das ohne Reininghaus.
Das heißt: Reininghaus dem Dornröschenschlaf überlassen?
PUCHER: Lassen wir Reininghaus in Ruhe. 25 Jahre lang, das wäre ideal. Den Rahmenplan gibt es ja, den kann man später adaptieren, falls nötig. Stattdessen könnte man das Gebiet links und rechts der Südbahn von Don Bosco bis zum Bahnhof und dann weiter nach Norden entwickeln. Oder in der Conrad-von-Hötzendorfstraße. Dort wurde ja schon mit einer Verdichtung begonnen, da sieht man erst, was alles möglich ist in Graz. Derzeit ist ja alles außerhalb der Altstadt nicht zum Anschauen: Wenn man mit einem Gast vom Flughafen in die Stadt fährt, muss man sich genieren.
Und Reininghaus wird in der Zwischenzeit filetiert.
PUCHER: Das Schlechteste aus städteplanerischer Sicht wäre es, das Areal zu filetieren; wenn es jetzt Stück für Stück abverkauft und nach der derzeitigen Widmung genutzt würde, hätten wir dort eine Gewerbefläche nach der anderen und die Idee von einem neuen Stadtteil hat sich erledigt. Als Stadtplanung muss man mit Weitblick agieren: Wir werden auch 2111 Bedarf haben. Der Haken: Investoren wollen jetzt verdienen und nicht in 100 Jahren.
Wie kann man das Filetieren verhindern?
PUCHER: Mit einem zweijährigen Bauverbot. Aber in diesen zwei Jahren muss man, aufgesetzt auf dem Rahmenplan, detailliert überlegen, was dort passieren soll - natürlich zusammen mit dem Eigentümer.
Soll der Eigentümer die Stadt sein?
PUCHER: Das ist reizvoll, hängt aber davon ab, ob die Stadt das Geld und den Atem hat, das zu kaufen. Und es ist natürlich ein Risiko damit verbunden, ob man dann immer genügend Investoren findet, die das Schritt für Schritt entwickeln.
Die Stadt denkt statt an ein Bauverbot intensiv über eine Bebauungsplanpflicht nach. Reicht dieses Instrument nicht aus, um Ihre Vorstellungen umzusetzen?
PUCHER: Eine Bebauungsplanpflicht hilft nichts. Ich muss ja wissen, was ich da hineinzeichnen soll. Und dazu wären die zwei Jahre Bauverbot gut, um mir das zu überlegen. Auch generell: Bebauungspläne sagen überhaupt nichts über die Qualität der Umsetzung aus, ich sehe eher die Gefahr einer Behinderung.
Was ist notwendig, um diese Qualität zu sichern?
PUCHER: Es braucht endlich einen Gestaltungsbeirat, der strategisch alle Schritte in der Stadt - und in Reininghaus - eng begleitet. Sonst zerfledert alles. INTERVIEW: GERALD WINTER
















