"Viele Kletterer verlassen sich auf die Rettung"
Zwölf Menschen starben heuer bereits beim Klettern, doppelt so viele wie 2010. Vier davon in der Steiermark.

Foto © Hoffmann Kletterhallen: Ideal zum Üben für das Klettern am Berg
GRAZ. Eine senkrechte Felswand zu erklimmen gibt vielen Bergsportlern den Kick. Doch in der Steilwand lauern Gefahren. Die meisten Unfälle passieren aufgrund von technischen Fehlern beim Sichern sowie aufgrund von Überanstrengung. "Die Klettersteige sind modern und toll hergerichtet und die Kletterer sind gut ausgerüstet. Viele unterschätzen aber, dass sie trainiert sein müssen und Ausdauer brauchen", sagt Fritz Seidl, Leiter der Bergrettung Steiermark.
Zudem nehmen sich Hobbysportler oft Sportkletterer zum Vorbild und stoßen bei ihren Kletterkünsten rasch an ihre Grenzen. "Sportkletterer hängen oft wochenlang in einer Wand und projektieren, bis sie ohne Rasten und ohne Probleme durch die Wand kommen", betont Hans-Peter Scheb, Alpinreferent des steirischen Alpenvereins. Freizeitsportler würden oft dem Irrglauben erliegen, Klettern sei einfach. "Nur weil man gehen kann, kann man aber nicht zwangsläufig auch gut klettern. Man sollte am besten gleich zu Beginn eine Ausbildung machen", erklärt Scheb.
Dazu bieten sich unter anderem die zahlreichen Kletterhallen an, in denen man wetterunabhängig trainieren kann. Allerdings ersetzt das Indoor-Klettern nicht die Erfahrung unter freiem Himmel. "Im Freien gibt es zahlreiche objektive Gefahren - wie Steinschlag", so der Alpinreferent. Zudem würden viele die Wettereinflüsse unterschätzen, zumal gerade Touristen nur begrenzte Zeit für ihren Kletterurlaub zur Verfügung haben. "Wir registrieren immer mehr Sportler aus dem Osten, die in der Halle den achten Schwierigkeitsgrad klettern", erklärt Scheb, "auf dem Berg kommen sie aber immer wieder in gefährliche Situationen." Unter anderem wegen Wetterumstürzen oder weil sie die Dauer einer Klettertour unterschätzen.
"Wenn man zu klettern beginnt, lernt man als Erstes, immer eine Rückzugsmöglichkeit parat zu haben. Viele Bergsportler verlassen sich aber darauf, dass sie sowieso gerettet werden, wenn es nicht weitergeht. Und bringen damit bis zu 20 Bergretter in Lebensgefahr", zeigt sich Scheb verärgert.
















